Kreispokalfinale wegen Corona-Verdacht beim SV Schermbeck abgesagt

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Das Kreispokalfinale zwischen dem SV Schermbeck und dem TuS Haltern muss wegen mehrerer Corona-Verdachtsfälle bei Spielern des SVS abgesagt werden.

Schermbeck

, 30.08.2020, 12:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wegen mehrerer Verdachtsfälle auf eine Covid-19-Infektion beim SV Schermbeck wurde das für Sonntag angesetzte Kreispokalfinale zwischen dem SVS und dem TuS Haltern abgesagt.

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Was an sich schon für Aufregung genug gesorgt hätte, wurde durch unterschiedliche Versionen des Geschehens noch zusätzlich angeheizt. So berichtete SVS-Trainer Sleiman Salha zunächst, Ende der vergangenen Woche hätten sich gleich mehrere Spieler mit Verdachtssymptomen wie Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns gemeldet. Daraufhin seien dann drei Akteure auf das Corona-Virus getestet worden. „Mit den Ergebnissen rechnen wir am Montag“, erklärte Salha im Gespräch mit unserer Redaktion.

Später sagte SVS-Vorsitzender Michael Steinrötter, die drei Spieler hätten sich erst beim Verein gemeldet, nachdem ein anderer Akteur Vorstand und Trainer am Sonntag informiert habe, dass er endeutige Symptome aufweise. „Daraufhin“, so Steinrötter, „sind wir umgehend tätig geworden, haben uns mit dem Kreisvorsitzenden und dem Gesundheitsamt in Verbindung gesetzt.“ Konsequenz war die Absage des Finales.

“Wir würden keinen gefährden“

„Bis Sonntag sind wir davon ausgegangen, dass wir einen komplett gesunden Kader haben“, erklärte der SVS-Vorsitzende und trat damit einer kritischen Stellungnahme der Spvgg. Erkenschwick entgegen, gegen die der SVS am Freitag im Halbfinale gespielt hatte: „Wir fahren doch nicht mit 20 Mann zu dem Spiel und riskieren, dass sich noch mehr von uns und vom Gegner anstecken.“ Das Gesundheitsamt habe ihm vielmehr bescheinigt, gut und schnell reagiert zu haben. Das fragliche Spieler-Trio habe auch Freitag nicht zum SVS-Tross gehört.

Das vom Verein informierte Gesundheitsamt habe zunächst eine Liste möglicher Kontaktpersonen bis zurück zum Mittwoch vergangener Woche angefordert. „Darauf“, so Steinrötter, „sollten wir auch markieren, wer länger Kontakt mit den betroffenen Spielern hatte.“ Dieser Kreis sei aber naturgemäß recht groß: „Die Jungs benutzen die gleiche Dusche, sie sind zusammen in der Kabine ...“

Neben der ersten sei auch die zweite Mannschaft vorsorglich in eine 24-stündige Quarantäne geschickt worden, sagte der SVS-Vorsitzende: „Es gehen ja immer mal Spieler der Ersten runter zur Zweiten.“ Das Testspiel des SVS II gegen Disteln wurde am Sonntag deshalb ebenfalls abgesagt.

Auch der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen sowie Finalgegner TuS Haltern wurden vom SVS über die Lage informiert. Weiter müsse der Kreis vorerst nicht gezogen werden: „Das Gesundheitsamt hat davor gewarnt, Panik zu verbreiten“, erklärte Michael Steinrötter: „Es ist gut, schnell zu reagieren, aber nicht chaotisch.“

Kreisvorstand zeigte sich irritiert

Irritiert hatten sich am Sonntag auch Mitglieder des Kreisvorstandes gezeigt. Pokalspielleiter Andreas Mermann beklagte mangelhaften Informationsfluss. Dazu meinte Michael Steinrötter: „Kreisvorsitzender Hans-Otto Matthey hatte versichert, er werde alle Beteiligten informieren.“

Matthey seinerseits hatte von Steinrötter die Information bekommen, dass es sich bei dem positiven Coronafall um Trainer Sleiman Salha handele. „Falsch“, sagt Steinrötter: „Ich habe ihm mitgeteilt, dass es sich um ein Mitglied aus dem Trainerstab handelt. Ein Name ist nie gefallen.“

Irritationen hin, Irritationen her – der SV Schermbeck steht vor einer prekären Situation. „Das ist natürlich der Supergau“, stöhnte Trainer Sleiman Salha. Eine Woche vor dem Oberliga-Start beim Holzwickeder SC ist völlig offen, ob der SVS überhaupt wird antreten können. Salha rechnet auf jeden Fall mit mehreren positiven Testergebnissen bei seinen Spielern: „Die Symptome waren leider eindeutig.“

Wertung des Finales ist für Steinrötter nebensächlich

Wie das Kreispokalfinale gewertet wird oder ob es wiederholt wird, spielt für den Schermbecker SVS-Vorsitzenden aktuell keine Rolle. Sorgen macht er sich dagegen, dass er selbst das Virus weitergetragen haben könnte: „Samstagabend war ich bei einer Ehrung für ,Helden des Alltags‘ aus Schermbeck, Hünxe, Hamminkeln und Raesfeld. Da waren auch sämtliche Bürgermeister-Kandidaten ...“

Schermbecks Halbfinalgegner Spvgg. Erkenschwick lässt sich nach dem Vorfall ebenso auf eine mögliche Covid-19-Infektion testen wie das Schiedsrichter-Gespann, das am Freitagabend im Einsatz war. In Erkenschwick ruht der Trainingsbetrieb vorerst, die Spielvereinigung sieht sowohl ihr Kreispokalspiel am kommenden Donnerstag wie auch den Ligastart am nächsten Wochenende gefährdet. In einer Stellungnahme kritisiert der Westfalenligist den SV Schermbeck für sein Verhalten.

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Nach dem SV Dorsten-Hardt (wir berichteten) ist der SV Schermbeck der zweite heimische Club, dem nach einer Covid-19-Infektion eine Zwangspause für den Trainings- und Spielbetrieb droht.

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