Wegbereiter des Eishockeys in Dorsten

Eishockey

Scott Turnbull, einer der wesentlichen Wegbereiter des Eishockey-Sports in Dorsten, ist tot. Er starb im Alter von nur 49 Jahren in seiner kanadischen Heimat in Winnipeg.

DORSTEN

von Von Klaus Rosenkranz

, 31.08.2017, 17:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wegbereiter des Eishockeys in Dorsten

Kraftpaket: Scott Turnbull (l.) spielte Eishockey stets mit voller Power.

Als Turnbull im Herbst 1989 mit seinem Kumpel Dave Chiapelli aus den USA nach Dorsten kam, waren die beiden ein junges, fast unbedarftes Duo Anfang der Zwanziger, das die Welt mit ihrer Unbeschwertheit und vor allem mit Eishockey erobern wollte. Ihren sportlichen Ziehvater hatten die beiden in Peter Holubek, einem Ex-Profi, der in der Lippestadt seine Karriere ausklingen ließ, aber immer noch mit maximalem Einsatz auf dem Eis stand. Während Dave Chiapelli der filigrane Techniker, der Künstler auf Schlittschuhen war, war Scott Turnbull die „Kante“, ein wahrer Kühlschrank auf Kufen, der keinem Zweikampf, aber auch keinem Boxkampf aus dem Weg ging.

Diese Drei, Turnbull, Chiapelli und Holubek, waren die Keimzelle des Eishockey-Sports in der Lippestadt, waren natürlich schnell Publikumslieblinge in der meist rappelvollen Dorstener Eishalle. Während die meisten anderen Akteure Hobbyspieler waren, die ihren Stock eher zum Abstützen brauchten, gab dieses Trio dem wahnsinnig schnellen Spiel auf dem eisigen Untergrund erste profihafte Züge. Turnbull war dabei immer so etwas wie der überragende Turm, der Tore schoss, der Pässe schlug und sich immer in den Dienst der Mannschaft stellte – wenn er nicht gerade auf der Strafbank saß. Unvergessen seine Aktionen, wenn der kleingewachsene Verteidiger Markus Degen gefoult wurde und Turnbull mit seinen 190 Zentimetern Größe den „Rächer“ für seinen Kleinen gab.

Aufstieg in die Oberliga

Mit dem Trio wuchs die Mannschaft auch leistungsmäßig zusammen. Im Jahr 1992 stieg das Team in die Oberliga, damals die dritthöchste deutsche Liga, auf. Gegner waren unter anderem die heutigen Bundesligisten aus Frankfurt (in Frankfurt spielte der EC Dorsten vor 6300 Zuschauern in der ausverkauften Halle am Bornheimer Hang) oder Wolfsburg. Aber genau so schnell wie der EC Dorsten mit Turnbull auf dem spiegelglatten Geläuf aufstieg, stürzte das Kunstgebilde auch wieder ein. Immerhin war Scott Turnbull sieben Jahre lang (1989 bis 93 und 95 bis 98) ein wesentlicher Bestandteil dieser Entwicklung. Zwischendurch spielte er zwei Jahre in der ersten Liga in Duisburg.

Immer unterwegs

Scott heiratete in Dorsten, wurde Vater von zwei Kindern. Aber die Ehe zerbrach. Genauso beweglich und bisweilen unstet, wie der Riese auf dem Eis war, war er auch im Leben. Wenngleich nicht in allen Bereichen so erfolgreich. Er war quasi nach seiner Eishockey-Laufbahn immer unterwegs, arbeitete unter anderem als Golflehrer in Brasilien. Eine der wenigen Konstanten in seinem Leben war die Freundschaft zu seinem alten Mitspieler Peter Holubek. „Holu“, tief betroffen von der Todesnachricht seines Freundes: „Scott war immer ein Typ mit vielen Ecken und Kanten. Was man aber nie vergessen darf, war seine Qualität als Mensch. Ich werde ihn immer in sehr positiver Erinnerung behalten.“

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