Drei Neuzugänge des A-Kreisligisten RW Dorsten kommen aus Ghana. Der Spieler Joey Akwasi Antwi hat die drei mitgebracht. Für sie und den Verein nimmt er eine große Bürde auf sich.

Dorsten

, 13.08.2020, 06:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Fußball-A-Kreisligist RW Dorsten setzt ein Zeichen – für eine offene Gesellschaft und für Integration. Sein Spieler Joey Akwasi Antwi nimmt dafür eine große Bürde auf sich. „Für mich ist das aber normal“, sagt der Spieler.

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Nicht wenige rieben sich vor etwas mehr als einer Woche verwundert die Augen: Zwölf Spieler standen auf dem Foto der Neuzugänge der Rot-Weißen. Interessierte, die die Dorstener Wechselbörse verfolgten, rechneten nicht damit. Zum 1. Juli verkündete der A-Kreisligist nämlich lediglich zwei Neuzugänge mit Julian Diedrich und Dennis Schröder.

Der Kader war erst auf Kante genäht

Durch Abgänge wie die von Lukas Schulz, Albinat Packolli, Steven Lämmel, Dennis Keller, Arjan Arifaj und Koubilay Erken war der Kader von Trainer Dirk Cholewinski stark geschrumpft – abgesehen davon, dass er sowieso schon auf Kante genäht war. „Wir haben sogar überlegt, erste und zweite Mannschaft zusammen zu legen“, sagt Cholewinski.

Doch dann ergab sich auch durch den Spieler Joey Akwasi Antwi eine neue Chance. „Ich wollte helfen“, sagt er.

„War aber nicht so wie bei Rot-Weiß“

Akwasi Antwi kam vor sieben Jahren aus Ghana nach Deutschland, spielt seit sechs Jahren für RW Dorsten – mit einer einjährigen Unterbrechung. „Joey, wo warst du?“, fragt sein Trainer Cholewinski neckisch. Akwasi Antwi schaut verlegen zu Boden: „Bei Grün-Weiß Barkenberg...“, bringt er hervor. „War aber nicht so wie bei Rot-Weiß.“ Beide fangen an zu lachen.

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Währenddessen beginnen die übrigen Spieler auf dem Rasenplatz von RW Dorsten mit dem Training. Das Eckchen vor dem Training sorgt auch beim A-Kreisligisten für großen Spaß. Akwasi Antwi schielt während des Gesprächs immer wieder rüber, bringt Sprüche, macht Späße. Dass er unbedingt mitspielen will, kann er nicht verbergen. Als das Gespräche beendet ist, sprintet er hin, ist sofort im Mittelpunkt des Geschehens.

Der Ghanaer ist beliebt

Im Verein und der Mannschaft ist der Ghanaer beliebt und vor allem eins: bestens integriert. Nun will er dem Verein etwas zurückgeben – und gleichzeitig anderen helfen. Als es hieß, dass die Spieleranzahl der Mannschaft zu klein sei, kam er auf Trainer Cholewinski und den Vorsitzenden Stefan Cremer zu.

„Er fragte, ob er einige Spieler mitbringen kann“, sagt Cholewinski. Die positive Antwort ließ nicht lange auf sich warten – und so trainierten Kelven Bioh, Kennedy Octhere und Lex Oduro Hmpretum bei RW Dorsten mit.

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Alle drei waren zuletzt in Ghana, kamen aber rüber nach Deutschland. In seiner Kirche in Essen lernte Akwasi Antwi die drei kennen. Manchmal spielten sie nach der Messe auch zusammen Fußball. So kam der Dorstener Spieler auf die Idee, die drei mitzubringen. „Sie sagten sofort zu, mitzuhelfen“, sagt er.

Als die drei Neuen das erste Mal mit trainierten, waren Trainer und Mannschaft sofort begeistert. „Vor allem menschlich sind sie richtig gut drauf“, lobt der Trainer die neuen Spieler. Aber auch fußballerisch bringen alle drei den Verein weiter. Zudem ist Cholewinski von der Mentalität der drei Neuen begeistert.

Eine Einstellung, die nicht oft zu finden ist

„Wenn der Trainer etwas sagt, sind wir ruhig“, sagt Akwasi Antwi. „Er ist für uns eine Respektsperson.“ Eine Einstellung, die Cholewinski beeindruckt. „In den oberen Ligen in Deutschland ist das auch so, in den Kreisligen leider nicht immer.“ Die Neuen sind ein Vorbild.

Ebenfalls vorbildhaft ist Akwasi Antwis Einsatz. Denn Bioh, Octhere und Hmpretum wohnen nicht in Dorsten. Sie wohnen in Essen. Jedes Training holt Akwasi Antwi sie ab und bringt sie zurück. „Das ist nicht selbstverständlich“, sagt Cholewinski. „Für mich schon“, antwortet der Spieler prompt.

Den Hut ziehen

Vor solch einem Engagement kann der Trainer, nein, nicht nur der Trainer, sondern können alle Menschen nur den Hut ziehen. Die Hauptaufgabe des Trainers ist nun, die Spieler in den Verein zu integrieren. Taktisch haben sie noch Schwächen, fußballerisch erwartet Cholewinski keine Probleme. Und menschlich? Sind sie bereits auf dem besten Wege, integriert zu werden. „Vor der Aufgabe ist mir jedenfalls nicht Angst und Bange“, sagt Cholewinski. „Das sind lockere Jungs mit viel Eifer und Spaß an der Sache.“

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Cholewinski sieht seinen Verein als ein gutes Beispiel dafür, wie Integration gelingen kann. „Für die Integration ist wichtig, Menschen mit Migrationshintergrund in die Vereine aufzunehmen“, so der Trainer. „Dafür ist RW Dorsten seit Jahren bekannt – und das ist gut so!“

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