Eintracht Erle hat ganz andere Sorgen als Corona

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Wann geht es wieder los? Wie sollen wir trainieren? Diese „Corona-Fragen“ stellen sich auch die Verantwortlichen des SV Eintracht Erle. Doch daneben haben sie noch ganz andere Sorgen.

Erle

, 25.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Problem ist nicht neu. Schon in der vergangenen Saison hatte der SV Eintracht Erle personelle Schwierigkeiten. Die erste Mannschaft musste sich Unterstützung aus der Zweiten holen, und die musste schließlich sogar vom Spielbetrieb der C-Liga abgemeldet werden. Dabei hatte die Eintracht sogar drei Mannschaften am Start.

Doch die Kommunikation zur Dritten, die ebenfalls in der C-Liga kickte, war von Anfang an gestört. Jürgen Bülten, Trainer der ersten Mannschaft, konnte nicht verstehen, warum in der neuformierten dritten Mannschaft spielstarke Routiniers kickten, die leistungsmäßig auch der Ersten noch gut zu Gesicht gestanden hätten. „Die Jungs sind eigentlich noch im besten Fußballalter“, sagt Bülten, „28, 29 Jahre alt.“ Aber sie wollen halt nicht mehr den Aufwand für den Fußball betreiben, der in der ersten Mannschaft erwartet wird.

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Das Ergebnis: Die Dritte ist Meister der Kreisliga C 1 Recklinghausen und spielt damit kommende Saison wohl wie die eigene Erste in der B-Liga.

So weit, so kurios. Doch für die erste Mannschaft der Eintracht ist es damit in Sachen Probleme noch lange nicht vorbei. Nach und nach haben sich aus dem Kader der vergangenen Saison immer mehr Leistungsträger verabschiedet. Bünyamin Orhan will sich dem BVH Dorsten anschließen. Stürmer Felix Wojtalla, mit zwölf Treffern Erles erfolgreichster Torschütze der Saison, will eine Pause einlegen. „Er möchte wohl noch trainieren, aber sonntags nicht mehr spielen“, berichtet Jürgen Bülten, „mit 20 Jahren ...“

Jürgen Bülten, Eintracht Erle

Trainer Jürgen Bülten macht sich Sorgen um die Eintracht. © Andreas Leistner

Mit Dustin Brändel wird Bülten auf einen weiteren Routinier verzichten müssen. Der zweifache Familienvater hat aus privaten und beruflichen Gründen keine Zeit mehr, und am Freitag meldeten sich mit Marius Dreischhoff und Philipp Krauß die nächsten beiden Leistungsträger ab.

„Von Philipp hatte ich das schon länger gewusst“, erzählt Jürgen Bülten. Krauß – immerhin zuletzt Kapitän der Erler Ersten – wolle nach der kommenden Saison aufhören mit dem Fußball und seine letzte Spielzeit noch einmal unter seinem früheren Trainer und Freund Robert Glombik beim SV Rot-Weiß Deuten II bestreiten.

„Kann man natürlich verstehen“, sagt sein Erler Trainer, aber dass Marius Dreischhoff sich Krauß anschließt und ebenfalls nach Deuten geht, überrascht Bülten dann doch: „Sportlich verbessern sie sich da ja schließlich nicht.“

Kader umfasst aktuell rund 20 Spieler

An der Westerlandwehr stehen die Verantwortlichen nun vor der Aufgabe, trotz der Abgänge eine schlagkräftige erste Mannschaft auf die Beine zu stellen. „Zahlenmäßig passt das durchaus noch“, erklärt Jürgen Bülten. Rund 20 Spieler habe er aktuell im Kader, darunter allerdings ein, zwei Rekonvaleszenten und fünf, sechs Akteure aus der ehemaligen Zweiten.

„Damit müssen wir sportlich natürlich gewisse Abstriche machen“, sagt der Trainer, „mehr als Platz fünf oder sechs werden wir damit wohl nicht erreichen.“

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Für Bülten stellte sich aber weniger die Frage nach dem Abschneiden als eine viel grundsätzlichere: „Du kannst ja eine erste Mannschaft nicht vom Spielbetrieb zurückziehen und sagen ,Wir fangen in ein zwei Jahren wieder an‘. Wenn du einmal weg bist, bist du weg.“ Er selber habe deshalb durchaus länger überlegt. Aber schließlich habe er Fußball-Abteilungsleiter Dirk Meierwisch signalisiert: „Wir versuchen das!“

Bülten weiß allerdings auch: „Viel passieren darf da nicht. Wir haben keine A-Jugend, von da kommt also keine Hilfe. Der Kader ist also schon sehr eng gestrickt.“ Auch wenn aktuell noch Gespräche mit ein, zwei Rückkehrern liefen.

Corona wird zur Nebensache

Vor diesem Hintergrund spielen die Fragen, die auch alle anderen Clubs derzeit beschäftigen, in Erle erst einmal eine Nebenrolle. „Unter den aktuellen Bedingungen wieder ins Training einzusteigen, macht in meinen Augen keinen Sinn“, sagt Jürgen Bülten: „Du kannst kein Spielchen machen, hinterher kein gemeinsames Bierchen trinken, nicht duschen. Was soll das?“

Sobald ein Starttermin für die neue Saison bekannt sei, werde er sein Team fünf bis sechs Wochen vorher zur Vorbereitung bitten. Wie der Kader dann auch immer aussieht.

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