Acht beindruckende Tennis-Vitas

Das Sportporträt

Mit der Gründung einer Damen-Seniorenmannschaft begann beim ATC Schermbeck 1988 eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht – und bis heute anhält.

SCHERMBECK

von Von Horst Lehr

, 13.06.2017, 17:04 Uhr / Lesedauer: 3 min
Acht beindruckende Tennis-Vitas

Helgard Sasonow, Karin Groß, Elke Tewes, Magda Hoffmann, Gesine Groll, Christel Lehnart und Inge Lütsch-Becker (v.l.) bilden beim ATC Schermbeck seit Jahrzehnten ein Erfolgsteam. Auf dem Foto fehlt Regine Heinz.

Von der Kreisliga über Bezirks- und Verbandsliga spielten die Damen 1993 sogar in der Oberliga. Seit 2000 steht die Mannschaft durchgängig in der Westfalenliga am Netz, und wurde 2008, 2013 und 2015 Westfalenmeister.

Tennis, Fußball, Tennis

1993 kam die heutige Mannschaftsführerin Inge Lütsch-Becker dazu. Im beschaulichen Moyland, ihrem Heimatort am Niederrhein, war Tennis vor 50 Jahren noch ein wahrhaft elitärer Sport. Die 14-jährige Inge wollte damals unbedingt dabei sein und spielte zuerst mit einem Leihschläger und gebrauchten Bällen. Als sie nach der Lehre keinen Mannschaftsanschluss fand, wechselte sie kurzerhand die Sportart und begann mit dem Fußballspielen. Bei Fortuna Keppeln spielte sie zehn Jahre als linke Verteidigerin, wurde belächelt, wenn die Niederlagen zweistellig waren, und hat die Entwicklung des Frauenfußballs hautnah miterlebt.

1978 kam sie dann zum ATC und startete im Tennis wieder bei „Null“. Lütsch-Becker engagierte sich im Verein auch als Sportwartin und sagt: „Ich musste den Sport arbeiten und habe mit viel Herzblut gelernt.“ Seit Einführung der Leistungsklassenbewertung spielt sie an Position 1 im Team und liebt Tennis „heiß und innig“.

Aus München und Köln

Helgard Sasonow und Karin Groß spielen als Gründungsmitglieder noch heute in der Mannschaft. Sasonow, die früher in München lebte, kam schon 1960 durch ihren Vater zum Tennis. Sie erlebte 1973 beim ATC eine gute Aufnahme, spielte aber auch sieben Jahre bei SuS Hervest. 1988 kam sie zurück und hat sich die Tenniswelt beim ATC selbst erschlossen.

Karin Groß blickt mit 73 Jahren auf 40 Jahre ATC-Karriere zurück. In der Jugend ist sie viel gelaufen, Tennis wurde erst mit der Zeit zu ihrer Sportart. Sie hat mit viel Ehrgeiz trainiert, sich immer an den Teamkolleginnen orientiert und so ihre Spielstärke stetig weiter entwickelt.

Die 64-jährige ehemalige Personalreferentin Magda Hoffmann hat früher in Köln gelebt und dort 1982 bei einer Betriebssportgruppe Kontakt zum Tennis bekommen. Sie bezeichnet sich selbst als Spätstarterin und hat den Tennissport praktisch auf dem zweiten Bildungsweg erlernt. 1988 trat sie einem Verein in Herten bei. Sie hat viel mit Herren trainiert und sich als Sportwartin engagiert. 2016 lernte sie Inge Lütsch-Becker kennen und ist seitdem Teil des ATC-Teams.

Schwierige Entscheidung

Die ehemalige Lehrerin Gesine Groll (76) war im Februar zum ersten Mal bei den Deutschen Meisterschaften in Essen am Start und hat das Turnier zu ihrer eigenen Überraschung mit dem Vizetitel abgeschlossen. Vor 65 Jahren stand sie vor einer schwierigen Entscheidung, denn ihre Mutter sagte damals: „Entweder darfst du ein Musikinstrument lernen oder Tennis spielen.“ Die Elfjährige nahm den Schläger und fuhr mit dem Rad sieben Kilometer nach Bad Bentheim zum Training. „Wir wurden damals im Club wohlerzogen und haben die Etikette fürs Leben gelernt“, erinnert sich Groll. Schon mit 13 wurde sie Jugendmeisterin in Niedersachsen und konnte diesen Titel später als Erwachsene noch einmal erringen.

Groll ist seit 1997 beim ATC, früher stand sie auch in den Landesauswahlmannschaften von Hamburg und Niedersachsen. Für sie ist Tennis immer wieder ein „Eintauchen in eine Spielwelt“.

Mit 68 Jahren ist Christel Lehnhart als Ersatzspielerin mit Begeisterung dabei. Sie spielt seit 1984 Tennis und hat nach einer Pause gemerkt: „Ohne Tennis fehlt mir was.“ Da kam ihr die Anfrage des ATC 2013 gerade recht. Gerne erinnert sie sich an den ersten Einsatz, bei dem sie damals zurücklag. „Ich muss unbedingt gewinnen, sonst nehmen die mich nie mehr mit“, dachte sie während des Spiels. Es hat geholfen.

In die Wiege gelegt

Elke Tewes (72) wurde das Tennisgen wohl mit in die Wiege gelegt. Sie war schon als Kleinkind mit ihren Eltern in der Tennishalle und wurde mit 14 Jahren Stadtmeisterin in Mülheim. 1960 kam sie nach Wulfen und fand im örtlichen Tennisverein ihre sportliche Heimat. Sie kümmerte sich als Jugendwartin und Trainerin um den Vereinsnachwuchs und wurde nach 30 Jahren Ehrenmitglied. Tewes spielte jahrzehntelang in der Oberliga. Bei der Europameisterschaft hat sie nur knapp verloren und hat auch an der WM teilgenommen. Ihr persönlich war aber das Match gegen Helga Masthoff, bis zum Becker-Graf-Boom der 80er-Jahre die erfolgreichste deutsche Tennisspielerin, am wichtigsten. Die beiden trafen im Düsseldorfer Rochus Club aufeinander und Masthoff gewann glatt mit 6:2, 6:2. „Trotzdem bin ich heute noch stolz wie Oskar“, sagt Tewes. Nach Auflösung der Dortmunder Mannschaft kam sie 1998 zum ATC und verstärkt seitdem als Linkshänderin mit einer offensiven Vorhand die Mannschaft.

Die verbringt auch privat schöne Stunden zusammen, etwa bei Mannschaftsreisen nach Brüssel, Dresden oder Bremen. Inge Lütsch-Becker freut sich über das gute Zusammenspiel im Team: „Jeder Gegner ist anders, aber wir kommen als Mannschaft gut damit zurecht.“

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