Corona: So erleben Mike Nwabuzor und Bryant Allen die Krise

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Auf dem Spielfeld sind sie die Anführer ihres Teams. Doch die Corona-Krise stellt auch die beiden US-Amerikaner Mike Nwabuzor und Bryant Allen vor völlig ungewohnte Herausforderungen.

von Andreas Leistner, Ralf Weihrauch

Dorsten, Wulfen

, 04.04.2020, 09:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mike Nwabuzor ist gleich nach dem Saisonabbruch wieder in die USA zurückgeflogen. Er lebt gerade bei seiner Familie in Los Angeles und genießt die gewohnte Umgebung. Das Coronavirus hat aber auch an der amerikanischen Westküste das Leben verändert: „Die Regeln werden jeden Tag geändert. Alle Geschäfte, Restaurants und auch Parks sind geschlossen, damit die Leute in ihren Häusern bleiben. Nur die relevanten Betriebe wie Krankenhäuser, Lebensmittel-Geschäfte und auch Spirituosen-Läden sind geöffnet,“ schildert Nwabuzor ähnliche Zustände wie sie auch in Deutschland vorzufinden sind. Er sieht sein tägliches Leben dadurch beeinträchtig: „Ich kann dadurch einige Dinge nicht erledigen, die ich täglich zu tun hätte.“

Mike Nwabuzor, BG Dorsten

Mike Nwabuzor von der BG Dorsten erlebt die Corona-Krise bei seiner Familie in Los Angeles. © Privat

Sein tägliches Training kann er aber dennoch halbwegs gut absolvieren. Einem seiner Freunde gehört ein Fitness-Studio: „Wir trainieren dort jeden Tag zu zweit in dem sonst leeren Gebäude. Ich kann dort einige Basketball-Übungen mit dem Ball machen und auch das Ausdauer-Training kommt nicht zu kurz.“ Alles andere wie Liegestütze, Situps oder Kniebeugen erledigt er Zuhause: „Ich tue alles, damit ich meinen Körper in Form halte.“

Nwabuzor ist also in der glücklichen Lage, seinen Alltag rund um den Basketball zu organisieren. Viel mehr Möglichkeiten hat er ohnehin nicht: „Wenn ich nach Hause komme, schaue ich mir Serien im Fernsehen an, mache Mittagsschlaf. Abends lege ich oft noch ein paar Übungen nach.“

Allen blieb in Wulfen

Was die Trainingsmöglichkeiten angeht, dürfte Bryant Allen seinen Landsmann in LA beneiden. „Dass ich nicht in die Halle kann, ist echt schlimm“, erklärt der Aufbauspieler des BSV Wulfen. Denn anders als Mike Nwabuzor ist der 29-Jährige nach dem Saisonende nicht in seine Heimat nach St. Louis/Missouri zurückgekehrt, sondern in Wulfen geblieben.

Bryant Allen, BSV Wulfen

Bryant Allen vom BSV Wulfen (r.) ist noch in Deutschland - und ist damit recht glücklich. © Joachim Lücke

„So eine Situation haben wir alle ja noch nie erlebt. Es war verwirrend. Ich wollte abwarten, wie sich die Dinge entwickeln“, sagt er. Und wenn er sich die aktuelle Entwicklung in den Staaten anschaue, „war das vielleicht nicht die schlechteste Entscheidung“.

Inzwischen hätten seine Eltern ihn schon gefragt, ob er für sie nicht ein Haus in Deutschland suchen könne. In den USA gelten inzwischen dieselben Verordnungen wie hier: „Es gibt eine Ausgangssperre“, berichtet Bryant Allen. Das Problem liege aber in der amerikanischen Mentalität: „Wir hören bei so etwas nicht zu.“

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Im Juni will er vielleicht doch nach Hause fliegen. Aber natürlich nur, wenn es die Situation dann erlaubt. Ansonsten fühlt er sich in seiner Wohnung in Barkenberg eigentlich besser aufgehoben.

Auch, weil sein Nachbar viel Verständnis zeigt: „Ich muss einfach manchmal was mit dem Ball machen.“ Dann dribbelt Allen auch schon mal in der Wohnung. „Aber mein Nachbar versteht das. Er kommt auch zu den BSV-Spielen ...“

Vertrag läuft noch bis Mitte Juni

Allens Vertrag beim BSV Wulfen läuft noch bis Mitte Juni. Er beinhaltet aber vor allem auch die Tätigkeit als Jugendtrainer. „Sobald die Hallen wieder geöffnet werden, soll Bryant natürlich wieder zum Einsatz kommen“, erklärt BSV-Vorsitzender Christoph Winck. Wann das ist, ist aber aktuell noch nicht absehbar. „Wir haben Bryant aber unsere volle Unterstützung zugesagt“, sagt Winck.

Bryant Allen ist nicht der einzige Problemfall, den die Corona-Krise für den BSV-Vorstand aufwirft. Wie in allen Sportarten gilt es in diesen Tagen, den Etat und den Kader für die kommende Saison aufzustellen – und dabei auch an die Lage der potenziellen Sponsoren zu denken.

Nwabuzor schließt Rückkehr nicht aus

Auch Mike Nwabuzor macht sich natürlich Gedanken über die Zukunft und seine weitere Karriere. Er weiß: „Es wird noch einige Zeit dauern, bis es mit dem Sport so richtig weitergeht. Da bleibt mir wirklich nichts anderes, als mich selbst fit zu halten.“ Auch eine Rückkehr in die Lippestadt hält Mike Nwabuzor nicht für ausgeschlossen: „In diesem Moment ist eine Rückkehr zur BG Dorsten eine von vielen Optionen.“

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Dort hat sich der 24-Jährige auch immer wohl gefühlt: „Ich möchte mich bei den Fans für die Unterstützung in den letzten beiden Spielzeiten bedanken. Auch wenn ich in dieser Saison nur fünf Mal gespielt habe war die Unterstützung genau so groß wie im letzten Jahr. Es ist immer schwer in einem fremden Land Basketball zu spielen. Wenn man dann so Fans wie in Dorsten hat, erleichtert es einem das Leben ungemein.“ Daher schickt er auch herzliche Grüße aus LA: „Bleibt alle gesund! Ich hoffe für uns alle, dass wir bald wieder zu einem normalen Leben zurückkehren können.“

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