Bei Dortmunds ältestem Boxverein lassen selbst Ü60-Jährige die Fäuste fliegen

Boxsport

Der Dortmunder Boxsport 20/50 wird 100 Jahre alt. Bei Dortmunds ältestem Boxverein sind seit Jahren nicht nur erfolgreiche Sportler aktiv, sondern auch immer wieder prominente Gäste zu Besuch.

Dortmund

, 14.08.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Goda Dailydaite

Die Dortmunder Boxerin Goda Dailydaite (rechts) wurde im Jahr 2012 Weltmeisterin im Federgewicht. © Stephan Schuetze

Wer mit Dieter Schumann spricht, der merkt nach wenigen Sekunden, wofür dieser Mann brennt. Es ist der Boxsport. Früher selbst als Boxer aktiv, ist der 77-jährige seit nunmehr 48 Jahren Vorsitzender des Dortmunder Boxsport 20/50. In diesem Jahr feiert der Verein, der in den vergangenen Jahren immer wieder von prominenten Gästen besucht wurde, sein 100-jähriges Jubiläum.

Fliegende Fäuste, blutende Platzwunden und Sportler, die nach einem harten Schlag zu Boden gehen - der Boxsport muss sich immer wieder mit kritischen Stimmen auseinandersetzen. Das weiß auch Dieter Schumann.

„Wir sind eine Gemeinschaft“

Der Vorsitzende des Vereins Dortmunder Boxsport 20/50 ist seit 62 Jahren im Boxsport zuhause. „Ich weiß, dass das Boxen oft argwöhnisch beobachtet wird. Aber wenn man fleißig und ordentlich trainiert, dann ist das Boxen nicht gefährlich. Es ist auch so viel mehr als nur der bloße Faustkampf“, betont Schumann.

Wenn man den 77-Jährigen über „seinen“ Sport sprechen hört, dann merkt man schnell, mit welcher Leidenschaft Schumann seiner Arbeit im Verein nachgeht. Wobei er es selbst wohl nicht als „Arbeit“ bezeichnen würde. „Wir sind hier eigentlich wie eine eigene große Familie. Auch abseits des Rings machen wir sehr viel zusammen. Wir sind eine Gemeinschaft“, erklärt Schumann.

In den 100 Jahren seines Bestehens kann der Dortmunder Boxsport 20/50, der 1920 als Dortmunder Boxsport 20 gegründet wurde und 1970 mit dem Boxring 50 Dorstfeld fusionierte, auf eine erfolgreiche Geschichte zurückblicken.

Viele Projekte abseits des Rings

Angesprochen auf die außergewöhnlichen Erfolge des Vereins muss Dieter Schumann nicht lange überlegen. Selbst die passenden Jahreszahlen sind kein Problem. „Den wirklich größten Erfolg konnte vermutlich Goda Dailydaite einfahren, die 2012 den Weltmeistertitel im Federgewicht gewann“, unterstreicht Schumann, der seit 1972 als Vorsitzender des Vereins tätig ist.

Sind die Hauptverantwortlichen beim Dortmunder Boxsport 20/50: Geschäftsführer Mathias Burchhardt (links) und der 1. Vorsitzende Dieter Schumann.

Sind die Hauptverantwortlichen beim Dortmunder Boxsport 20/50: Geschäftsführer Mathias Burchhardt (links) und der 1. Vorsitzende Dieter Schumann. © Marius Paul

Doch der Verein ist weit mehr als nur der Sport. Das weiß auch der heutige Geschäftsführer Mathias Burchhardt, der gemeinsam mit Schumann die Geschicke des Vereins leitet: „Wir bieten auch Kurse für Ü60-Jährige, Manager, Lehrer und Schriftsteller an. Dabei geht es nicht ausschließlich um das Boxen, sondern vor allem um Beweglichkeit, Ausdauer und Fitness.“

Außerdem vergibt der Verein regelmäßig Fair-Play-Preise, übernimmt Patenschaften, organisiert Schulungen zum Aggressionsabbau und engagiert sich in der Flüchtlingshilfe. Laut Schumann seien im Verein mittlerweile 200 Mitglieder aus 15 unterschiedlichen Ländern aktiv.

Prominente Gäste beim Stammtisch

Das heimliche Highlight der beiden Boxsport-Liebhaber ist allerdings der vierteljährlich stattfindende Stammtisch. Dort kann der Verein regelmäßig prominente Gäste begrüßen. So waren zuletzt beispielsweise Schauspieler Henning Baum („Der letzte Bulle“), Koch Jürgen Greinus oder Formel 1-Kommentator Heiko Wasser zu Gast.

Der geschäftsführende Vorstand des DBS (v.l.): Berndt Ziegler, Peter Torlop, Mathias Burchardt, Marina Piira, Peter Piira, Gerhard Wulf, Udo Saß und Dieter Schumann.

Der geschäftsführende Vorstand des DBS (v.l.): Berndt Ziegler, Peter Torlop, Mathias Burchardt, Marina Piira, Peter Piira, Gerhard Wulf, Udo Saß und Dieter Schumann. © DBS 20/50

„Das sind immer sehr schöne Runde und wir freuen uns, dass solche Menschen bei uns vorbeikommen. Dabei gibt es auch für sie nur Brötchen und Bier. Aber gerade das macht vielleicht auch den Charme aus“, erklärt ein grinsender Dieter Schumann.

Dortmunder Stadtmeisterschaften sollen stattfinden

Und wie sieht es nun mit einer Feier zum 100. Geburtstag aus? „Das ist im Moment aufgrund der Corona-Krise natürlich etwas schwierig. Wir hätten gerne eine große Party gemacht, aber wir werden da kein Risiko eingehen“, so Geschäftsführer Mathias Burchhardt. Die Hoffnung geben die beiden Verantwortlichen allerdings noch nicht auf.

Darüber hinaus steht in diesem Jahr außerdem noch ein weiteres Projekt auf dem Plan: „Wir würden gerne mit allen zehn Dortmunder Boxvereinen die Stadtmeisterschaft austragen und diese bei uns stattfinden lassen. Schön wäre, wenn wir die Veranstaltung irgendwie im Dezember durchziehen könnten“, so Schumann.

Obwohl er jetzt mehr als die Hälfte seines Lebens als Vorsitzender des Dortmunder Boxsports 20/50 aktiv ist, scheint der 77-Jährige keinen Gedanken ans Aufhören zu verschwenden, im Gegenteil: Die Pläne für die nächsten Jahre werden bereits geschmiedet.

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