Aus der Dusche auf die Laufbahn: Dortmunder Athleten gehen in Leipzig auf Medaillenjagd

rnDeutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaften

Mit acht Athleten reist die LG Olympia am Wochenende zur Hallen-DM nach Leipzig. Torben Junker geht als Favorit ins 400-Meter-Rennen. Aber auch andere Dortmunder haben Medaillen-Chancen.

Dortmund

, 14.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Torben Junker wird es am Samstag genauso halten wie immer. Bevor es aus dem Hotel Lindner in die nahe gelegene Arena Leipzig geht, sucht der 26 Jahre alte Langsprinter der LG Olympia zunächst einmal die Dusche in seinem Zimmer auf. Er wisse nicht genau, ob man dies als Ritual bezeichnen soll, „aber ich fahre in der Regel tatsächlich immer frisch geduscht zu den Wettkämpfen“, sagte Junker zu seiner Vorbereitung, und musste selbst ein bisschen darüber lachen. Er wird anschließend sein Aufwärmprogramm in der Halle so durchziehen, wie es immer macht, um seinen Körper auf Betriebstemperatur zu bringen.

Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Torben Junker will am Wochenende Deutscher Hallenmeister über die 400 Meter werden. „Ich reise als schnellster Deutscher in diesem Jahr an und will auch als schnellster Deutscher wieder nach Hause fahren“, sagte Junker am Mittwoch auf der Pressekonferenz der LGO im Paul-Klee-Saal des Dorint Hotels in Dortmund.

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Pierre Ayadi von der LGO Dortmund im Interview vor den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften

47,24 Sekunden ist Junker beim PSD Bank Indoor Meeting Ende Januar in der Helmut-Körnig-Halle gelaufen. Deutsche Jahresbestleistung. Es folgen Marc Koch (LG Nord Berlin) in 47,74 Sek. und Johannes Trefz (TSV Gräfelfing/47,81 Sek.), die in Leipzig neben Marvin Schlegel aus Chemnitz wohl seine stärksten Konkurrenten sein dürften.

Acht Dortmunder Starter in Leipzig

Junker, im vergangenen Jahr in Dortmund Deutscher Vizemeister über die 400 Meter geworden, ist einer von insgesamt acht Dortmunder Athleten, die die Farben der LG Olympia bei den 66. Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften vertreten werden. Neben dem 26-Jährigen schicken die Dortmunder in Mohamed Mohumed und Christina Honsel, zumindest nach den bislang erbrachten Leistungen der Starter, gleich drei aussichtsreiche Medaillen-Kandidaten zum Kräftemessen mit Deutschlands Top-Athleten. „Viel wird von der Tagesform abhängen, aber unsere Athleten haben bei Meisterschaften eigentlich immer gut performt“, sagte Pierre Ayadi, Sportlicher Leister der LG Olympia. „Wir peilen zwei Medaillen an, drei wären schon super.“

Berechtigte Hoffnungen auf einen Podiumsplatz darf sich Christina Honsel im Hochsprung am Sonntag machen. Die 21-Jährige steigerte erst am vergangenen Wochenende ihre persönliche Bestleistung auf 1,88 Meter. Höher sind in diesem Jahr in Deutschland nur die Stuttgarterin Marie-Laurence Jungfleisch (1,94 Meter) und Imke Onnen aus Hannover (1,92 Meter) gesprungen. „Platz drei bei den Deutschen Meisterschaften in Leipzig ist durchaus ein realistisches Ziel“, sagte Honsel nach ihrem Wettkampf in Weinheim. Gleichzeitig warnte sie aber auch vor allzu großen Erwartungen. „Im Feld gibt es einige Springerinnen, die Höhen von Mitte 1,80 Meter drin haben. Da muss man abwarten, wer wann wie gut drauf ist.“

Platz drei bei den Deutschen Meisterschaften in Leipzig ist durchaus ein realistisches Ziel.

Auch Mohamed Mohumed, der am Samstag sein erstes 3000-Meter-Rennen in der Halle in diesem Jahr laufen wird, bleibt zurückhaltend. „Es ist mein erstes Jahr in der U 23“, sagte der 19-Jährige. „Eigentlich gehöre ich ja noch gar nicht zur Männerklasse. Für mich geht es in erster Linie darum, Erfahrungen zu sammeln. Ich gebe mein Bestes, und dann gucken wir mal, was rauskommt.“

Pierre Ayadi glaubt dennoch, dass sein Schützling durchaus im vorderen Bereich mitlaufen kann. „Auch wenn wir das Teilnehmerfeld nicht genau einschätzen können: Mohamed ist in guter Form, er hat im Trainingslager in Südafrika hart gearbeitet“, sagte der Sportliche Leiter der LGO.

LGO-Athleten sollen bei Hallen-DM lernen

Steffen Baxheinrich (800 Meter) und Maximilian Feist (1500 Meter) haben sich gemeinsam mit Mohumed auf dem afrikanischen Kontinent fit gemacht für die Freiluft-Saison, aber auch die DM in Leipzig. Baxheinrich startet über die 800 Meter, Feist, genau wie Elias Schreml, über die 1500 Meter. Das LGO-Feld komplettieren Marilena Scharff (400 Meter) und Verena Meisl (1500 Meter). „Sie sind in erster Linie zum Lernen da“, sagte Ayadi. Und unterscheiden sich damit bekanntlich von Torben Junker.

Im vergangenen Jahr, beim Heimspiel in der Helmut-Körnig-Halle, stand am Ende Platz zwei für den 26-Jährigen über die 400 Meter. Zwölf hundertstel Sekunden fehlten ihm auf den Leverkusener Thomas Schneider (47,80 Sek). Die Enttäuschung aufseiten des Dortmunders war trotz Vizemeisterschaft groß. In Leipzig soll es daher nun nach ganz oben gehen aufs Podium. „Torben hatte bereits bei seinem Sieg beim Indoor Meeting in Dortmund einen sehr guten Lauf“, sagte sein Trainer Thomas Kremer. Bestätigt er diesen Lauf, dürfte der Titel nur über den Dortmunder gehen.

Ich freue mich darauf, gegen Athleten laufen zu dürfen, die man sonst nur aus dem Fernsehen oder dem EM-Finale kennt.

Junker hat neben der Fahrt nach Leipzig übrigens kurzfristig noch eine weitere Reise in dieser Hallensaison auf dem Programm stehen. Der 26-Jährige ist kurzfristig zum PSD Bank Indoor Meeting in Düsseldorf am kommenden Mittwoch eingeladen worden, das gleichzeitig das Tourfinale der IAAF World Indoor Tour ist und Weltklasse-Athleten auf die Bahn bringt. Einen extra Schub für Leipzig bringe ihm die Einladung zwar nicht, sagte Junker. „Aber ich freue mich darauf, gegen Athleten laufen zu dürfen, die man sonst nur aus dem Fernsehen oder dem EM-Finale kennt. Das ist schon etwas Besonderes.“ Die Vorbereitung dürfte auch dann wieder wie gewohnt laufen. Erst duschen, dann aufwärmen.

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