Drei Frauenfußball-Teams aus Castrop-Rauxel spielen in der Saison 2018/19 um Punkte. Doch es waren einmal mehr als doppelt so viele in Castrop-Rauxel. Warum gibt es immer weniger Teams?

von Laurent Ruttkowski, Marcel Witte, Sarah Rütershoff

Castrop

, 11.07.2018, 18:21 Uhr / Lesedauer: 4 min

Im Jahr 2003 ging mit Victoria Habinghorst ein Team in der Kreisliga A Dortmund an den Start. Die Zahl der Mannschaften steigerte sich danach. Vier Jahre später, zum Start der Kreisliga A Herne/Castrop-Rauxel, meldeten neben der Victoria auch Arminia Ickern, die Spvg Schwerin, Wacker Obercastrop, der SuS Merklinde, Eintracht Ickern und der SuS Pöppinghausen ein Team für den Spielbetrieb an.

Es schien aufwärts zu gehen für den Frauenfußball in Castrop-Rauxel – auch sportlich. Arminia Ickern stieg im Jahr 2011 in die Bezirksliga auf, in den Jahren 2012 und 2013 folgten Victoria Habinghorst und die Spvg Schwerin. Doch dann folgte die Abmeldewelle: Eintracht Ickern stellte bereits ab 2009 kein Frauen-Team mehr. Der SuS Merklinde (2010), FC Frohlinde (2012), Wacker Obercastrop (2014), SuS Pöppinghausen (2016) und die Spvg Schwerin (2017) folgten.

Das sind die Probleme der Klubs

Mit Ausnahme der Spielzeit 2016/17 gab es seit der Saison 2005/06 nicht mehr so wenige Mannschaften - nur noch Arminia Ickern und Victoria Habinghorst als Bezirksligisten und die SG Castrop als A-Kreisligist halten die heimischen Fahnen hoch..

„Einige Vereine vernachlässigen leider ihre Frauen-Teams“, sagt Gerald Breitfelder, Koordinator Frauenfußball beim FLVW Herne. Zudem sei es ein Problem, dass viele Klubs keinen Unterbau hätten, sodass diese Mannschaften immer Spielerinnen von anderen Klubs verpflichten mussten.

Der Unterschied zwischen Herne und Castrop-Rauxel

In Herne sei die Situation besser als in Castrop-Rauxel. In der vergangenen Saison liefen sechs Herner Teams auf. Dennoch könnte es Veränderungen geben. „Die Kreisliga B, die auch Gelsenkirchen umfasst, steht zur Disposition. Im vergangenen Jahr gab es hier nur acht Teams, die Mannschaften hatten mehr Pausen als Spiele“, so Breitfelder.

Bei den Frauen-Teams steht bereits in diesen Tagen der Beginn der Saisonvorbereitung an. Drei Mannschaften haben sich für den Spielbetrieb angemeldet: Arminia Ickern, Victoria Habinghorst (beide Bezirksliga) und SG Castrop (Kreisliga A). Und alle haben sie eines gemein: In fünf Wochen wollen sie fit sein für die Aufgaben der neuen Spielzeit.

Warum es immer weniger Frauen-Teams gibt

Arminia Ickern, hier mit Annika Fronhöfer (r.) gegen Sarah Rütershoff von Victoria Habinghorst, möchte in der neuen Saison erneut nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. © Volker Engel

Von Ausdauer über Schnelligkeit und Koordination bis hin zur Taktik und Technik am Ball – viele Bereiche gilt es, gezielt zu verbessern, um in der neuen Saison zu punkten. Die Trainer sitzen längst wieder an der Trainingsvorbereitung. So auch SC Arminia Ickern-Trainer Fabian Holtze, der in der Winterpause der letzten Saison die Mannschaft von Yannick Grondin übernommen hat. Mit seiner Mannschaft blickt er trotz Engpässe in der vergangenen Spielzeit sehr zuversichtlich auf die kommende Saison, denn es gebe fünf bis sechs Neuzugänge, lässt Holtze durchblicken.

Den Klassenerhalt vorzeitig entscheiden – so lautet das Ziel, das Holtze mit seinen Damen in der nächsten Saison verfolgt. Mit 22 Punkten und damit acht Punkten Vorsprung vor dem ersten Absteiger hatten sie in der vergangenen Saison den Abstieg noch rechtzeitig abwenden können. Für die Saisonvorbereitung und die Meisterschaftsspiele suche er aber aktuell noch nach einem Co-Trainer, der ihn unterstützt. Denn alleine wäre der Trainerjob schon eine enorme Herausforderung, da er selbst noch aktiv beim Selmer GS Cappenberg Fußball spielt.

Die Derby-Niederlage soll wieder gut gemacht werden

Was die Kaderaufstellung für die nächste Saison bei der DJK Victoria Habinghorst betrifft, ist die Kapitänin Bianca Beutler zuversichtlich. Durch Neuzugänge und die Verstärkung dreier Juniorinnen, die in diesem Jahr in die Damenmannschaft hochrücken, können die Victoria-Damen auf einen großen und starken Kader bauen. „Wenn wir die nächste Saison mit mehr Motivation, Ehrgeiz und Trainingsbeteiligung angehen, denke ich, dass wir es unter die ersten fünf Plätze schaffen können“, so Beutler. „Eines unserer Saisonziele ist auf jeden Fall, die Niederlage gegen Arminia wieder gut zu machen und beide Spiele mit einem Sieg zu beenden.“

Für die Zukunft mache sich Beutler keine Sorgen um den Frauenfußball in Castrop-Rauxel, auch wenn es nur noch drei gemeldete Damenmannschaften gebe. „In Victoria haben wir allein 80 gemeldete Mädchen. Ich denke, es kommt bei den Damen sicherlich noch was nach.“ Den Trainerjob bei der Victoria übernehmen wird wieder Pasquale Di Ianne, dieses Jahr mit Marco Sievers auf dem Co-Trainer-Posten.

Warum es immer weniger Frauen-Teams gibt

Das einzige Derby im Frauenfußball: Theresa Steingaß (l.) von Arminia Ickern und Meike Bertram von Victoria Habinghorst im Duell. © Volker Engel

Wiederum die Damen der SG Castrop haben das umgesetzt, was sie sich vor dem Beginn ihrer ersten Saison in der Vereinsgeschichte vorgenommen haben: den Kreisliga-A-Aufstieg. Mit nur einer Niederlage im gesamten Saisonverlauf erreichten die Damen, angeführt von Spielertrainerin Ivonne Rüppel und Kapitänin Franziska Schulte, den zweiten Tabellenplatz.

Rüppel, die sich im zentralen Mittelfeld am wohlsten fühlt, hat das Amt vor Saisonbeginn übernommen. Laut der bisherigen Spielertrainerin „habe es einfach nicht gepasst“ mit Ex-Trainer Sebastian Gulke, mit dem die Frauen in die Vorbereitung gegangen waren. Der Vorsitzende der SG, Björn Klieve, sprach von einer „unkomplizierten Trennung“ von Gulke.

Duo kümmerte sich um die Traineraufgaben

Daraufhin entschied sich die Mannschaft für die 31-jährige Rüppel, die keinerlei Trainererfahrung besaß, bevor sie diese Aufgabe annahm. Die Verkäuferin zeigt sich nach Saisonende stolz darüber, dass sie ihre Aufgabe mit Erfolg gemeistert hat. Unterstützung erhielt sie dabei von Kapitänin und Rechtsverteidigerin Franziska Schulte, die sagt: „Das hat gut geklappt, ich hatte schon immer Spaß daran, das Training zu gestalten“. Ob es um das Organisieren von Team-Trips oder neue Trikotsätze geht, Schulte bezeichnet sich selbst als „Frau für Alles“ innerhalb des Teams. Es sei ein schönes Gefühl für sie, Kapitänin zu sein und die Anerkennung für ihr Engagement zu spüren.

Für einige Wochen stand den Frauen der SG Castrop auch Daniel Roth zur Seite. Roth trainierte zur selben Zeit die U17-Mannschaft von Arminia Sodingen. „Es war sehr gut, was er gemacht hat, aber er wirkte etwas unerfahren“, so Rüppel.

Warum es immer weniger Frauen-Teams gibt

Marlies Berndt (M.) ist mit der SG Castrop in die Kreisliga A aufgestiegen. Dort geht es für die SG auch mit einem neuen Trainer weiter: Sascha Erbe. © Volker Engel

Nach dem Aufstieg sahen Rüppel und Schulte dringenden Bedarf, einen neuen Trainer für die Mannschaft zu finden. Als Spielertrainerin hatte es Rüppel oft nicht einfach, denn die Mittelfeldspielerin musste manchmal „schwierige Entscheidungen treffen, die manchem nicht passten“. Außerdem würde sie sich lieber auf das Spielen konzentrieren. Schulte ergänzt, dass die Frauen gerne jemanden hätten, „der böse auf uns ist, und auf den wir auch mal böse sein können“.

Mit Sascha Erbe wurde nun ein neuer Trainer gefunden. Der Inhaber der B-Lizenz war zuletzt Coach beim Oberligisten SC Hassel, der sich im November 2017 aus finanziellen Gründen jedoch zurückzog. „Ich bin seit 15 Jahren Trainer, habe aber noch nie ein Frauen-Team trainiert“, so der Hertener am Dienstag.

Stimmung im Verein hat sich durch die Frauen verbessert

Der Coach möchte im Frauen-Bereich „neue Erfahrungen als Trainer“ machen. Erbe ist kein Unbekannter in Castrop-Rauxel: In der Saison 2015/16 trainierte er den B-Kreisligisten VfB Habinghorst II. Am Dienstagabend leitete Sascha Erbe seine erste Trainingseinheit bei der SG.

Im Verein sorgen die Damen für gute Stimmung. Björn Klieve beschreibt, dass die Mannschaft sich „super eingefügt hat in den Verein und sowohl menschlich als auch fußballerisch eine Bereicherung ist“.

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