Diese junge Frau bringt Jungs das Fußballspielen bei

rnFussball

Der Frauenfußball kämpft in Deutschland nach wie vor um Anerkennung. Und Romina Bildsteins Rolle ist sogar noch exotischer: Sie ist Trainerin, und das bei einer Jungen-Mannschaft.

Wulfen

, 06.11.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die 18-jährige Schülerin der Gesamtschule Wulfen ist ihr sportlicher Werdegang nur logisch. Als sie vor rund drei Jahren von Bottrop nach Wulfen zog, begleitete sie ihren damaligen Freund regelmäßig zum Wulfener Fußballplatz. „Als ich die Kinder dort sah, dachte ich: „Das ist doch was für mich“, erzählt sie. Denn anderen etwas beizubringen, ist ihr Ding. „Ich gebe auch Nachhilfe in Mathe und Deutsch.“ Und Fußball konnte sie auch.

Diese junge Frau bringt Jungs das Fußballspielen bei

Romina Bilstein arbeitet gerne mit Kindern. © Andreas Leistner

Denn lange vor ihrem Umzug nach Wulfen hatte sie bei Fortuna Bottrop als Spielerin die Fußballschuhe geschnürt und das Einmaleins dieser Sportart erlernt. Als sie 2016 in die neu gegründete Damenmannschaft des SC Blau-Weiß Wulfen einstieg, war es bis zum ersten Trainerposten nur noch ein kleiner Schritt.

Und Romina Bildstein fing auch buchstäblich klein an. Zusammen mit Mario Heinze übernahm sie die Minikicker der Blau-Weißen. Ob es bei den Jungs Vorurteile gab? „Und ob“, sagt sie: „Ich war noch sehr jung. Und ich war ein Mädchen!“ Aber das war schnell kein Thema mehr. „Die Jungs lieben mich, und ich liebe sie“, beschreibt die Trainerin das Verhältnis zu ihren Spielern.

“Sie wissen genau, wann Schluss ist“

Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht auch mal härtere Töne anschlagen kann, wenn es nötig wird. „Die Jungs wissen genau, was sie sich raus nehmen können und wann Schluss ist“, erklärt die Übungsleiterin. Wer nicht spurt, schmort dann schon mal etwas länger auf der Bank. Das wirkt.

Jetzt lesen

Über die Jahre sind Trainer und Mannschaft so zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen. Saisonabschlussfahrten oder die Ostertouren in Centerparcs tun da ein Übriges. „Das ist besonders schön, mal eine ganze Woche mit den Jungs zu verbringen“, sagt Romina Bildstein. Klar, die Jungs testen dabei auch ihre Grenzen aus. Aber: „Ich hab‘s mir schlimmer vorgestellt.“

Problem mit der B-Lizenz

Trotzdem weiß sie, dass ihre Spieler ihr über den Kopf wachsen könnten: „Sportlich entwickeln sie sich prima. Irgendwann werden sie dann natürlich neue Sachen lernen wollen, und die muss ich ihnen dann vermitteln können.“ Deshalb hat die 18-Jährige jüngst ihre Trainer-C-Lizenz gemacht. Auch Fortbildungen stehen fest auf ihrer To-Do-Liste. Doch es gibt dabei ein Problem: „Wenn ich mal die B-Lizenz mache, wird der Verein, der das ja bezahlt, wahrscheinlich wollen, dass ich auch andere Mannschaften trainiere. Aber meine Jungs abgeben, das will ich nicht. Ich will sie noch einige Jahre begleiten.“

Ein Zwiespalt. Über den Romina Bildstein mit dem Wulfener Vorstand reden will, wenn es denn einmal so weit ist. Denn die Trainerkarriere will sie schon gerne weiterverfolgen. Aber mit ihren Jungs.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt