Wie Ron Ulrich mit Gertjan Verbeek ein Waldhaus baute und gegen Baris Özbek verlor

rn11-Freunde-Autor aus Castrop-Rauxel

Der Ickerner Ron Ulrich trifft regelmäßig Profifußballer. Er arbeitet für das Fußballmagazin 11 Freunde. Dabei erlebt er oft Kuriositäten. Ein Glücksbringer ist er allerdings nicht.

Henrichenburg, Ickern

, 09.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ende dieser Woche wird es für Ron Ulrich stressig. Dann ist Produktionsschluss und viel zu tun. Der Ickerner lebt und arbeitet in Berlin als Redakteur beim Fußballmagazin 11 Freunde. Wie Fußballprofis hinter den Kulissen drauf sind und was ihn noch mit Castrop-Rauxel verbindet, darüber hat er mit uns im Interview gesprochen.

Herr Ulrich, wie hart war für Sie der 12. Mai 2019?

Sicherlich nicht so hart wie für die Jungs in Henrichenburg.

Das war der Tag, an dem der TuS nach vielen Jahren im Kreisliga-Oberhaus wieder abgestiegen ist. Welche Beziehung haben Sie zum Klub von der Lambertstraße?

Ich schaue schon jeden Montag im Internet nach, wie Henrichenburg gespielt hat. In den vergangenen Jahren ging es ja schon oft gegen den Abstieg. Andreas Menne hatte mehrmals sein Comeback gegeben, damit der Verein die Klasse hält. Das habe ich natürlich alles mitbekommen.
Simon Waack, Nicolas Böcker, Carlos Frecker, Lukas Wels, Mathias Köhnen, Rene Niewind oder Christian Grum kenne ich noch von damals. Als 16-Jähriger bin ich zum TuS gekommen und hatte dort eine mega coole Zeit. Wir sind als Mannschaft auch so abends weggegangen. Die Sommer haben wir am Kanal verbracht. Angefangen habe ich aber bei Eintracht Ickern.

Wie Ron Ulrich mit Gertjan Verbeek ein Waldhaus baute und gegen Baris Özbek verlor

© Ron Ulrich

„Es gab danach viele Zuschriften von Lesern, die Kimmich auf dem Cover gar nicht gut fanden. Da sieht man, wie oberflächlich häufig die Bewertung einzelner Spieler ist.“
Ron Ulrich

Sie sind seit 2011 Redakteur bei 11 Freunde und treffen dort regelmäßig Profifußballer. Gibt es jemanden, von dem ein bestimmtes mediales Bild gezeichnet wird, was überhaupt nicht der Realität entspricht?

Das gibt es - sowohl in die positive, als auch in die negative Richtung. Als Beispiel fällt mir da Joshua Kimmich ein, den ich für eine Titelgeschichte mehrmals treffen durfte. Er ist sehr geerdet, mit ihm kann man sich gut unterhalten. In der Öffentlichkeit hat er ein schlechtes Standing, wirkt für einige vielleicht auch unsympathisch, weil er beim FC Bayern spielt.
Es gab danach viele Zuschriften von Lesern, die Kimmich auf dem Cover gar nicht gut fanden. Da sieht man, wie oberflächlich häufig die Bewertung einzelner Spieler ist.

Was war der beeindruckendste Moment Ihrer Reporter-Laufbahn?

2014 habe ich den 1.FC Nürnberg ein halbes Jahr begleitet, der zu diesem Zeitpunkt auf einem Abstiegsplatz stand. Es war spannend, so nah am Verein zu sein. Gertjan Veerbek, später auch beim VfL Bochum, war Trainer und zu mir immer sehr direkt.
Er hat mich dann mal an einem trainingsfreien Tag zu seinem Waldhaus in den Niederlanden eingeladen, das er selbst gebaut hat. Ich habe nicht damit gerechnet, dass er an diesem Tag auch an seinem Haus weiterarbeiten will. Also habe ich alte Klamotten aus meinem Auto geholt und mit Verbeek und seinen Freunden Sandsteine geschleppt.
Das Interview fand dann in einer Umgebung statt, wie man sich das auf dem Bau vorstellt: in einem Container mit der Tee- und Kaffeekanne auf dem Tisch. Leider hatte die Geschichte ein böses Ende: Der Club ist abgestiegen.

Zur Person

Das ist Ron Ulrich

Ron Ulrich wurde 1986 in Castrop-Rauxel geboren, ist in Ickern aufgewachsen und spielte dort Fußball bei der Eintracht und dem TuS Henrichenburg. 2006 ging es für ihn für sein Geschichts- und Germanistikstudium nach Münster. Seit 2011 ist er Redakteur beim Fußballmagazin 11 Freunde. 2013 gewann Ulrich mit dem Liveticker-Team von 11 Freunde den „Grimme Online Award“ und wurde mit der Redaktion auch für den „Für Demokratie — gegen das Vergessen“-Preis ausgezeichnet. Den gab es für die Recherchen zum Thema rechte Strömungen in Fan- und Fußballkultur. 2018 war er für den Deutschen Reporterpreis nominiert. Er begleitete dabei Peter Fischer, den Präsidenten von Eintracht Frankfurt. In diesem Jahr belegte der Ickerner Rang zwei beim Online-Preis des Verband Deutscher Sportjournalisten für ein Multimedia-Projekt zu Aussteigern aus der Nazi-Szene.

Ist es schwierig, mehr als die typischen Interviewfloskeln aus den Spielern herauszubekommen?

Bei der Nürnberg-Geschichte sind sie so beim zweiten oder dritten Treffen aufgetaut. Man sollte zum Beispiel nicht in zu belebte Cafés gehen. „Zu viele Augen“, sagen die Spieler dann. Wir als Magazin haben den Vorteil, dass wir die Spieler öfter treffen. Die Antworten sind auch nicht so emotional wie ein paar Minuten nach Spielende.
Mit Kimmich konnte ich ganz normal sprechen. Natürlich gibt es immer noch den doppelten Boden, da die Spieler abgesichert sind durch die Autorisierung der Presseabteilung ihrer Klubs.

Sind Sie noch oft in der alten Heimat?

Ich versuche, alle zwei Monate nach Castrop-Rauxel zu kommen. Mit der Bahn ist das inzwischen ganz gut machbar. Termine wie „Castrop kocht über“ versuche ich immer einzuplanen, weil es die Chance bietet, alle auf einmal wiederzusehen.
Und die Hallenstadtmeisterschaft verfolge ich auch immer, und sei es per Live-Ticker. Das war damals schon immer eine tolle Stimmung. Einmal habe ich es mit dem TuS Henrichenburg ins Halbfinale geschafft. Da kam dann die Spvg Schwerin mit Baris Özbek und hat uns auseinandergenommen.

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