Der ASC 09 erwartet am Sonntag den Aufsteiger Holzwickeder SC im Waldstadion. Das Duell ist auch das Treffen zweier guter Freunde. Die Trainer Axel Schmeing und Samir Habibovic im Interview.

Aplerbeck

, 06.10.2018 / Lesedauer: 5 min

Sie haben sich gerade extrem vertraut begrüßt…

Schmeing (44): Wir haben zusammen eine Menge erlebt. Auf dem Fußballplatz und auch daneben. Uns verbindet seit langem eine Freundschaft.

Habibovic (42): Wir waren zusammen auf dem Heisenberg-Gymnasium. Ich war zwei Klassen unter Axel. Da haben wir uns kennenglernt.

Schmeing: Wir haben auch zusammen in der Schülermannschaft gespielt.

Habibovic: Und bei den Bundesjugendspielen sind wir immer gegeneinander angetreten, weil wir gute Läufer waren. Da ging es gut ab. Und Fußball haben wir auch zusammen gespielt. Axel hat mich zum TV Brechten geholt.

Schmeing: Und dann sind wir gleich aus der Landesliga abgestiegen. Was aber nicht an Samir lag. Wir hatten drei Spieltage vor Ende sechs Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz und haben dann drei Mal verloren.

Habibovic: Und im Entscheidungsspiel habe ich im Elfmeterschießen verschossen.

Schmeing: An der Niederlage bin ich unschuldig. Da war ich gerade auf Mallorca.

Video
RN-Quiz vor dem Oberliga-Derby

Was war Samir Habibovic für ein Fußballer?

Schmeing: Ein Beißer, Kämpfer, er hat immer alles gegeben und war immer topmotiviert.



Und was waren Axel Schmeings Stärken?

Habibovic: Er war ein ähnlicher Spielertyp wie ich. Er hatte aber einen Vorteil.



Welchen?

Habibovic: Er konnte sogar Fußball spielen. Das war nicht meine Stärke.



Auf dem Platz waren Sie also ähnliche Typen. Haben Sie sich deshalb auch außerhalb des Platzes gut verstanden?

Habibovic: Auf jeden Fall. Wir hatten zur Schulzeit auch immer denselben Freundeskreis. Damals war die Freundschaft noch enger, weil wir uns häufiger gesehen haben. Jetzt haben wir Familien, telefonieren häufig und sehen uns nur selten bei Partys.

Schmeing: Früher waren wir freitags und samstags synchron unterwegs. Heute treffen wir uns bei Kindergeburtstagen. Und nicht zu vergessen: Wir haben beide eine Zeit lang in Scharnhorst gelebt. Ich bin da aufgewachsen, er ist später dahingezogen.



Jetzt ist Scharnhorst ein Vorort, der nicht gerade den besten Ruf hat …

Schmeing: Ich finde Scharnhorst überhaupt nicht negativ. Klar, da ist ein Ballungsgebiet, dort leben viele Kinder. Aber die Zeit hat geprägt und ich habe noch viele Freunde aus Scharnhorst. Man bleibt immer ein Scharnhorster.



Jetzt treffen Sie am Sonntag als Trainer aufeinander…

Habibovic: Zum ersten Mal. Ich bin mal als Trainer des Hombrucher SV auf den Spieler Axel Schmeing getroffen. Damals hat er bei Wickede gespielt. Das war es aber auch schon.

Aplerbecks Habibovic und Holzwickedes Schmeing zwischen Vergangenheit und Derby

Samir Habibovic freut sich auf viele Zuschauer. 1000 Besucher waren beim Hecker-Cup-Finale in der Saisonvorberietung zu Gast. © Stephan Schuetze

Haben Sie sich gefreut, dass Axel Schmeing mit Holzwickede in die Oberliga aufgestiegen ist?

Habibovic: Auf jeden Fall. In erster Linie für meinen Freund. Und dann, weil es doch ein kleines Derby für uns ist. Beim Finale des Hecker-Cups waren gegen Holzwickede 1000 Zuschauer im Waldstadion.



Aber ist Holzwickede neben Brünninghausen nicht ein weiterer Konkurrent, der dieselben Spieler verpflichten möchte?

Habibovic: Stimmt, das ist eine neue Konkurrenz für uns. Aber es sind genug Spieler für alle auf dem Markt.

Schmeing: Der ASC hat bei den jungen Spielern noch den besseren Ruf. Wir hätten auch gerne Jannik Marth und Lars Warschewski verpflichtet. Die haben sich aber Aplerbeck angeschlossen. Es gibt Überschneidungen bei der Spielersuche, weil wir zwei Klubs sind, die auf junge, hungrige Spieler setzen. Unser Etat gibt nichts anderes her.

Habibovic: So ist es. Schon im November werde ich 30 bis 40 Jugendspieler auf einer Liste haben, die für uns interessant sein könnten.



Wo suchen Sie die jungen Spieler?

Schmeing: Natürlich muss ich bei den A-Jugend-Teams des Hombrucher SV und TSC Eintracht immer die Augen aufhalten.

Habibovic: Es sind überall junge Dortmunder Spieler unterwegs. In Ahlen, Wuppertal oder Duisburg. Durch viele Telefonate mit Jugendtrainern und Beratern findet man sie. Und der Weg mit den jungen Spielern ist genau der richtige Weg. Man muss sich einfach nur trauen, die jungen Spieler zu bringen.



Wie schwer fällt es Ihnen, etablierten Spielern zu sagen, dass sie im Sommer den Klub verlassen müssen?

Schmeing: Wenn der Spieler sich realistisch einschätzt, ist es natürlich einfacher. Aber es gehört halt zum Geschäft dazu. Es kann nicht immer nur alles Friede, Freude, Eierkuchen sein.

Habibovic: Man muss fair sein. Ich sage schon im Januar Bescheid, mit wem wir nicht mehr planen. Die Spieler sind dann natürlich zwei, drei Wochen sauer. Aber ich habe noch nie erlebt, dass ein Spieler sich dann hängen lässt.

Schmeing: Ich habe sogar erlebt, dass die Spieler dann plötzlich besser werden. Vielleicht, weil sie dann im Kopf freier sind.

Aplerbecks Habibovic und Holzwickedes Schmeing zwischen Vergangenheit und Derby

Axel Schmeing findet, dass Samir Habibovic eine gute Wahl als Interimstrainer ist: „So kann er sein Feuer ausleben, davon hat er noch genug.“ © Stephan Schuetze

Dass Sie auf Samir Habibovic treffen, liegt daran, dass Adrian Alipour den ASC Richtung Wuppertal verlassen hat. Hat es Sie gewundert, dass der Sportliche Leiter Habibovic sich wieder auf die Bank gesetzt hat?

Schmeing: Es hat mich gefreut. So kann er sein Feuer ausleben, davon hat er noch genug. Aber ich glaube, er ist froh, dass er in zwei Wochen das Traineramt wieder abgibt.

Habibovic: Das ist wirklich so. Ich habe früher immer gesagt, wenn meine Kinder in die Schule gehen, setze ich mich wieder auf die Bank. Stand heute, werde ich das aber nicht mehr machen. Der Aufwand ist viel zu hoch. Wenn ich nur an die Videoanalysen denke. Ein Spiel zu analysieren, dauert bestimmt fünf Stunden. Ich habe es bei den ersten drei Spielen intensiv gemacht und nur einen Punkt geholt. Bei den letzten zwei Partien habe ich darauf verzichtet und wir haben zwei Mal gewonnen. Ich habe mein Team in den ersten drei Partien zu sehr auf den Gegner eingestellt. Jetzt ziehen wir nur unser Ding durch.

Schmeing: Ich habe auch keine Zeit, sechs Stunden ein Spiel per Video zu analysieren. Wir spielen in einer Liga, in der wir uns nicht nach dem Gegner richten müssen. Wir konzentrieren uns nur auf uns.



In der Vorbereitung hat Holzwickede im Finale des Hecker-Cups den ASC 09 mit 3:0 geschlagen. Was ist hängen geblieben?

Habibovic: Die Jungs haben diese Niederlage nicht vergessen. Holzwickede hat uns bei unserem Turnier die Party versaut.

Schmeing: Und genau daran müssen meine Jungs am Sonntagmorgen denken, wenn sie aufstehen. Die Aplerbecker werden richtig heiß sein.



Aber treten ohne ihren Topspieler Kevin Brümmer an…

Schmeing: Kevin ist ein Spieler, der eine Partie ganz alleine entscheiden kann. Ob es ein Vorteil ist, dass er gegen uns nicht dabei war, wissen wir erst nach dem Spiel.



Ist das Derby gegen Holzwickede sogar wichtiger als das gegen Brünninghausen?

Habibovic: Auf keinen Fall. Aber eins ist Fakt, Holzwickede hat mehr Dortmunder Spieler als Brünninghausen.

Schmeing: Das stimmt. In meinem Kader stehen mindestens 15 Dortmunder Jungs. Ich denke, wir haben sogar mehr Dortmunder als der ASC.

Habibovic: Ich glaube nicht.



Und wie geht das Spiel jetzt aus?

Schmeing: Ich tippe nicht.

Habibovic: Ich lasse es auch.

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