Bayern, Berlin und NRW: So unterschiedlich geht man mit dem Saisonstart um

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Während in NRW an diesem Wochenende wieder der Liga-Alltag beginnt, sind in einem Bundesland unter anderem zwar Konzerte erlaubt, Pflichtspiele im Sport bleiben aber verboten. Wie kann das sein?

Dortmund

, 04.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise hat viele Dinge offenbart, die normalerweise nicht sonderlich präsent daherkommen. Eine wichtige Erkenntnis: Der Föderalismus in Deutschland scheint zu funktionieren. Das wird vor allem bei der Diskussion um die jeweiligen Corona-Regeln deutlich. Was oft durchaus von Vorteil ist, birgt allerdings auch Problempotenzial. Ein Beispiel dafür ist die aktuelle Wiederaufnahme des regulären Ligabetriebs im Amateurfußball.

Auf das erste Septemberwochenende haben in Nordrhein-Westfalen vermutlich alle Amateurfußballer sehnlichst gewartet. Vorbei ist die Zeit der Vorbereitung, der ausgedehnten Trainingseinheiten und der Testspiele. Endlich geht es auf dem Platz wieder um Punkte. Doch das ist längst nicht in allen Regionen der Fall.

Konzerte ja, Pflichtspiele nein

Auch in Bayern drängen die Fußballer wieder auf die Plätze. Allerdings dürfen die Mannschaften hier zwar Testspiele absolvieren, der Start beziehungsweise die Wiederaufnahme der Pflichtspiel-Saison lässt aber auf sich warten. Das sorgt für Unmut.

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Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) denkt deshalb jetzt sogar offen über eine Klage gegen die Landesregierung nach. Der Hintergrund: Nach wie vor sind Pflichtspiele im Amateursport aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus verboten.

BFV-Präsident Rainer Koch, der zugleich auch Vizepräsident des DFB ist, wird in einem Schreiben an die Vereine wie folgt zitiert: „Es ist für die meisten nicht nachvollziehbar, dass wir aktuell den Spielbetrieb nicht starten können, obwohl die Staatsregierung es längst wieder erlaubt, beispielsweise Konzerte oder Gottesdienste unter freiem Himmel zu veranstalten und dabei sogar bis zu 400 Zuschauer zugelassen sind“.

Bayern will alter Saison fortsetzen

Unabhängig vom eigentlichen Zeitpunkt an dem der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, hat man in Bayern ohnehin einen Sonderweg gewählt. Anders als beispielsweise in Nordrhein-Westfalen ist die vergangenen Saison nicht ersatzlos abgebrochen worden, sondern soll fortgesetzt werden. Das bedeutet: Die Saison 2020/21 wird nicht stattfinden. Stattdessen wird die Saison 2019/20 bis zum 30. Juni 2021 verlängert.

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Mitte September will sich die Landesregierung nun noch einmal mit dem Thema auseinandersetzen. Bis dahin lautet die Devise für die Amateurfußballer aber weiterhin: Kreis- und Testspiele, aber keine Pflichtpartien.

Berlin wählt anderen Weg

Kompletter Neustart oder Re-Start der vorangegangenen Saison - das sind nur zwei Möglichkeiten, wie mit der Corona-Spielzeit umgegangen werden kann. Berlin verfolgt allerdings eine andere Vorgehensweise. Zwar beginnt auch hier die Saison - genau wie in Nordrhein-Westfalen - am ersten Septemberwochenende, allerdings soll lediglich eine einfache Runde gespielt werden.

Auf der Internetseite des Berliner Fußball-Verbandes heißt es diesbezüglich: „Da ein geordneter Spielbetrieb mit Hin- und Rückrunde aufgrund der behördlichen Vorgaben nicht möglich ist, werden Punktspiele zur Ermittlung des Staffelmeisters in der Saison 2020/21 in einer einfachen Spielrunde (ohne Rückrunde), jeder gegen jeden, ermittelt.“

Dies hängt damit zusammen, dass die Anstoßzeiten in Berlin behördlich reduziert und auf zwei Wochenenden aufgeteilt worden sind. Auf diese Art und Weise finde eine Entzerrung der Spielansetzung statt, weshalb eine Rückrunde entfalle, heißt es.

Ähnlich wie in der gesamten Bewältigung der Corona-Krise, agieren die einzelnen Bundesländer also auch im Bezug auf den Amateurfußball unterschiedlich und vor allem nach ihren individuellen Vorgaben. Die Fußballer in Nordrhein-Westfalen dürfen sich auf jeden Fall glücklich schätzen, denn: am Wochenende rollt endlich wieder der Ball unter Wettbewerbsbedingungen - und es gibt Punkte zu holen.

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