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Alexander Enke und Sebastian Didion haben seit Saisonstart das Sagen beim Landesligisten Hombrucher SV. Wie das klappt und wo Verbesserungspotenzial besteht, verraten sie im Interview.

Hombruch

, 13.10.2018 / Lesedauer: 7 min

Eine gute Landesligamannschaft, verstärkt mit drei Oberliga-Kickern. Viele sahen den Hombrucher SV als Mitfavoriten für den Aufstieg. Aktuell hat der HSV aber sieben Punkte Rückstand auf Rang eins. Das Trainerduo Alexander Enke (30) und Sebastian Didion (36) erklären ihre Rollenverteilung und geben Antworten, warum sportlich noch nicht alles perfekt läuft.

Seid Ihr zufrieden mit dem, was ihr bisher erreicht habt?

Sebastian Didion: Ja. Es ist eine neue Situation für uns beide. Vorher habe ich es alleine gemacht, jetzt kamen Alex und neue Spieler dazu. Dementsprechend mussten wir uns erst einmal finden. Wir haben aber natürlich ein Ziel: Besser abzuschneiden, als Platz sieben im letzten Jahr.


Ein Trainerduo ist eher ungewöhnlich. Wir hatten zuletzt in Wickede eins, das hat genau ein Jahr gehalten. Warum seid Ihr Euch sicher, dass es bei Euch langfristig und auch erfolgreich sein wird?

Alexander Enke: Ich glaube, der große Unterschied zu anderen Trainerduos ist, dass wir eine gewisse Spielidee haben, die aber aufgrund der mangelnden Erfahrung noch nicht so festgefahren ist.

Didion: Wir sind beide noch jung und unverbraucht, sind eher Defensivspezialisten und denken auch fast gleich. Wir dachten uns, bevor wir jetzt fünf oder zehn Jahre komplett alleine was zu sagen haben, probieren wir es aus. Sonst ist es vielleicht schwieriger. Bisher läuft es richtig gut, hoffen wir mal, dass es so weitergeht.


Seid Ihr zu 100 Prozent gleichgestellt?

Enke: Ja, während der Trainingszeiten und in den Besprechungen teilen wir es uns tatsächlich 50/50 auf. Auf dem Platz ist es definitiv leichter für mich einzugreifen, weil ich meistens noch Teil der elf Leute auf dem Feld bin. Didi hat natürlich den Vorteil, dass er das Ganze von außen neutraler betrachten kann. Da kommen dann natürlich auch unterschiedliche Meinungen zutage. Wir besprechen uns dann in der Halbzeit auf die Schnelle und auch nach den Spielen.


Gab es schon einmal Situationen, in denen Ihr Euch beide nicht einig wart?

Enke: Es gibt immer wieder Entscheidungen, bei denen der eine versucht, den anderen mit Argumenten zu überzeugen. Aber ich glaube, das ist bei einem Trainerteam mit Trainer und Co-Trainer genauso. Es sind elf Leute, die aufzustellen sind. Viele Positionen sind nach der Trainingswoche klar, und wo es Redebedarf gibt, da sprechen und argumentieren wir – gegenseitig und miteinander.

Alexander Enke und Sebastian Didion: „Wir sind beide noch jung und unverbraucht“

Sebastian Didion (rechts) war schon in der vergangenen Saison beim Hombrucher SV und holte sich mit Alexander Enke (links) nun Verstärkung – auf und neben dem Platz. © Nils Foltynowicz

Wer hält die Ansprache vor dem Spiel?

Enke: Das teilen wir uns auch auf. Der eine übernimmt den analytischen, taktischen Teil und der andere den emotionalen. Da bekommen wir auch Rückmeldung von der Mannschaft, nicht nur positiver, sondern auch negativer Natur. Es ist eine Lernkurve, die wir durchlaufen.


Wie regelt Ihr es untereinander im Spiel?

Didion: Wir haben natürlich Blickkontakt. Es ist aber so, dass Alex voller Emotionen ist. Wir draußen natürlich auch, aber man sieht es schon besser. Was in den 90 Minuten passiert, ist komplett mein Part. Hinterher wird dann besprochen, ob es gut oder schlecht war. Alex ist dafür da, intern auf dem Platz Anweisungen zu geben. Dass es Reibungspunkte und unterschiedliche Meinungen gibt, ist völlig normal. Das ist auch gut so. Wenn es nicht so wäre, wäre das traurig.


Gibt es ein Agreement zwischen Euch, dass Ihr Euch während des Spiels nicht kritisiert, um die Autorität aufrecht zu erhalten?

Didion: Nein, Alex ist für mich auf dem Platz ein Spieler wie jeder andere auch. Ich würde ihm auch sagen, dass er sich mal konzentrieren soll. Das ist aber natürlich noch nie vorgekommen, das ist ja auch klar.

Enke: Ich bin weit davon entfernt zu sagen, dass ich in der Landesliga fehlerfrei Fußball spiele. Deswegen bitte ich meine Mitspieler und Didi auch um klare Worte. Ich würde als Spieler niemals über den halben Platz etwas Despektierliches zu Didi schreien. Selbst wenn ich das in der Situation denken würde, würde ich mir da den Mund verbieten. Aber Didi, der draußen steht, darf mir selbstverständlich Anweisungen geben.


Ihr seid beide als Trainer ins kalte Wasser geworfen worden. Eint Euch das?

Didion: Ich habe es als Co-Trainer von Markus Gerwien ja schon gemacht, da konnte ich einiges lernen. Es kam aber sehr überraschend, dass ich in der Rückrunde übernommen habe. Ich habe viel von meinen vorherigen Trainern mitgenommen, trotzdem ist es einfacher, dass ich Alex dabei habe. Er spielt jetzt noch, ich habe vor zwei Jahren noch gespielt. Wir beide wissen genau, wie es auf dem Platz läuft und wie die Spieler so ticken – das hoffen wir zumindest zu wissen.

Video
Das Trainer-Quiz mit Sebastian Didion & Alexander Enke


Wo geht denn der Spieler hin, der sauer auf die Trainer ist?

Enke: Ein Pluspunkt ist, dass ich während der Übung auf dem Trainingsplatz viel mehr mitbekomme als Didi, der immer 15 bis 20 Meter vom Geschehen entfernt steht. Ich sehe die Mimik und die Gestik der Spieler und kann sie relativ leicht zwischen den Übungen zur Seite nehmen und ein lockeres Wort quatschen.

Didion: Und ich glaube, dass wir noch sehr nah an den Spielern dran sind. Wir haben sehr viel Spaß mit ihnen. Wir wollen die Spieler mit ins Boot nehmen. Wenn es Probleme gibt, sollen sie zu uns kommen und reden.


Gibt es auch Nachteile, wenn man so jung ist?

Enke: Es ist immer die Problematik, wie nah man an einer Mannschaft dran ist und wo man wieder Distanz aufbaut. Aber da wir echt viele Spieler haben, die Anfang 20 sind, ist es doch noch einmal eine andere Generation. Die Jungs geben am Wochenende – samstags hoffentlich nie – schon Vollgas, und natürlich geht man mal mit ein Bier trinken. Aber es ist noch nicht vorgekommen, dass wir mit der Mannschaft feiern waren. Natürlich fehlt das irgendwo, aber man wird auch älter, und mit 30 ist nicht mehr jedes Wochenende Halli-Galli.


Kommen wir zum Sportlichen. Von außen ist man der Meinung, dass es zu wenig ist, was Ihr bisher gezeigt habt. Habt ihr das Gefühl auch?

Enke: Sicherlich ist unser Anspruch definitiv ein anderer. Unser Problem sind die drei Unentschieden. Davon musst du mindestens zwei gewinnen. Da reihen wir uns in die schwankungsbehaftete Liga leider ein. Jeder schlägt jeden. Aber wir sind erst am 9. Spieltag. Es ist auch nicht so, dass drei Spieler aus der Oberliga gekommen sind, die da alles in Grund und Boden geschossen haben. Ja, wir haben Oberliga gespielt, aber in der Landesliga wird auch Fußball gespielt. Wir nehmen uns nicht den Ball und dribbeln mal eben durch. Wir sind aber fest davon überzeugt, dass sich die Vorgehensweise, die wir an den Tag gelegt haben, mittel- bis langfristig auszahlen wird. Das wird definitiv so kommen.

Alexander Enke und Sebastian Didion: „Wir sind beide noch jung und unverbraucht“

Alexander Enke mahnt, die Landesliga nicht zu unterschätzen. © Nils Foltynowicz

Was verlangt Ihr noch von der Mannschaft?

Enke: Es sind Kleinigkeiten. Du kannst eine gewisse Spielidee vorgeben. Wir stehen dafür, dass eine geordnete Defensive mit entsprechendem Umschaltspiel das A und O ist. Aber es sind die Basics, die du einhalten musst. Taktisch brauchst du ein gewisses Niveau, darüber hinaus entscheidet individuelle Qualität, Konzentration und Wille. Das ist extrem in der Landesliga. Da fehlen uns noch die letzten Pünktchen. Es ist noch Luft nach oben, definitiv.

Didion: Von der Platzierung passt es aktuell, von der Punkteausbeute natürlich nicht. Im Training geben die Jungs immer 100 Prozent. Da geht es richtig zur Sache. Wenn sie das am Sonntag auch ins Spiel bringen würden, würden wir beide nur noch mit einem Lächeln herumlaufen. Denn dann wird es richtig schwer, uns zu schlagen. Das liegt aber auch an uns beiden. Wir müssen es hinbekommen, dass sie das auch am Sonntag zeigen.


Alex, du bist einer, der es auf dem Platz vorlebt. Warum ziehen die anderen da nicht richtig mit?

Enke: Wir haben mehrere Spieler auf dem Platz, die bereitschaftsmäßig echt am oberen Level anzusiedeln sind. Vielleicht müssen sich die anderen fünf, sechs noch mehr mitziehen lassen, damit eine Eigendynamik auf dem Platz entsteht. Da fehlt es noch ein bisschen. In schlechten Phasen sind die Leute viel mit sich selbst beschäftigt. Das ist absolut verständlich aber da sollen diejenigen, die mit ihrer Einsatzbereitschaft vorangehen, auch als Vorbilder wahrgenommen werden.

Didion: Der große Teil der Mannschaft ist gerade einmal 20 Jahre alt. Sie müssen auch ihre Erfahrungen sammeln und müssen da erst einmal hereinwachsen. Ich war mit 20 nicht so weit, wie unsere Jungs jetzt es sind.


20-Jährige sind heutzutage sehr selbstbewusst. Ist es dann schwerer für sie, einen älteren neben sich zu haben, der zeigt, wo der Weg lang geht?

Enke: Das ist tatsächlich so. Man merkt es seit drei bis fünf Jahren, dass die jüngeren Spieler innerhalb eines Mannschaftsgefüges Ansprüche stellen. Wenn dann wie in Hombruch ein paar Jahre kein Leitwolf mit dabei war, ist es für den ein oder anderen nicht toll, wenn er im Training mal zusammengefaltet wird. Aber ich glaube, das kann nicht schaden, wenn die Jungs auch wieder ein bisschen etwas von der alten Schule mitbekommen.


Verbal zusammengefaltet oder im Zweikampf?

Enke: In erster Linie verbal aber eine gewisse Zweikampfhärte tut einigen jungen Spielern durchaus gut.


Alexander Enke und Sebastian Didion: „Wir sind beide noch jung und unverbraucht“

Alexander Enke lebt seinen Spielern auch die alte Schule vor. © Nils Foltynowicz

Am Sonntag geht es gegen Wacker Obercastrop. Was erwartet Ihr da?

Didion: Die haben eine sehr gute Offensive, trotzdem spielen wir zu Hause. Wir haben da jetzt drei Mal Unentschieden gespielt, da wünschen wir uns schon sehr einen Sieg.


Habt Ihr schon eine Mannschaft gesehen, die besser ist als eure und von der Ihr denkt, dass sie am Ende oben stehen?

Enke: Ich glaube, Sodingen wird weit oben stehen, weil sie einfach eine enorme individuelle Qualität haben.

Didion: Ich habe mir Frohlinde zweimal angeguckt. Sie haben sich enorm verstärkt, stehen auf Rang eins, sind sieben Punkte vor uns. Sie werden oben mitgehen.


Ist Eure Zusammenarbeit auf ein Jahr befristet?

Enke: Die Verträge laufen für ein Jahr, aber ich bin sicherlich nicht nach Hombruch gekommen, um nach einem Jahr zu sagen ‚okay, das war es jetzt‘.

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