Alen Terzic übernahm den BVB II, als Jan Siewert nach Huddersfield ging und mehrere Stammspieler den Klub verließen. Er hat sich nicht beklagt, doch die Zeit danach war schwer.

Dortmund

, 21.05.2019 / Lesedauer: 6 min

Es war eine turbulente Rückrunde für Alen Terzic, die aber ein versöhnliches Ende nahm. Vier Siege und ein Remis in den letzten fünf Spielen können sich sehen lassen. Terzic geht nach diesem halben Jahr trotzdem zurück in die Scouting-Abteilung. Nach dem Sieg gegen Alemannia Aachen am letzten Spieltag und dem U19-Halbfinale der Borussen gegen Schalke macht Terzic erstmal Urlaub. Vorher sprach er noch mit uns über das letzte halbe Jahr.

Alen Terzic, sind Sie traurig, dass die Saison vorbei ist?

(lacht) Die letzten Wochen waren natürlich sehr positiv, von daher geht man dann auch mit einem guten Gefühl, weil man gesehen hat, dass unsere Weiterentwicklung funktioniert und die Ergebnisse sich auch gut entwickelt haben.

Man hat gerade das Gefühl, wenn es noch zehn Spieltage mehr wären, könnte nach oben noch was gehen...

(schmunzelt) Das ist schwer zu sagen, ob wir als junge Mannschaft diese Form dann auch noch konstant über diese zehn Spieltage hätten halten können, aber zumindest war der Trend klar positiv.

Woran liegt das? Greifen da jetzt Rädchen ineinander, die vorher nicht so ineinander gegriffen hatten?

Natürlich hätten wir uns die beiden Negativ-Erlebnisse gegen Kaan-Marienborn und Lippstadt gerne erspart. In dieser Phase haben wir uns gegen tief gestaffelte Gegner schwer getan, den nötigen Druck im letzten Drittel entstehen zu lassen. Es fehlte uns der letzte Punch oder auch mal in Führung zu gehen, um einen defensiven Gegner zu öffnen. In Summe haben wir einfach Zeit gebraucht und wichtige Spieler, wie Bockhorn oder Bulut, die zum richtigen Zeitpunkt zurück kamen und unserer Offensive viel gegeben haben.

Zeit, die nicht da war?

Die Veränderungen im Winter waren schon enorm. Dass wir dann in einer komplett neuen Konstellation nicht innerhalb von vier, fünf Wochen perfekt funktioniert haben, ist glaube ich normal. Diese Zeit haben wir gebraucht und wir hätten uns natürlich diese zwei, drei Wochen um die beiden verlorenen Spiele herum gerne erspart.

Im Winter verließen mehrere Stammspieler den Verein. Wie schwer war es, aus den verbliebenen eine Mannschaft zu formen?

Nachdem ich übernommen hatte, ging es ja relativ zügig weiter. Deshalb mussten wir sehen, dass wir mit den Spielern nicht zu kritisch umgehen. Viele von unseren Jungs haben vorher unregelmäßig gespielt. Bis unsere Jungs dann ihren Rhythmus gefunden haben, brauchten wir Zeit und Sicherheit, die man sich vor allem in Spielen holt. Von daher hätte ich mir natürlich gewünscht, dass wir schon ein paar Wochen früher so abliefern, wie wir es jetzt getan haben. Es kam aber noch gerade rechtzeitig und es ist einfach auch super zu sehen, wenn dann Spieler wie ein Hüseyin Bulut oder Gianluca Rizzo, Joe Boyamba und ich könnte jetzt noch einige andere unserer Jungs mehr aufzählen, so zurück kommen und sich so positiv einbringen. An der Bereitschaft, am Willen oder der Motivation hat es jedenfalls zu keinem Zeitpunkt unseren Jungs gefehlt.

Sie mussten die Jungs also nicht wachrütteln? Raus aus der Komfortzone?

Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie in einer Komfortzone waren. Sie waren jederzeit bereit ihr Bestes zu geben. Wir sind eine junge Mannschaft, die nicht immer das Erfolgserlebnis bekommen hat, welches sie eigentlich verdient gehabt hätte, wie mit dem 0:0 in Essen zum Beispiel. Die Spiele gegen Kaan-Marienborn und Lippstadt waren Negativ-Erlebnisse, die für eine junge Mannschaft nicht so einfach zu verarbeiten sind. Wir haben es dann aber in kürzester Zeit geschafft und den Switch nochmal hinbekommen.

Haben Sie sich in der negativen Phase besonders viel Druck gemacht?

Als Trainer einer U23 hat man erstmal einen Ausbildungsauftrag, aber natürlich geht es auch um Ergebnisse. Wir sind Sportler und wollen immer das Bestmögliche erreichen. Das hat uns in dieser Phase noch mehr angetrieben.

Haben Sie das Gefühl, fair beurteilt worden zu sein?

Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, musst du dich letztendlich auch damit abfinden und dich der Kritik stellen. Es war sicherlich für Spieler und Trainer nicht besonders angenehm, als die Ergebnisse ausgeblieben sind. Aber umso wichtiger war unsere Reaktion und unsere Leistungen darauf.

Was überwiegt denn im Rückblick?

Absolut die letzten Wochen. Ich bin ein Trainer, der immer versucht, seine Mannschaft zu entwickeln und wenn du dann merkst, dass der Zeitpunkt gekommen ist, in dem gewisse Abläufe klar erkennbar sind, in dem du als Trainer erkennst, dass das Spiel nach vorne immer besser funktioniert, bekommst du natürlich ein gutes Gefühl. Gegen den Ball waren wir relativ schnell gut organisiert und wir haben wenig Gegentore kassiert. Und unsere Qualität nach vorne haben wir dann spätestens mit dem deutlichen Sieg gegen Straelen auch endgültig auf den Platz bekommen.

Ist es dann nicht schade, dass Sie das nicht fortführen können?

Es gab ja eine klare Absprache im Winter, von daher müssen wir uns darüber keine Gedanken machen. Außerdem bin ich dem BVB für das große Vertrauen und diese Super-Erfahrung, die ich in den vergangenen Monaten machen durfte, sehr dankbar.

Was hat Sie am meisten überrascht im letzten halben Jahr?

Was ich sagen kann, ist, dass die Liga unglaublich intensiv ist. Es ist für eine junge Mannschaft Woche für Woche eine große Herausforderung in dieser körperlichen Liga, in der mit sehr viel Wucht gespielt wird. Ich finde, auch darin sind wir in den letzten Wochen besser geworden, sodass wir dann auch sehr verdient unsere Spiele gewonnen haben.

Ist der körperliche Unterschied zwischen der U19-Bundesliga und der U23 in der Regionalliga so groß?

Wir haben junge Spieler im Team, die körperlich noch nicht fertig sein können, da sie sich erst in zwei drei Jahren zu ihrer vollen Kraft entwickeln werden. Von daher ist es völlig normal, dass du deinen Gegnern - oft fertigen Herrenmannschaften - in dem Bereich unterlegen bist. Aber wir wollen uns ja ohnehin über einen technischen und spielerischen Ansatz definieren. Von daher ist das körperliche auch wichtig, aber am Ende wollen wir unsere Spiele über unsere Spielstärke gewinnen.

Was nehmen Sie mit aus ihrer Zeit als Regionalligatrainer?

Ich nehme unglaublich viel mit aus dieser Zeit. Es war einfach eine Super-Erfahrung und ich bin, wie gesagt, dem BVB für dieses Vertrauen unendlich dankbar. Die Arbeit mit der Mannschaft hat mir sehr viel Spaß bereitet. Natürlich hätten wir definitiv auf die eine oder andere Woche verzichten können, aber letztendlich war es eine Top-Erfahrung und eine spannende Zeit.

Sie gehen jetzt wieder in die Scouting-Abteilung. Glauben Sie, dass Ihnen die tägliche Arbeit auf dem Platz fehlen wird?

Ich bin jetzt in meinem zehnten Trainerjahr, und es ist etwas neues für mich, dass es ab Sommer keine Mannschaft gibt, die ich trainieren werde. Aber auf der anderen Seite fühlten sich vor allem die letzten Jahre im höchsten Amateurbereich sehr intensiv an, weil ich immer versucht habe, meiner Mannschaft alles zu geben, was ich ihr geben konnte und meinen Trainerjob immer mit sehr viel Leidenschaft gemacht habe. Und deshalb glaube ich, dass mir eine Pause vom Trainergeschäft gut tun kann. Und wenn du dann noch das Glück und Privileg besitzt, für diesen wunderbaren Verein arbeiten und dich hauptberuflich mit Fußball beschäftigen zu dürfen, dann ist es absolut in Ordnung so wie es ist.

Pause heißt: Wir werden Sie nochmal auf der Trainerbank erleben?

Ich glaube schon, weil ich dafür auch einfach zu gerne Trainer bin. Aber wann das passieren wird und in welcher Form, kann ich überhaupt noch nicht absehen.

Das kommt dann auch auf die Angebote an?

(lacht) Nicht nur. Ich habe meinen Trainerjob immer sehr gerne gemacht, deswegen kann ich mir einfach nur schwer vorstellen, dass das jetzt mein letzter Trainerjob war. Aber ich freue mich einfach auch wieder auf meinen Job im Scouting und die spannende Zeit, die wieder vor mir liegt.

Mike Tullberg übernimmt im Sommer. Hatten Sie schon Kontakt und wenn ja, worüber haben Sie gesprochen?

Klar, natürlich, wir haben uns zur Mannschaft und über unsere Spieler ausgetauscht. Es geht darum, Mike die Möglichkeit zu geben, sich auf seine neue Aufgabe, bestmöglich vorzubereiten und ihn dabei zu unterstützen.

Und was für eine Mannschaft übergeben Sie ihm?

Eine Mannschaft, die eine sehr hohe Bereitschaft und sehr viel Potenzial besitzt. Unsere Jungs nutzen jede Gelegenheit dafür, sich Input zu holen, um sich zu verbessern. In Kombination mit den bereits getätigten Neuzugängen wird da sicherlich eine sehr gute Mannschaft entstehen.

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