Amateurfußballer fragen sich: Kommt der Kontakt zu früh?

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Dem Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen geht es mit den Lockerungen des Landes NRW für den Trainingsbetrieb ein wenig zu rasch. Auch das Echo bei den heimischen Clubs ist geteilt.

Dorsten, Schermbeck

, 02.06.2020, 14:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kontakt oder kein Kontakt? Das ist aktuell die Gretchenfrage für die heimischen Amateurfußballer. Nach den jüngsten Lockerungen der Corona-Schutzverordnung ist seit Samstag das Spiel in Kleingruppen mit Teams a fünf Spieler wieder erlaubt. Doch der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat sich dagegen ausgesprochen und den Clubs empfohlen, weiter bei komplett kontaktlosem Training zu bleiben. Wie die Vereine dazu stehen? Unterschiedlich.

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Norman Mislisch etwa, Jugendleiter bei SuS Hervest-Dorsten, ist vor dem Wiedereinstieg der Jugendteams ins Training an diesem Freitag lieber vorsichtig: „Ich denke, wir werden es bei kontaktlosen Übungen belassen und auf das Spiel fünf gegen fünf noch verzichten“, erklärte er am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion.

Grundsätzlich sieht er seinen Verein aber gut vorbereitet: „Wir haben sämtliche Hygiene-Vorgaben umgesetzt. Unser E-Jugend-Trainer, der am Freitag mit seiner Truppe den Anfang macht, ist als Feuerwehrmann zudem quasi vom Fach.“

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Auch beim BVH Dorsten treffen Jugendleiter Karsten Humme und das Trainerteam alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen. „Ein- und Ausgang sind klar festgelegt, wir haben Unmengen Desinfektionsmittel, und das Training ist von zweimal 90 auf einmal 60 Minuten pro Woche reduziert“, berichtet Humme.

Die Trainer sind angewiesen, während der Übungen auf Kontaktlosigkeit zu achten. Zum Abschluss gibt es am Waldsportplatz aber doch das Spiel fünf gegen fünf, auch wenn Karsten Humme dabei noch Probleme sieht: „Das ist schon eine ganz schwierige Sache. Wenn man eine komplette Mannschaft da hat, sind das vier Fünferteams, die ja dann beim nächsten Training wieder genau so spielen müssten.“

Alles in allem bewertet er die neuesten Lockerungen deshalb als „ein bisschen früh“.

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Noch gänzlich ohne Spiele fünf gegen fünf gestaltet der SV Dorsten-Hardt das Training seiner Nachwuchsteams. „Wir folgen der Linie des FLVW“, erklärt Jugendleiter Stefan Gramberg. Die einzige Lockerung: „Wir nehmen jetzt die Jüngeren mit auf, allerdings nur in ganz kleinen Gruppen. Bei denen ist es einfach schwierig, den Abstand einzuhalten.“

Ein, zwei Wochen wollen die Hardter weiter kontaktlos trainieren. „Dann“, so Gramberg, „werden wir schauen, wie die allgemeinen Infektionszahlen sich entwickeln und auf der Basis neu entscheiden.“

Blau-Weiß Wulfen stellt Training um

Überrascht zeigte sich von der aktuellen Situation der 1. SC Blau-Weiß Wulfen, dessen Teams ja zu den ersten gehörten, die wieder ins Training eingestiegen sind. „Ehrlich gesagt, habe ich erst am Dienstagmorgen erfahren, dass der FLVW Vorbehalte gegen den Kurs der Landesregierung hat“, sagt BWW-Vorsitzender Stefan Knieper. Dementsprechend bereiteten die Wulfener am Pfingstwochenende alles dafür vor, dass ihre Kabinen den neuen Vorgaben für die Nutzung von bis zu zehn Personen entsprechen.

„Wir trainieren nach der gültigen Schutzverordnung des Landes“, erklärt Knieper. Also mit Abstand und Hygiene, aber eben auch mit Spielen fünf gegen fünf.

JSG Lembeck/Rhade/Deuten macht‘s anschaulich

Die Mannschaften der Jugendspielgemeinschaft Lembeck/Rhade/Deuten nehmen in dieser Woche das Training in den neuen Jahrgängen auf. Für alle Beteiligten hat die JSG auf Infotafeln veranschaulicht, was vor, während und nach dem Training zu beachten ist. Grundlage ist dabei die seit dem 30. Mai gültige Fassung der Corona-Schutzverordnung. Das Spiel fünf gegen fünf ist danach ausdrücklich erlaubt, allerdings in festen Gruppen, die nicht gemischt werden dürfen.

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Das gilt auch auf der Anlage des SV Schermbeck, wenn dessen Jugendmannschaften an diesem Donnerstag wieder den Trainingsbetrieb aufnehmen. „Dass wir das nicht schon Mitte Mai gemacht haben, zeigt ja, wie vorsichtig wir mit dem Thema umgehen“, erklärt SVS-Vorsitzender und Jugendgeschäftsführer Michael Steinrötter.

Der SVS hat eine so genannte „Waschstraße“ eingerichtet, auf der die Trainingsgruppen mit 15 Minuten Puffer zwischen den Einheiten den Platz betreten und verlassen, die Trainer tragen bis Trainingsbeginn Masken, und bei den individuellen Übungen sind zwei Meter Abstand vorgeschrieben. Das Abschlussspiel fünf gegen fünf, das findet allerdings auch beim SV Schermbeck statt.

Durchaus Verständnis für den FLVW

Dabei hat Michael Steinrötter durchaus Verständnis für die Bedenken des FLVW. Er sagt aber auch: „Die Gefahr, die bei den Zehner-Trainingsgruppen besteht, ist ja nicht größer als in anderen Alltagsbereichen auch. Den Kontakt, der beim Spiel fünf gegen fünf herrscht, sieht man doch auf den Schulhöfen oder auf der Straße auch so schon. Wir müssen meiner Meinung nach da hin kommen, den Alltag irgendwie wieder zu leben. Wir können die Menschen nicht noch länger einsperren.“

Steinrötter sieht aber auch das Risiko: „Es braucht weiter viel Disziplin. Es ist ein Mittelweg, den wir gehen wollen. Ob er Erfolg hat oder wir in einiger Zeit wieder striktere Maßnahmen erleben müssen, kann nur die Zeit zeigen.“

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Die Zwiespältigkeit der Lage unterstreicht auch Martin Trockel, Herrentrainer des SSV Rhade: „Du musst dir ja nur die Schaubilder anschauen, dann siehst du wie paradox die Situation ist: Du kommst mit Maske zum Training, wäschst dir die Hände, machst Übungen mit 1,50 m Abstand, dann spielst du fünf gegen fünf, grätschst deinen Gegenspieler weg, fällst möglicherweise auf ihn. Und danach? Wäschst du wieder die Hände, sitzt mit 1,50 m Abstand beim Bier zusammen und setzt für den Nachhauseweg wieder deine Maske auf. Ich kann den FLVW durchaus verstehen.“

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