WBV-Präsident Uwe J. Plonka sehnt den Neustart herbei

rnInterview: Basketball

Als einer der ersten Sportverbände erklärte der WBV die Saison 19/20 am 19. März für beendet. WBV-Vorsitzender Uwe J. Plonka erzählt, dass das keineswegs ein Ende der Probleme bedeutete.

Dorsten

, 21.05.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Vor der ersten Video-Konferenz des Vorstandes in der Geschichte des Westdeutschen Basketball-Verbandes (WBV) freute sich dessen Vorsitzender Uwe J. Plonka scherzhaft auf die Frisuren seiner Kollegen.

Herr Plonka, waren Sie selbst inzwischen beim Friseur?

Ja, natürlich. Ich kam mir vor, als hätte ich einen sterilen Operationssaal betreten, so vermummt waren die Angestellten. Aber das sind halt die Begleiterscheinungen, die die allgemeinen Corona-Lockerungen gerade mit sich bringen.

Uwe J. Plonka

Uwe J. Plonka ist seit 2015 Vorsitzender des Westdeutschen Basketball-Verbandes. Sein Stammverein SV Hagen-Haspe feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. © Ralf Pieper

Womit Sie das Stichwort für die nächste Frage liefern: Ende April hatten Sie selbst noch erklärt, dass ohne Sporthallen vor Ende August nicht wieder mit Basketball zu rechnen sei. Hat Sie das Tempo der NRW-Landesregierung bei den Lockerungen jetzt überrascht?

Jein. Ein wenig schon, weil einige Bereiche wie die Kitas oder eben auch der Sport sich nicht so recht berücksichtigt fühlen konnten. Es hatte ja vorher schon Anfragen des Deutschen Olympischen Sportbundes, des Landessportbundes und des Deutschen Basketball-Bundes gegeben, wie wir uns einen Wiedereinstieg vorstellen könnten. Der DBB hat auf dieser Basis einen Acht-Stufen-Plan für den Wiedereinstieg entwickelt. Was wir gerade erleben, ist davon ja gerade mal Stufe eins.

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Was haben Sie persönlich von dieser Stufe bislang mitbekommen?

Bei meinem Stammverein SV Haspe haben wir in dieser Woche mit dem Freilufttraining begonnen. Allein für das Konzept dafür haben wir ein ganzes Wochenende gebraucht. Es muss ja unheimlich viel beachtet werden, nicht zuletzt auch der Datenschutz.

„Bei meinem Stammverein SV Haspe haben wir in dieser Woche mit dem Freilufttraining begonnen. Allein für das Konzept dafür haben wir ein ganzes Wochenende gebraucht.“
Uwe J. Plonka

Noch größere Probleme sehen Vereine und Kommunen aber Ende Mai beim Schritt zurück in die Hallen ...

Ja. Das ist noch einmal eine ganz andere Geschichte. Da wird jeder Verein in ganz enger Abstimmung mit der jeweiligen Stadt sein individuelles Hygienekonzept erarbeiten müssen.

Aber Basketball ist und bleibt nun mal Kontaktsport. Wie soll das dann gehen? Mit Mund-Nasen-Schutz? Ich glaube, dass vieles da noch nicht hundertprozentig geklärt ist.

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Halten Sie die Entscheidung, Kontaktsport in der Halle Ende Mai wieder zuzulassen, vor diesem Hintergrund denn für richtig?

Das ist eine echte Gewissensfrage. Vielleicht geht das tatsächlich ein bisschen zu schnell. Es kam ja wie von 0 auf 100. Vielleicht wären Viertelschritte da doch besser.

Das zeigt sich ja auch an den Reaktionen der Vereine, die durchaus unterschiedlich sind. Einige Clubs machen mit, andere nicht. Und bei den Kommunen ist es genauso: In Hagen sind die Sporthallen noch dicht, in Wuppertal sind sie geöffnet.

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Blicken wir aufs Sportliche: Hatte der Basketball in der Corona-Krise Glück, dass die Saison 2019/20 schon so weit fortgeschritten war? Quasi eine „Gnade des späten Zeitpunkts“?

Das würde ich so nicht sagen. Wir haben im Präsidium damals viele Abendsitzungen lang beraten, und es war eine sehr schwere Entscheidung. Aber was damals an Nachrichten aus dem Ausland zu uns drang, war ja noch viel dramatischer als das, was wir heute hören. Es war ja völlig unklar, was mit einer Mannschaft passieren sollte, wenn sich ein Spieler infiziert. Und so stimmte schließlich die große Mehrheit für den Abbruch. Letztlich fehlten uns ja nur vier Spieltage.

Und die Play Offs, die in der 1. Regionalliga Premiere feiern sollten ...

Ja. Darauf hatten wir uns natürlich alle gefreut. Das wäre eine Supersache geworden.

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Wie fiel diese Entscheidung?

Zunächst hatten wir den Spielbetrieb in der 1. Regionalliga ja nur ausgesetzt. In einer Telefonkonferenz haben wir die beteiligten Clubs dann befragt. Alle waren mehr oder weniger der Meinung, es habe keinen Zweck. Es gab einige Jeins, aber die Entwicklung hat uns ja recht gegeben: Bis heute hätten die Play Offs nicht gespielt werden können, und es ist auch nicht abzusehen, wann das der Fall sein könnte.

Von Play Offs und Aufstieg zum Tabellenende: Anders als im Fußball gibt es im Basketball in der Saison 19/20 auch Absteiger. Dabei hätte ihr eigener Verein bei einer anderen Regelung profitieren können. Schlugen da mal zwei Herzen in der Brust des WBV-Präsidenten?

Nein. Das stand auch bei uns im Verein nie zur Debatte. Wir hatten rechnerisch keine Chance mehr auf den Klassenerhalt. Selbst wenn sich eine Option für uns eröffnet hätte, in der 1. Regionalliga zu bleiben, hätten wir sie nicht wahrgenommen.

Wir verfolgen in der 2. Regionalliga unsere Kooperation mit Phoenix Hagen weiter. Es ist uns wichtiger, dass dieses Jugendkonzept läuft. Das ist auch eine Frage der Finanzen, und da wird es in der 1. Regionalliga nächste Saison eh spannend.

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Erwarten Sie Rückzüge, wie es sie in der 2. Liga, etwa beim FC Schalke, schon gegeben hat?

Ich glaube, dass alle Vereine, die die Anwartschaft haben, das auch durchziehen. Aber wir beobachten das sehr aufmerksam. Es werden auf jeden Fall andere finanzielle Voraussetzungen herrschen als in der vergangenen Spielzeit, in der einige Clubs schon ziemlich aufgerüstet hatten.

Vieles wird sich aber erst ganz kurz vor der neuen Spielzeit entscheiden. Vor allem bei den Importspielern. Da bin ich sehr gespannt, ob Vereine da jetzt schon Verträge abschließen, ohne Gewissheit zu haben, wann es tatsächlich los geht. Aber vielleicht eröffnen sich dadurch ja auch wieder mehr Chancen für junge Spieler.

Erst einmal müssen wir aber abwarten, wie die Liga tatsächlich zusammengesetzt ist.

Die vorläufige Ligeneinteilung kann sich also noch verändern?

Ja, und in diesem Jahr sogar noch länger als sonst.

Wieso?

Der Deutsche Basketball-Bund erlaubt seit 2015 den Bundesligisten, die keine Lizenz bekommen, in einer der vier Regionalligen an den Start zu gehen. Bisher lief die Frist für die Erklärung der Vereine bis zum 31. Mai, der auch in den Landesverbänden Stichtag für alle anderen Vereine ist. In diesem Jahr hat der DBB seine Frist aber wegen Corona bis zum 30. Juni verlängert. Die beiden Fristen sind also nicht mehr kompatibel, und die Landesverbände müssen noch einen Monat warten, bis sie endgültige Sicherheit über die Zusammensetzung ihrer Regionalligen haben.

Rechnen Sie denn noch mit „Nachzüglern“ von oben? Dem FC Schalke etwa?

Aus Schalke habe ich dazu bislang noch nichts gehört. Ich rechne bei uns im Westen aber eher nicht damit, dass noch Bundesligisten in die Regionalliga wollen. Sollte das trotzdem der Fall sein, werden wir aber auf keinen Fall die Zahl der Absteiger erweitern. Die Liga würde dann vergrößert.

Was aber die Terminprobleme für die nächste Spielzeit zusätzlich vergrößern würde. Wie ist da der Stand der Planungen? Wann rechnen Sie mit dem Neustart?

Nächste gute Frage. Wir spielen natürlich sämtliche möglichen Szenarien auf dem Reißbrett durch. Bis zum 31. August ist der Spielbetrieb aktuell ja eh nicht möglich. Für einen verbindlichen Termin bräuchten wir einen Vorlauf von sechs Wochen.

„Ich kann nur hoffen, dass wir bald wieder nur über den Sport und Ergebnisse sprechen können. Denn meine große Sorge ist, dass viele Basketballer, wenn es nicht bald wieder an den Start geht, die Lust an ihrer Sportart verlieren und abwandern. Und da müssen wir alles tun, dass das nicht passiert.“
Uwe J. Plonka

Bekämen wir beispielsweise Ende Juni grünes Licht, dann könnte die Saison noch pünktlich starten. Käme das Okay erst im September, verschöbe sich der Start auf nach den Herbstferien und so weiter.

Ab Januar würde es dann schwierig. Mit viel Intelligenz ließe sich dann noch eine Saison nur mit einer Hinrunde spielen. Aber es kommt noch ein Satzungsproblem hinzu.

Welches?

Nun, laut Satzung muss die Saison vor Ostern beendet sein.

Das kann eng werden.

Ja. Zumal die Ligen jdurch den vermehrten Aufstieg und Nichtabstieg von Wildcard-Inhabern eh größer sein werden und wir mehr Spieltage brauchen werden.

Was kann man tun?

Der einzige Weg wäre ein Antrag beim DBB-Bundestag.

Der wann stattfindet?

Er sollte am ersten Juli-Wochenende stattfinden, ist aber auf den 27./28. November verschoben worden.

Bis dahin weiß man aber, wie es mit dem Saisonstart aussieht, und könnte einen entsprechenden Antrag vorbereiten ...

Genau. Sie sehen, wir müssen gerade sehr viele Baustellen im Kopf haben. Mit dem WBV müssen wir gemäß unserer Satzung auch noch einen Verbandstag abhalten, und auch da gibt es sehr wichtige Themen. Es steht eine Strukturveränderung an, und als großer Landesverband mit vielen Beschäftigten müssen wir unsere Finanzen langfristig sichern.

Einen wichtigen Termin hätte dieses Jahr auch noch der SV Haspe ...

Richtig. Der Verein feiert sein 50-jähriges Bestehen. Aber wir haben noch Hoffnung: Gründungstag ist der 26. Oktober, und wir würden gerne reinfeiern. Vorsichtshalber haben wir uns aber schon einen Ausweichtermin Ende Mai 2021 sichern lassen.

So leicht wird sich die nächste Spielzeit im WBV nicht verschieben lassen ...

Nein, und ich kann nur hoffen, dass wir bald wieder nur über den Sport und Ergebnisse sprechen können. Denn meine große Sorge ist, dass viele Basketballer, wenn es nicht bald wieder an den Start geht, die Lust an ihrer Sportart verlieren und abwandern. Und da müssen wir alles tun, dass das nicht passiert.

Dabei wünschen wir Ihnen viel Erfolg, Herr Plonka, und danken für das Gespräch.

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