Bleiben Golflehrer auf der Strecke? Hashtag #stronggolfcommunity soll helfen, das zu verhindern

Coronavirus

Auch die Golfer trifft das allgemeine Sportverbot hart. Vor allem die Gastronomen und die selbstständigen Golflehrer bekommen Probleme. Kreative Lösungen sind gefragt - offline und online.

Dortmund

, 23.03.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bestes Golf-Wetter, und kein Golfer weit und breit. Bis mindestens zum 20. April ruht der Betrieb auf allen Anlagen.

Bestes Golf-Wetter, und kein Golfer weit und breit. Bis mindestens zum 20. April ruht der Betrieb auf allen Anlagen. © Nachtigaeller

Auf einem Golfplatz nahe Hannover rückte Ende vergangener Woche die Polizei aus. Ihr Einsatz auf den Fairways und Grüns galt einer Gruppe älterer Herrschaften, die partout nicht einsehen wollten, dass das allgemeine Sportverbot auch für sie gilt.

Die Liste ihrer Ausreden war durchaus kreativ, verstanden hatten sie offenbar nichts. „Das haben wir zum Glück nicht erlebt. Ich kann verstehen, dass sich leidenschaftliche Golfer mit dem Verbot schwer tun, aber es ist angesichts der bedrohlichen Lage alternativlos“, sagt Andrea Marx, Präsidentin des Dortmunder Golfclubs (DOGC).

Absperr-Pylone auf dem Royals-Parkplatz

Ihr Amtskollege Stefan Buderus vom Golfclub Royal St. Barbara´s (RSB) stößt ins gleiche Horn: „Selbst wenn Golf als gesundheitsfördernder Sport in freier Natur gilt, sind weitere Erklärungen zum Thema Corona doch wohl überflüssig. Was wäre das für ein Bild: Anderswo sterben Menschen, und die Golfer tun so, als wenn nichts wäre. Absurd!“.

Andrea Marx.

Andrea Marx. © Nils Foltynowicz

Vor einer Woche noch nutzten viele Dortmunder Golfer nach einem langen, nassen Winter das schöne Wetter zu einer Runde über den Platz – schon mit ersten Einschränkungen für die Nutzung von Duschen und sanitären Einrichtungen in den Clubhäusern sowie das Berühren von Flaggenstöcken und Ballwasch-Maschinen.

„Wir haben uns lange gegen eine Schließung gewehrt, haben aber überall Warnhinweise mit Verhaltens-Regeln ausgehängt“, erzählt Marx. Am Mittwoch dann drückte der Deutsche Golfverband auf Anweisung der Bundesregierung bundesweit die Stopptaste. Auf dem Royals-Parkplatz in Brackel standen plötzlich Absperr-Pylone mit Stoppschildern. Nichts geht mehr – vorerst bis zum 20. April.

„Das reißt schon ein Loch in den Geldbeutel“

Das betrifft nicht nur den Golfbetrieb. Besonders die Klubgastronomien und die selbstständigen Golflehrer leiden unter dem plötzlichen Berufsverbot, größere Rücklagen haben die wenigsten.

Lara Lehnstaedt, Trainerin beim RSB , erläutert die schwierige Situation: „Wir sind ein Outdoor-Sport, können also im Winter relativ wenig unterrichten. Jetzt, wo die Saison wieder richtig beginnt, ist auch noch die Golfer-Reise in die Türkei, die ich als Trainerin begleiten sollte, gestrichen worden. Das reißt schon ein Loch in den Geldbeutel“.

Kreative Einnahmequellen sind auch bei den Golfern gefragt

Auch Holger Böhme, der die Golfschule beim DOGC in der Reichsmark betreibt, weiß: „Das Berufsverbot trifft uns in der heißen Phase unserer Saison. Ich fürchte, bundesweit werden durch die Krise einige Golflehrer auf der Strecke bleiben. Jetzt ist es an der Zeit, kreativ zu werden“.

An Ideen mangelt es den Pros offenbar nicht. Böhme, der mit zwei Kollegen an der Syburg unterrichtet, bietet Zehnerkarten an, jetzt zu erwerben, später einzulösen. „Das hilft aber eher akut und weniger hintenraus“, weiß der zertifizierte Coach, der sich zudem einer Online-Initiative mit dem Hashtag #supportyourpro sowie #stronggolfcommunity angeschlossen hat. Dort werden Polohemden, Hoodies, T-Shirts mit diesem Aufdruck verkauft, ein Teil des Erlöses fließt den Trainern zu.

„In diesen Zeiten müssen wir solidarisch sein, es gibt keine Denkverbote“

Lara Lehnstaedt und Holger Böhme, beide in der Trainervereinigung PGA of Germany (die ihre Mitgliedsbeiträge übrigens aus aktuellem Anlass erst im August einzieht und nicht wie üblich im April), spüren in diesen schweren Zeiten ermunternde Solidarität von vielen Seiten, auch und natürlich von den Klubs, für die sie arbeiten.

„Wir hatten vor einigen Tagen noch mal eine Zusammenkunft, wo wir unserer Gastronomin und den Pros unsere volle Unterstützung zugesagt haben. Zum Beispiel könnten wir erstmal die Pacht aussetzen“, berichtet Stefan Buderus. Auch Andrea Marx hegt solche Gedankenspiele: „In diesen Zeiten müssen wir solidarisch sein, es gibt keine Denkverbote“.

Böhme nutzt die golffreie Zeit schweren Herzens zum Homeoffice und der Nachbereitung des kurz zuvor beendeten Portugal-Trainingslagers der in die 2. Bundesliga aufgestiegenen Herren-Mannschaft, Lehnstaedt hält sich mit dem Drehen von Erklär- und Übungsvideos im Garten für die RSB-Homepage bei Laune. „Das lenkt ein wenig ab und ermuntert vielleicht manche Zuseher, nach der Krise mal wieder eine Trainerstunde bei uns zu buchen“.

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