Der BSV Wulfen wäre um ein Haar ein Handballverein geworden

rnBasketball

Wenn es nach Vereinsgründer Ernst Adolf Kleinschmidt gegangen wäre, dann gingen die Basketballer des BSV Wulfen heute nicht auf Korbjagd, sondern würden Tore werfen.

Wulfen

, 13.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Im „Ortsteilcheck“ der Dorstener Zeitung erhielt das Freizeitangebot für Jugendliche in Wulfen die schlechteste Note. Eine Einschätzung, die Ernst Adolf Kleinschmidt schon vor 50 Jahren traf. Als Kirchmeister der evangelischen Kirchengemeinde sah er, wie die Jugendlichen sich im Bierfasskeller des kirchlichen Paul-Schneider-Heims trafen. „Rauchen, Kartenspielen und Flippern, viel mehr geschah da nicht“, erinnert sich Kleinschmidt. Das wollte er ändern.

Er versuchte, die rund 20 jungen Wulfener für den Sport zu begeistern. Mit Erfolg. Kleinschmidt selbst war als A-Jugendlicher 1950 mit dem TuS Bramsche Niedersachsenmeister im Handball geworden. Man machte sich also auf in die Matthäushalle − und hatte ein Problem: Es gab keine Tore. Zunächst versuchte es Kleinschmidt trotzdem mit Handball. „Aber beim ersten scharfen Wurf ist gleich eine Sprossenwand zu Bruch gegangen.“ Also schwenkte er um.

Entwicklungshelfer Engelbert Sanders

Im benachbarten Holsterhausen hatte Lehrer Engelbert Sanders drei Jahre zuvor beim BVH Dorsten eine Basketball-Abteilung ins Leben gerufen. „Das hatte ich mir angeguckt und es hat mir gut gefallen“, erzählt Ernst Adolf Kleinschmidt. Mit Engelbert Sanders als Entwicklungshelfer und Leiter einiger Trainingseinheiten sowie mit Fachliteratur eignen sich die Wulfener die ersten Grundkenntnisse im Basketball an. Die neue Sportgruppe schließt sich dem 1. SC Blau-Weiß Wulfen an. Im Oktober 1969 gehen die ersten beiden Jugendmannschaften in der Kreisrunde Emscher-Lippe an den Start.

Der BSV Wulfen wäre um ein Haar ein Handballverein geworden

Ernst Adolf Kleinschmidt gründete 1969 die Basketball-Abteilung des 1. SC Blau-Weiß Wulfen und wurde ihr erster Vorsitzender. Heute ist der 86-Jährige Ehrenvorsitzender des BSV Wulfen. © Leistner, Andreas

Ernst Adolf Kleinschmidt sorgt als Vorsitzender dafür, dass sich die junge Basketball-Abteilung von Blau-Weiß weiterentwickelt. Er nutzt seine Kontakte und lotst aus Gelsenkirchen zunächst Norbert Schwarz und später den Amerikaner Norman Simms nach Wulfen. „Das war die Geburtsstunde der Qualität des Wulfener Basketballs“, sagt Kleinschmidt. Seine Zeit als Vorsitzender endet Mitte der 70er Jahre. Andere wie Josef Dehling und Wolfgang de Haan übernehmen, schreiben sich aber wie Kleinschmidt vor allem die Arbeit mit der eigenen Jugend auf die Fahnen. Der Vereinsgründer selbst ist dem 1980 selbstständig gewordenen BSV bis heute als aufmerksamer Beobachter verbunden. Nicht alles hat ihm dabei immer gefallen.

“Keine auswärtigen Spieler einkaufen“

“Wir hatten damals Freude, wenn unsere Mannschaft in der Oberliga gegen Wattenscheid gespielt hat“, sagt BSV-Ehrenvorsitzender Kleinschmidt und meint: „Für mich ist es kein Argument, dass die erste Mannschaft sehr hoch spielen muss, um die Jugend für den Basketball zu begeistern. Mit dieser Zielvorstellung habe ich ein paar Bauchschmerzen. Ich fände es besser, wenn wir in unserer Region spielen und keine Spieler von auswärts kaufen würden. Ich weiß aber, dass ich mit dieser Meinung recht einsam dastehe und gegen Mühlenflügel renne.“

Der kritische Beobachter findet aber auch viel Lob: „Ich bewundere die Arbeit meiner Nachfolger. Für so einen kleinen Ort wie Wulfen ist das, was sie erreicht haben, ein tolles Ergebnis.“ Und natürlich wird auch Ernst Adolf Kleinschmidt am Samstagabend bei der Jubiläumsparty des Vereins vorbeischauen, den er einst ins Leben gerufen hat.

Grosse Jubiläumsparty

Der BSV Feiert Samstagabend im Gemeinschaftshaus Der BSV Wulfen feiert sein 50-jähriges Bestehen und den Aufstieg in die 1. Regionalliga am 13. April (Samstag), ab 19.30 Uhr, mit einer großen Party im Gemeinschaftshaus Wulfen. Eingeladen sind nicht nur die Mitglieder, sondern alle Freunde des Vereins. Die Valentino-Partyband sorgt für Stimmung. Karten kosten an der Abendkasse 14 Euro.
Lesen Sie jetzt