Bei den Brackeler Löwen wird vor den Spielen nicht gebrüllt sondern gerappt

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Zur Einstimmung auf ihre Spiele in der Kreisliga haben die Brackeler Löwen ein ganz besonderes Ritual - es wird gerappt - die Dortmunder haben dafür einen richtigen Experten unter sich.

Dortmund

, 19.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Kreis des Dortmunder Löwenrudels brodelt es – da ist Feuer drin. Die Raubkatzen aus der Fußball-Kreisliga A2 schwören sich ein: „Einer für alle, alle für einen.“ Nein, wir berichten nicht aus dem Zoo, sondern vom Brauksweg. Das nimmt dem Einstieg sicherlich die Schärfe, heiß wird es Woche für Woche aber auch in Brackel.

„Etwas anders“ – wie oft geben sich Vereine oder Geschäfte diesen Zusatztitel. Der etwas andere Verein, das etwas andere Geschäft. Bei genauer Betrachtung ist dann gar nicht mal so viel anders. Die Dortmunder Löwen - Brackel 61 nennen sich nicht so, sie hätten auch eher den Grund, sich „ganz anders“ zu bezeichnen. Das liegt nicht nur am Namen oder an der ins kleinste Detail das neue Logo erklärenden Vereinshomepage, sondern am Rap.

Ruben Uhlich dürfte schon für Spieler ein Grund sein, einmal das rot-gelbe Trikot der Löwen tragen zu wollen. Musik aus der Box kennt jede Mannschaft, ein Live-Rap im Kreis vor dem Spiel ist aber einzigartig. „Als Intro ist das genau die richtige Motivation“, sagt „Trair“. Das ist sein Künstlername, für den es weniger Gründe gibt als für die Eignung des Raps oder Hip-Hops als Motivation. „Der Name kam mir einfach so in den Sinn. Er klang auch gut.“

„Der Rap und die Texte haben sofort in den Jungs etwas ausgelöst“

Der 28-Jahre Außenspieler ist von Beruf Lehrer – Hauptschullehrer. „Eine bewusste Entscheidung. Ich will gerade die schwierigen Kinder erreichen.“ Die Musik ist eine Brücke im Beruf, aber auch ein Spieleinstieg im Fußball.

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Hier sind seine Zuhörer älter, haben vielleicht andere Interessen und einen gewählteren Sprachduktus. Aber Ruben Uhlich beschriebt, wie sehr sein Sprechgesang auch bei den Fußballlern wirkt: „Rap und die Texte haben sofort in den Jungs etwas ausgelöst. Ich bin ja schon seit mehr als vier Jahren vom SV Brackel rübergewechselt. Der Einpeitsch-Rap funktioniert aber auch in der Gegenwart: „Ich überlege mir vor den Spielen, welche Botschaft ich habe. Ich gehe in meinen Versen auf die vergangene Woche ein oder den Gegner. Einzige Bedingung: Einer für alle, alle für einen. Auf diesen festen Bestandteil des Kreises muss sich der Vortext reimen.“ Das klingt dann in etwa so:

Letzte Woche abgehakt, diese Woche fokussiert. Es sollte deutlich werden, welche Mannschaft heute brilliert. Wir müssen achten, heute auf Spannung zu sein. Es gilt einer für alle, alle für einen.

Den letzten Halbsatz brüllen alle. Ja, es hat schon was. „Unsere Jungs schweißt das wirklich zusammen“, sagt der kickende Rapper. Auch auf die Gegner müsste das Eindruck machen. Hat es auch schon.

Die Musik pusht die Brackeler Löwen

Die Dortmunder Löwen sind nämlich auch auf Beutesuche – in Form von Punkten. Und Uhlich macht klar, dass seine Mannschaft aktuell hungrig ist, am Ende der Saison gesättigt ein neues Revier als Lebensraum aufsuchen möchte. „Klar, wir wollen aufsteigen.“ Wie Löwen eben aufsteigen, das heißt, nicht mit Münzen angefüttert, sondern mit Jungs, die brennen. Gepusht durch die Musik. Im Übrigen hören die Brackeler vor den Spielen nicht nur Rap. Die Spieler heizen sich mit ACDC, Metal oder anderen harten Sachen ein. „Ab und an erklingt auch mal ein Schlager. Das aber eher nach den Spielen im Vereinsheim.“

Ruben Uhlich heizt mit seiner Musik seinen Mitspielern ein.

Ruben Uhlich heizt mit seiner Musik seinen Mitspielern ein. © Privat

Kurz vor dem Spiel auf dem Platz aber regiert der Rap: „Dieser Beat eignet sich einfach am besten, um noch eine Botschaft zu transportieren“, sagt der Musiker. „Ich mache das mit Überzeugung, weil ich an den Rap und an die Mannschaft glaube. Ich habe hier viele Freunde gefunden.“

Dann beginnt das Spiel, das Battle (Schlacht), um die Rappersprache zu nutzen. Die Botschaften von „Trair“ aber sind alles andere als böse. „Meine Texte sind autobiographisch. Sie drehen sich um mein Leben. Und da spielen Drogen oder andere schlechten Dinge, die auch dem Deutschrap zugeordnet werden, keine Rolle.“

Keine heftigen Ansagen an die Gegner von den Brackeler Löwen

Die Droge der Brackeler Löwen ist die Musik, die Battle rein sportlich. Gefragt, wen er dann battlen würde, wenn er sich jemanden aussuchen dürfte, sagt er: „Die Leute, die den Deutschrap nur mit negativen Dingen in Verbindung bringen. In unserer Sprache kann ich mich aber besser ausdrücken, gerade die jungen Zuhörer wissen, die Worte einzuordnen. Ich bringe viel Positives rüber. Manchmal sind meine Texte auch traurig.“ Aus den Worten vor den Spielen aber kommt nur „alles, was pusht“.

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Also gibt es keine heftige Ansage an den Gegner – auch nicht vor dem Duell am Sonntag gegen den Nachbarn TuS Neuasseln. „Das Wort Derby kommt in meinem Vierzeiler mit Sicherheit vor. Ich muss mir jetzt noch überlegen, wie ich den Pflichtreim hinbekomme.“ Nachdem die Neuasselner wahrscheinlich den Gegner und die gegnerische Mannschaft begrüßt haben, legt der rappende Lehrer Ruben Uhlich los – lässt die Löwen brüllen. Das klingt wirklich ganz anders als das Intro der anderen Klubs.

Wer Lehrer Ruben Uhlich mal hören möchte, findet auf der Instagramseite „Trair_official“ einige Raps.
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