Wird Golf in Castrop-Rauxel zum Volkssport?

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Nach der wochenlangen Corona-Zwangspause können die Castrop-Rauxeler Golfer wieder abschlagen und putten. Ein heimischer Trainer spricht über die Perspektiven seines Sports.

Frohlinde

, 18.05.2020, 06:35 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wie können Kinder und Jugendliche vom Golfen profitieren? Können sich Familien golfspielende Kinder leisten? Sportmitarbeiter Dieter Düwel traf Golftrainer Andrew Shephard im Clubhaus an der Dortmunder Straße zu einem Gespräch.

Hallo, Mr Shephard, wir treffen uns hier im Club, nachdem das Golfspielen wochenlang geruht hat. Wie haben Sie die Zwangspause erlebt?

Ich habe viel Zeit mit Home-Training im eigenen Garten verbracht. Mit einem elektronischen Simulationsprogramm kann man verschiedene Schläge wie zum Beispiel den Abschlag üben. Außerdem habe ich an Online-Seminaren für Golf-Pros teilgenommen.



Wie sind die Aussichten für die nächsten Wochen und Monate? Wird es einen normalen Spielbetrieb geben?

Der normale Spielbetrieb für unsere Mitglieder stellt sich so langsam wieder ein. Wir haben allerdings noch einige Einschränkungen, Zum Beispiel darf die Fahne nicht angefasst werden und der Ball fällt nicht ins Loch. Man kann aber beobachten, dass sich unsere Spieler sehr diszipliniert verhalten. Sie möchten keinen erneuten Lockdown riskieren.

Wie sah es denn in den Wintermonaten vor der Corona-Krise auf der Golfanlage aus? Ruht dann der Spielbetrieb?

Unser Motto ist: Das Ende der Saison ist immer der Anfang der nächsten Saison. Unser Club hat 13 Mannschaften, die ihre Technik während der Wintermonate trainieren, so dass sie für die neue Saison gut vorbereitet sind. Im letzten Jahr sind viele Anfänger zu uns gekommen, die auch im Winter kräftig dabei gewesen sind, die Grundlagen des Golfspielens zu lernen. Solange kein Schnee liegt, können wir abends auf unserer Driving Range trainieren, mit Überdachung, Heizung und Beleuchtung. Wir haben hier also schon einen Ganzjahresbetrieb.

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Was ist das Besondere an dem Castrop-Rauxeler Golfclub im Vergleich zu anderen Clubs in der Umgebung?

Wir haben wahrscheinlich den größten Golfplatz im Ruhrgebiet mit unserer 27-Loch-Anlage. Das heißt, dass man zu 99,99 Prozent immer Golf spielen kann. Egal, ob gerade ein Turnier stattfindet oder nicht. Die Mitglieder müssen keine Startzeit reservieren. Das nenne ich als Engländer „Millionaire’s Golf“.

Was bedeutet das genau?

Man kann kommen, wann man will, man kann spielen, mit wem man will. Wir haben hier eine ganz besondere Flexibilität, die kein anderer, kleinerer Club gewährleisten kann.

Der GC Castrop-Rauxel verfügt über größten 27-Loch-Golfplatz im Ruhrgebiet.

Der GC Castrop-Rauxel verfügt über größten 27-Loch-Golfplatz im Ruhrgebiet. © Volker Engel


In Deutschland hat sich der Golfsport ja nicht zum Volkssport entwickelt. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Das liegt zunächst mal daran, dass es hier viel weniger Golfplätze gibt als in England, zum Beispiel. Gerade in der Umgebung von Castrop-Rauxel findet man nicht viele Anlagen. Die Leute wollen nicht zwei Stunden auf der Autobahn verbringen, um eine Stunde Golf zu spielen. Das andere Problem ist das Image von Golf in Deutschland. Viele Leute sehen Golf immer noch als elitären Sport.

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Sehen Sie das nicht so?

Ich denke, hier in Castrop-Rauxel trifft das nicht zu. Wir haben zum Beispiel ein sehr erfolgreiches „Schnupper-Golf-Programm“, das wir über das ganze Jahr durchführen. Dadurch haben wir mehr als 100 neue Mitglieder bekommen. Wenn man berücksichtigt, dass es 45 Euro im Monat kostet, in unserer Stadt Golf zu spielen, dann ist das für viele eine erschwingliche Summe.


Es gibt viele Stimmen, die sagen, Golf ist kein richtiger Sport sondern eher eine Freizeitbeschäftigung. Was sagt der Trainer dazu?

Natürlich gibt es diese Auffassung. Man kann das Golfen als Freizeitbeschäftigung ansehen, aber man kann es auch als Sport betreiben. Das gilt für viele Sportarten. Man kann beispielsweise auch Billard als Freizeitbeschäftigung oder als Sport ausüben. Es kommt eben darauf an, mit welcher Intensität man daran geht.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs im Castrop-Rauxeler Golfclub aus?

Die Jugendabteilung läuft jetzt sehr gut. Wir arbeiten mit zwei Schulen zusammen. Am Adalbert-Stifter-Gymnasium und an der Cottenburgschule gibt es jeweils eine Golf-Arbeitsgemeinschaft, unterstützt vom Golfverband und unserem Förderverein. Wir haben einen neuen Sponsor für unsere Jugendabteilung gefunden: das Sport Forum in Castrop, das sich im Bereich der Fitness für unsere Kinder und Jugendlichen engagiert.

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Was würden Sie Eltern, die ihre Kinder im Club anmelden wollen, sagen, warum das Golfen das Richtige für sie ist?

Das Wichtigste ist, dass der Golfsport die Eigenverantwortung der Kinder fördert. Das Kind muss für seine eigenen Entscheidungen und Fehler geradestehen, anders als zum Beispiel beim Fußball, wo die Mannschaft eigene Fehler ausbaden kann. Der Jugendliche muss überlegen und organisieren, wie er falsche Entscheidungen korrigieren kann. Außerdem fördert das Golfen die Konzentrationsfähigkeit. Man muss sich einige Stunden am Stück gut auf seine Aufgaben fokussieren können.

Welche Qualitäten werden bei Kindern und Jugendlichen besonders durch das Golfspielen gefördert?

Technik, Ausdauer, Konzentration sowie die eigene Analyse, wie man strategisch am besten über den Golfplatz gehen kann. Hauptsächlich ist es die Technik, so dass man in der Lage ist, den Golfball dahin zu schlagen, wo man ihn hin haben möchte. Das ist natürlich die Herausforderung für jeden Golfer, aber als Kind macht man das viel unbefangener. Erwachsene sind oft gehemmter. Wenn man einem Kind sagt „Schlag mal da hin“, dann überlegt es nicht, was passiert, wenn der Ball nach rechts oder links geht. Der Erwachsene überlegt erst einmal, was ist, wenn das „in die Hose geht“.

Zurück zum Thema Golf und Volkssport. Viele schrecken vor den Kosten zurück, die das Golfspielen mit sich bringen. Mit welchen Kosten müssen Eltern, die ihr Kind im Castrop-Rauxeler Golfclub anmelden wollen, rechnen?


Wie in jedem Sport ist das abhängig von der Ausrüstung. Zusätzlich zur Mitgliedschaft im Club muss man mit ungefähr 25 Euro im Monat rechnen. Eine günstige Golfausrüstung kann man sehr gut online bekommen. Der Markt für gebrauchte Schläger ist riesig.

Die Anlage des GC Castrop-Rauxel liegt rechts und links von der Dortmunder Straße in Frohlinde.

Die Anlage des GC Castrop-Rauxel liegt rechts und links von der Dortmunder Straße in Frohlinde. © Volker Engel


Aber dazu kommen ja noch die Trainerstunden...

In dem Mitgliedsbeitrag von 100 Euro im Jahr (Anm.d.Red.: für Kinder bis einschließlich 13 Jahre sowie 250 Euro für die Jugendlichen bis 16 Jahre) ist das Training im Sommer mit eingeschlossen.


Ein kurzer Ausblick auf die Sommersaison: Werden Mannschaftswettbewerbe stattfinden?

Das stand zuletzt noch in den Sternen. Die Verbände legten jetzt fest, dass die Mannschafts-Saison abgesagt wird. Bei den Turnieren-Tagen sind 60 bis 70 Golfer auf unserer Anlage. Das verstößt aber gegen die jetzt geltenden Vorschriften. Das würde aktuell auch die interessanten Turniere, die wir in diesem Jahr auf unserer Anlage geplant hatten, gelten. Wie zum Beispiel das „Europa-Turnier“ mit Teams aus den Partnerstädten Castrop-Rauxels oder das Turnier der PGA-Golflehrer Series.

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