Das halten Dorstens Sportler vom Lockdown

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Vom 2. November an lässt der zweite Lockdown den Amateur- und Freizeitsport ruhen. Was sagen die heimischen Sportler dazu?

Dorsten, Schermbeck, Raesfeld

, 28.10.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein notwendiger Schritt, und an vielen Stellen bin ich voll dabei. Aber es ist natürlich katastrophal für die kleinen und mittelständischen Betrieb. Es bereitet mir große Bauchschmerzen, dass viele von ihnen diesen zweiten Lockdown wirtschaftlich nicht überleben. Der Sport, das muss ich an dieser Stelle fairerweise sagen, steht da für mich an zweiter Stelle hinter der Sorge um die Beschäftigten etwa aus Gastronomie und Kultur und ihre Angehörigen. Das beschäftigt mich mehr als ein Kreisliga-Fußballspiel

Natürlich diskutieren wir aber auch im SSV die Problemlage. Die Sportlerehrung mussten wir ja schon absagen. Die Mitgliederversammlung werden wir wohl ein weiteres Mal verschieben müssen. Ich fürchte nämlich, das Thema Lockdown wird uns noch weit über Ende November hinaus bis ins kommende Frühjahr beschäftigen.“

Michael Lachs, 1. Vorsitzender Stadtsportverband Dorsten


“Der Schritt ist zu drastisch“

„Ich halte die Maßnahme für zu drastisch und zu pauschalisierend. Ich hätte mir gewünscht, dass der Jugendsport – natürlich bei strenger Einhaltung der Hygieneregeln – weiter aufrecht erhalten geblieben wäre.

Die hohen Infektionszahlen in der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen, also genau der Gruppe der meisten Sporttreibenden, entstehen meiner Meinung nach nicht durch Infektionen auf dem Platz, sondern durch das Fehlverhalten einzelner bei privaten Veranstaltungen.“ Michael Maiß, Sportkoordinator der Stadt Dorsten

“Jede Möglichkeit ausschöpfen“

„Ich bin prinzipiell der Meinung, man sollte jede Möglichkeit ausschöpfen, die Infektionszahlen wieder zu drücken. Ich bezweifle zwar, dass der Kontaktsport für den Anstieg verantwortlich war. Aber man hat in unseren Nachbarstädten gesehen, dass das Virus auch an Jugendlichen nicht vorüber geht. Deshalb bin ich überrascht, dass mit diesem Schritt überhaupt so lange gewartet wurde. Für mich war es nur eine Frage der Zeit.

Wie wir danach wieder einsteigen, muss man sehen. Wir können natürlich wie beim letzten Mal wieder mit kontaktlosem Training beginnen. Das funktioniert bei den Älteren sehr gut. Gerade bei den jüngeren Altersklassen ist es aber nicht leicht, den Abstand tatsächlich einzuhalten.“

Stefan Gramberg, 1. Jugendleiter des SV Dorsten-Hardt

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„Wie soll das weitergehen?“

„Für uns ist es in der Oberliga natürlich bitter, weil wir gerade keinen guten Lauf haben. Ich hoffe, dass wir in Rheine den ersten Saisonsieg landen und dann am Samstag in Attendorn im Pokal nachlegen. Dann könnten wir mit einem guten Gefühl in die anstehende Pause gehen.

Die Gesundheit geht aber im Moment natürlich vor. Aber ich bin gespannt, wie es mit der Saison weitergehen soll. Wir haben ja schon jetzt sehr viele Nachholspiele. Das wird alles andere als schön.“

Ilkay Kara, Oberliga-Fußballer des SV Schermbeck

„Früher gab es mehr Solidarität“

„Mit meinen 66 Jahren gehöre ich selbst zur Risikogruppe. Als Jugendtrainer habe ich täglich Kontakt mit vielen jungen Leuten. Deshalb stand mein Entschluss bereits fest: Bei weiter steigenden Zahlen wäre ich demnächst zum Selbstschutz ausgestiegen.

Die Entscheidung der Politik zum Lockdown kann ich deshalb sehr gut mittragen. Der Sport ist wichtig. Aber noch wichtiger ist es, dass die Kinder in den Schulen und Kitas bleiben können. Da müssen wir die Pause von einem Monat, wahrscheinlich auch noch mehr verschmerzen. Wir müssen einfach Solidarität zeigen. Früher gab es mehr davon. Zwischenzeitlich lebte das mit Corona dann wieder auf, aber zuletzt hat es wieder stark nachgelassen, und die 90 Prozent der Bevölkerung, die sich an die Regeln halten, werden von den wenigen, die es nicht tun, mit in die jetzige Situation hinein gezogen.“

Alois Buschmann, Jugendtrainer der BG Dorsten

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