Norbert Elgert - Meister mit Schalke 04

Das Sportporträt

Er fällt aus dem Rahmen. Norbert Elgert ist ein Fußball-Trainer, der ungewöhnliche Wege nimmt. Vor allem aber unterscheidet sich der Holsterhausener in einem ganz wesentlichen Aspekt von den meisten seiner Kollegen: Er hat Erfolg. Und den quasi per Dauerauftrag.

DORSTEN

von Von Klaus Rosenkranz

, 03.09.2012, 14:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dabei hat Norbert Elgert seine ganz eigene Art der Definition seines Berufes. Trainer – ja sicher, das ist er, wenngleich beim Begriff „ball-orientierte Raumdeckung“ ein leicht ironischer Zug um seine Lippen schleicht. Coach – das ist er auch und unterstreicht, dass Vorbereitung auf ein Spiel und auch das verbale Eingreifen während der Partie ganz andere Anforderungen stellen, als das Aufbauen von Kondition und die taktische Schulung. Vor allem aber ist er Lehrer – ein zielgerichteter Lehrer in Sachen Fußball. „Jeder Mensch hat Talente. Und das Talent meiner Spieler hat sie in eine Tür gebracht. Um diese Tür zu durchschreiten, braucht es Charakter und Einstellung.“ Und genau hier setzt Norbert Elgert an. Er ist quasi der Türöffner.

Der durchaus sensible Umgang mit jungen Menschen ist seine Stärke. Nach den wesentlichen Charakter-Eigenschaften seiner Jungs gefragt, kommt eine zunächst vielleicht erstaunliche Antwort. „Demut!“ Ein Begriff der so gar zu dem oft schillernd wirkenden Profigeschäft und seiner Schnell-Lebigkeit passen will. Aber genau an diesem Charakterzug arbeitet Norbert Elgert genauso intensiv wie an der Ballbehandlung oder konditionellen Ausbildung. Seine „Lehrlinge“ nehmen ihn an, nehmen seine Grundhaltung nicht nur zur Kenntnis, sondern verinnerlichen sie. „Ein junger Profifußballer lebt mit ungeheuer vielen Privilegien. Das muss er verstehen“, sagt Elgert, der das „Innenleben“ eines jungen Fußballers aus seinen eigenen Erfahrungen kennt. Schließlich war er zehn Jahre lang Profi bei Schalke 04, dem VfL Osnabrück, Westfalia Herne und Wattenscheid 09.

Obwohl er sich für einen „alten Trainer“ hält, wirkt der Mann jugendlich, lebt eine Optik vor, die nie auf sein tatsächliches Alter von 55 Jahren schließen ließe, spricht – und das ist ein wesentliches Kriterium – die Sprache der jungen Leute, die er nach vorne bringen will und soll. Dabei kommt Erstaunliches zu Tage: „Ja sicher, die Spiele im Halbfinale und Finale gegen den VfL Wolfsburg und Bayern München, die letztlich zur Meisterschaft führten, waren schön. Aber meine Hauptaufgabe sind nicht Titel, sondern die Ausbildung junger Fußballer für den Profibereich.“ Neben dem „Überflieger“ Julian Draxler, der den direkten Schritt A-Jugend/Profikader vorzeitig und übergangslos schaffte („Ein ganz toller Junge“) hat er in diesem Jahr wieder drei junge Burschen an Huub Stevens abgegeben. Und wenn er die drei Bundesligen am Montag querliest, kommen ihm ständig Namen seiner ehemaligen Schützlinge entgegen. „So etwa 30 bis 50 meiner ehemaligen Spieler spielen heute in der 1., 2. oder 3. Bundesliga sowie im Ausland. Natürlich ziehe ich daraus so etwas wie persönliche Zufriedenheit.“ Wobei das „Modell Schalke“ ihm, aber auch dem Verein in die Karten spielt. Die enge Verzahnung der Bundesliga-, der Regionalliga- und seiner Mannschaft ist ein Idealfall. Regelmäßig treffen sich die Trainer der einzelnen Teams, um Entwicklungen einzelner Spieler zu besprechen, um Meinungen auszutauschen, bisweilen auch (siehe Draxler), um eine Karriere zu forcieren.

Mike Hanke (heute Mönchengladbach), Sebastian Boenisch (zuletzt für Polen bei der EM), Manuel Neuer (heute Bayern München), Mesut Özil (Real Madrid), Christian Pander (Hannover 96) oder Jungs wie eben Julian Draxler, Benedikt Höwedes, Ralf Fährmann oder Joel Matip sind nur einige Namen auf seiner Erfolgsliste. Dass er quasi nebenbei für Schalke auch noch ein „Finanzbeschaffer“ durch ausgeliehene oder verkaufte Nachwuchsspieler geworden ist, interessiert ihn nicht: „Nicht mein Thema!“ Genauso, wie der Cheftrainer-Posten auf Schalke nicht sein Thema ist: „Man kann nur treffen, wenn man zielt. Ich habe nie gezielt!“

Dass er auch – vor zwei Jahrzehnten – Trainer des SV Schermbeck war, verschweigt er nicht: „War eine schöne Zeit“, sagt er und hat heute noch die Namen seiner damaligen Spieler parat, für die er in den letzten beiden Spielen so gar Mitspieler war (am Ende der Saison standen Meisterschaft und Aufstieg in die Bezirksliga – der Beginn der großen Schermbecker Aufstiegszeiten). Egal, auf welchem Niveau – Norbert Elgert ist ziel- und erfolgsorientiert. „Ich werde nicht ewig Schalker A-Jugend-Trainer bleiben“, bilanziert er und kommt selbst bei dieser Aussage nicht in eine emotionale Schieflage. Denn er ergänzt ein Stück seiner Zufriedenheit: „Aber im Moment, da macht es noch richtig Spaß!“

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