Alemannia Scharnhorst-Trainer Marcus Wedemann: „Bövinghausen ist nicht die Übermannschaft“

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Für Alemannia Scharnhorst geht es am Sonntag um alles: Der Bezirksliga-Aufsteiger von 2018 kämpft um den Klassenerhalt. Am letzten Spieltag wartet aber eine fast unüberwindbare Hürde.

Dortmund

, 24.05.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Marcus Wedemann hat eine aufreibende Saison hinter sich. Vor einem Jahr feierte der Trainer von Alemannia Scharnhorst mit seiner Mannschaft den Aufstieg in die Bezirksliga. Ein Jahr danach sind die Emotionen wieder da. Aber diesmal geht es ums Überleben in der Klasse. Warum er trotzdem noch Chancen sieht, ausgerechnet gegen Tabellenführer TuS Bövinghausen das Fußball-Wunder zu schaffen, erklärt er im Interview.

Letzter Spieltag in der Bezirksliga und ausgerechnet jetzt kommt der Tabellenführer, der selbst den Aufstieg noch nicht sicher hat – was rechnen Sie sich für Chancen aus?
Das Schlimmste, was wir befürchtet haben, ist eingetroffen. Ich hab schon am 20. Spieltag gesagt, dass es für mich das Übelste wäre, wenn wir am letzten Spieltag gegen Bövinghausen gewinnen müssen, um in der Liga zu bleiben und andererseits der Gegner gewinnen muss, um den Aufstieg fix zu machen. Aber wir ziehen trotzdem ein gutes Stück Motivation aus dem Hinspiel. Am Ende haben wir das zwar mit 0:4 verloren, konnten die Partie aber trotzdem lange offen halten. Verloren haben wir damals in erster Linie durch eigene dumme Fehler.

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Aber Bövinghausen dominiert die Liga schon?
Das ist wohl richtig. Die Mannschaft hat ja auch in der laufenden Saison personell nochmal richtig nachgelegt. Andererseits muss man sagen, das wir am letzten Wochenende gegen den Tabellenzweiten FC Nordkirchen zwar verloren haben. Nordkirchen war aber überraschend nicht gut. Die waren total verunsichert. Andererseits ist Nordkirchen aber die Mannschaft, die Bövinghausen vor ein paar Wochen mit 3:1 geschlagen hat. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass auch Bövinghausen nicht die Übermannschaft ist. Wir setzen ganz darauf, mit unserem Teamgeist und unserer kämpferischen Stärke da noch was zu reißen.

Bövinghausen steht unter Zugzwang - gut oder schlecht?

Sagen wir mal so: Ich glaube, dass der Druck hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und der Zukunftsorientierung mit Leuten wie etwa Torsten Legat als Trainer absolut beim Gegner liegt. Für Bövinghausen gibt es im Moment nur eine Richtung, und da wäre ein Nichtaufstieg eine echte Katastrophe. Und das erhöht natürlich den Druck am kommenden Sonntag gewaltig.

Mit 22 Punkten rangiert Scharnhorst auf Platz 14 einen Punkt hinter Union Lüdinghausen auf dem rettenden 13. Platz und einen Punkt vor dem Dorstfelder SC. Scharnhorsts größes Plus ist das im Vergleich zur unmittelbaren Konkurrenz deutlich bessere Torverhältnis. Lässt Sie das zusätzlich hoffen?

Das sieht tatsächlich noch sehr gut aus und kann uns sicher helfen. Ich glaube wir werden für Bövinghausen nochmal ein richtig dickes Brett sein. Die Einstellung stimmt, die Zuschauerzahlen sind sehr gut. Beim Aufstieg hatten wir 1200 Zuschauer. Vielleicht schaffen wir das am Sonntag ja nochmal.

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Und die Mannschaft? Wie ist die Stimmung?

Die Stimmung ist überraschend gut. Aber man muss ja auch ganz klar sagen, dass wir nicht völlig überraschend da stehen, wo wir jetzt stehen. Uns haben vor allem die verlorenen Punkt in Lüdinghausen und gegen Sölde wehgetan. In Lüdinghausen Ende April führen wir 1:0 und verursachen in der 92. Minute noch einen Elfmeter. Gegen Sölde, mit denen nichts los war, kassieren wir vor zwei Wochen eine völlig unnötige Gelb-Rote Karte und geben das Spiel in Unterzahl noch mit 1:3 aus der Hand. Aber an der Motivation der Spieler gibt´s überhaupt nichts zu kritisieren. Eine ganze Reihe von ihnen wird nach der Saison Scharnhorst verlassen, und keiner will sich hinterher nachsagen lassen, nicht alles für den Klassenerhalt getan zu haben. Das spürt man schon ganz stark.

Aber die Leistungsträger sind am nächsten Sonntag nicht alle mit an Bord?

Nein, leider nicht. Christian Schulze und Mustafa Bajramoski fehlen in der Offensive. Im Mittelfeld sind Yessin Paluch und Marian Stiefel nicht dabei. Das schmerzt. Trotzdem sind wir in der Breite so gut aufgestellt und taktisch so diszipliniert, dass wir Bövinghausen auf jeden Fall das Leben schwer machen können.

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Sie selbst werden Scharnhorst nach dieser Saison als Trainer verlassen. Da wäre es doppelt bitter, sich mit dem Abstieg zu verabschieden.

Für den eigenen Anspruch wäre es schon bitter. Aber es war auch eines der schwierigsten Jahre überhaupt, weil wir immer wieder mit Hiobsbotschaften durch Abgänge und Verletzungen von Spielern personell zurückgeworfen worden sind. Und ehrlicherweise muss ich auch sagen, dass die sportliche Situation in der Hinrunde überhaupt nicht gestimmt hat. Wir hatten kaum Pause zwischen dem letzten Spiel um den Aufstieg und dem ersten Spiel in der neuen Liga. Und haben gebraucht, um der Bezirksliga angekommen. Von daher wäre es auch für das Trainerteam sehr schade, wenn es bei all der investierten Zeit, Kraft und Arbeit letztlich nicht für den Klassenerhalt reichen würde. Fakt ist aber auch, dass ich mich mit dieser Mannschaft in der Bezirksliga sehr, sehr wohl gefühlt habe.

Der Abschied von Scharnhorst ist aber nicht gleichbedeutend mit Abschied von der Arbeit als Trainer?

Sicher nicht. Aber ein neues Traineramt kommt jetzt sofort für mich nicht in Frage. Die Angebote waren da. Aber im letzten halben Jahr habe ich einfach nur Fußball gedacht. Jetzt brauche ich erstmal etwas Abstand. Und in einem halben Jahr sehen wir dann weiter.

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