Westfalia Herne stellt Insolvenzantrag - Oberligist kämpft um seine Zukunft

Traditionsclub

Es ist einer der ruhmreichsten Fußballklubs der Region: Westfalia Herne, traditionsreiches Mitglied der Oberliga Westfalen, hat am Donnerstag einen Insolvenzantrag gestellt. Doch es geht weiter.

Herne

, 06.12.2019, 10:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Westfalia Herne stellt Insolvenzantrag - Oberligist kämpft um seine Zukunft

Die Landesliga-Fußballer des FC Frohlinde (r, mit Paul Neese) spielten Anfang Oktober 2018 im Kreispokal gegen den Oberligisten Westfalia Herne. Der Landesligist verlor 0:1. Jetzt bangt Westfalia aber um die Zukunft. © Jens Lukas

Der SC Westfalia Herne hat eine ruhmreiche Vergangenheit: Der Verein spielte 1959 und 1960 in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft mit - zu einer Zeit, als es die Bundesliga noch nicht gab. In den 70er-Jahren mischte das Team vom Schloss Strünkede fünf Jahre in der 2. Bundesliga mit. Damals fasste das große Rund am Schlosspark noch bis zu 30.000 Zuschauer.

Antrag beim Amtsgericht Bochum gestellt

Am Donnerstag, nach Monaten des Bangens und Hoffens, verkündete der Club nun öffentlich, er habe einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Bochum gestellt. Doch auf dem Platz soll es weiter gehen.

Schon das gesamte Jahr 2019 arbeitet der Vorstand daran, die Zukunft irgendwie zu sichern. Auf einer Mitgliederversammlung im Mai war noch von Verbindlichkeiten von über 150.000 Euro die Rede. Im August, als der Vorstand neu gewählt wurde, hieß es, man habe 75.000 Euro Schulden.

Monatelange Zahlungsrückstände an Angestellte

Nach einem Bericht der Funke Mediengruppe (WAZ+) soll sich der Vorstand vor zwei Wochen an die auf Insolvenzen spezialisierte Kanzlei Möning und Partner gewendet haben. Es soll monatelange Zahlungsrückstände an Spieler und andere Angestellte des Vereins geben.

Westfalia Herne stellt Insolvenzantrag - Oberligist kämpft um seine Zukunft

Torwart Hans Tilkowski (r) von Westfalia Herne hält am 4. Juni 1960 einen Schuss des HSV-Stürmers Uwe Seeler während des Rückrunden-Spiels der Deutschen Fußball-Meisterschaft zwischen dem Hamburger SV und Westfalia Herne. © picture alliance / dpa

Seit 2011 dauere die schwierige Finanzsituation schon an. Einbrüche in Vereinsliegenschaften, Sturmschäden, Umbauarbeiten am Stadion: Es habe in den vergangenen Jahren immer wieder besondere Ausgabenposten neben dem normalen Spielbetrieb gegeben. Und man habe versucht, den Betrieb stets aufrecht zu erhalten. Nun aber sei aus rechtlichen Gründen ein Insolvenzantrag erforderlich.

Derzeit im gesicherten Mittelfeld - doch Punktabzug droht

In der Oberliga Westfalen steht Westfalia derzeit im gesicherten Mittelfeld: 22 Punkte, eine ausgeglichene Bilanz von 6 Siegen bei 6 Niederlagen und 4 Unentschieden stehen zu Buche. Zehn Zähler hat Herne Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang 17.

Der Verein muss nun aufgrund der DFB-Regularien mit einem Punktabzug rechnen. Wie viele Punkte es sein werden, ist aber offen. 2015 war der Verein in die Verbandsliga abgestiegen, 2017 gelang nach zwei Jahren der Wiederaufstieg in die Fünftklassigkeit.

Sponsoren und einige Spieler halten die Treue

Das Aufrechterhalten des Betriebs gelingt wohl dadurch, dass einige Spieler zuletzt ihre Bereitschaft zeigten, auch ohne die üblichen Bezüge weiterzumachen. Andere sollen den Club bereits verlassen haben. Einige Sponsoren sollen ihre Treue zum Verein trotz des Insolvenzantrags ausgesprochen haben und weiter zahlen. Der Insolvenzantrag sichert laut WAZ auch ein Insolvenzgeld zu, mit dem ausstehende Gehälter bezahlt werden könnten.

Der Vorsitzende Uwe Heinecke sagte gegenüber der WAZ, man fange jetzt „ganz neu an“. Ein Insolvenz-Experte erklärte der Zeitung, dass die Westfalia mit dem Antrag die Chance erhalte, sich über ein Insolvenzverfahren zu sanieren. Der Spielbetrieb soll weiter gehen - allerdings wohl mit einem Rumpfkader.

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