Bezirksfachwart Norbert Schnitzmeier tritt zurück

Radsport

Irgendwann ist mal Schluss. Das gilt auch für Norbert Schnitzmeier. 28 Jahre lang war der Dortmunder Bezirksfachwart im Radsport-Bezirk Westfalen-Mitte für RTF und CTF. Vor gut zwei Wochen trat er zurück von seinen Ehrenämtern. Aus Protest gegen die Politik des Landesverbandes NRW und des Bundes Deutscher Radfahrer.

DORTMUND

, 06.04.2017, 09:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vertrautes Bild: Norbert Schnitzmeier mit Tochter Bianca.

Vertrautes Bild: Norbert Schnitzmeier mit Tochter Bianca.

„Ich habe aufgegeben und bin verärgert“, sagt Schnitzmeier. Unumstritten in der Dortmunder Radsport-Szene ist der 58-Jährige aus der Gartenstadt nicht unbedingt. Für die anderen Vereine ist er ein Querdenker. Unbequem, kein Traditionalist. Zumal er sich mit schlagkräftigen Aussagen nicht gerade zurückhält. „Die Vereine sind beratungsresistent, schaffen keine Angebote für jüngere Menschen, haben immer noch nicht gemerkt, dass Jüngere sich nicht mehr in Vereinen organisieren“, so Schnitzmeier.

Solche Kritik kommt naturgemäß nicht gut an. Er lässt also Zahlen sprechen. Bei den RTFs kennt sich Schnitzmeier bestens aus. Vor zehn Jahren gab es noch mehr als 20 solcher Veranstaltungen in Dortmund, 2017 seien es nur noch zwölf, so Schnitzmeier. Die letzten Absagen kamen von den Vereinen Dortmund Nord und RSV Wellinghofen. Im Radsportbezirk hätten sich zudem der SSV Hagen und der RC Velo Castrop zurückgezogen. Der Vorsitzende Willi Sieberg, Vater von Radprofi Marcel Sieberg, hätte nur noch 20 Mitglieder zur Verfügung gehabt. Die Mitgliederzahlen der Vereine sinke ebenso dramatisch wie der Zuspruch zu den RTFs. Waren es früher im Schnitt 800 Fahrer und Fahrerinnen, die sich zu einer organisierten Radtourenfahrt gemeldet hätten, seien es heute nur noch 500. „Aber auch nur, wenn die Sonne scheint“, so Schnitzmeier. Der Verkauf von Wertungskarten sei von 1400 im Jahr 2012 auf aktuell 1000 zurückgegangen.

"Keine Helfer mehr"

Woran liegt das? „Großstadt und Radsport passen einfach nicht mehr zusammen. Die Vereine hätten einfach keine Helfer mehr“, so Schnitzmeier. In den Kleinstädten und auf dem Land sei das dagegen anders. Dort kenne man sich untereinander. So wie beim RSC Werne. Der habe innerhalb kürzester Zeit seine Mitgliederzahl von 80 auf 180 erhöht. Warum er auf den Landesverband NRW so sauer ist, beantwortet Schnitzmeier gleich mit: „Mein Heimatverein, der Rad-Marathon Club Dortmund, nimmt 100 Euro Jahresbeitrag von seinen Mitgliedern, davon müssen wir insgesamt 38 Euro an den Verband abführen. Damit können sich die Vereine nicht mehr finanzieren.“ Dass es nicht rund läuft im Verband, ist in der Tat kein Geheimnis. Zuletzt sorgte der Beschluss, die Radsportbezirke in NRW von elf auf fünf zu reduzieren, für lautes Unbehagen bei den Mitgliedern. Der Bezirk Westfalen-Mitte mit seinen 4500 Mitgliedern bleibt unangetastet.

Es gibt auch die ein oder andere gute Nachricht im offensichtlich arg gebeutelten Dortmunder Radsport. In diesem Jahr richtet der RV Sturmvogel Dortmund die Bezirksmeisterschaft am 15. Juni auf dem Phoenix-West-Gelände aus. Sturm Hombruch veranstaltet am ersten September-Wochenende die Internationale Dortmunder Stadtmeisterschaft. Zur Erinnerung. In den Hochzeiten wurden mehr als 20 Radrennen in Dortmund organisiert, darunter international renommierte Events wie der Union-Preis, Rund um Dortmund oder der legendäre Ritter-Preis. Und natürlich das Dortmunder 6-Tage-Rennen.

Winter-Bike-Trophy boomt

Auch wenn der Vergleich hinkt und Leistungssport nicht mit Breitensport zu vergleichen ist. Aber die von Schnitzmeier 2005 ins Leben gerufene Westfalen-Winter-Bike-Trophy boomt. „Wir hatten 2017 neun Veranstaltungen mit je 700 Startern. Und 2018 haben wir wieder einen neuen Ausrichter mit einer neuen Strecke dabei. Es darf einfach nicht langweilig werden. Das macht den Erfolg aus“, ist sich Schnitzmeier sicher, der für sein Konzept „Radfahren im Winter“ anfänglich noch belächelt wurde. Ach ja. Auch wenn Schnitzmeier seinen Posten als Bezirksfachwart an den Werner Peter Wenner abgetreten und seine Tochter Anna-Bianca als angehende Polizisten nichts mehr mit dem Radsport zu tun hat, so ganz kann er nicht davon lassen. Die Westfalen-Winter-Bike-Trophy wird er weiter organisieren.

Lesen Sie jetzt