Bövinghausen, Türkspor, Sharri: Geht es nur noch mit viel Geld nach oben?

rnFußball in Dortmund

Regiert Geld den Fußball? Einige Vereine versuchen aktuell mit aller Macht nach oben zu kommen. Landesliga, Bezirksliga, Kreisliga - verschiedene Klassen, aber der gleiche Konflikt.

Dortmund

, 30.01.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 6 min

Mats Hummels sagte einst: „Geld schießt keine Tore. Aber Geld kauft Spieler, die viele Tore schießen“. Es ist eine Diskussion, die im Dortmunder Amateurfußball schon eine langjährige Historie hat. Beispiele gibt es zu genüge: SC Fathispor oder der TuS Eving-Lindenhorst zum Beispiel.

Auch aktuell schicken sich wieder einige Vereine an, mit viel Geld und aller Macht nach oben zu kommen. Vom TuS Bövinghausen in der Landesliga bis zum K.F. Sharri in der Kreisliga A.

Der TuS Bövinghausen rüstete in der Winterpause kräftig auf

Das größte Projekt findet gerade in Bövinghausen statt. Innerhalb von nur drei Jahren ging es von der Kreisliga A in die Landesliga. Dort soll nicht Schluss sein, auch wenn es mit aktuell neun Punkten Rückstand auf Wacker Obercastrop zumindest mit dem ersten Tabellenplatz schwierig aussieht.

Der TuS reagierte und holte Maurice Haar und Philipp Rößler von Westfalia Herne, Deniz Batman vom TuS Haltern, Aleksander Pranjes vom Oberliga-Spitzenreiter SV Straelen und Marko Onucka, ebenfalls aus der Oberliga (RW Ahlen).

Ajan Dzaferoski setzt beim TuS Bövinghausen auf ein gutes Netzwerk von Sponsoren.

Ajan Dzaferoski setzt beim TuS Bövinghausen auf ein gutes Netzwerk von Sponsoren. © Stephan Schuetze

Umsonst spielen diese Kicker sicherlich nicht an der Provinzialstraße, der eine oder andere Taler wird geflossen sein, daraus macht auch Bövinghausens Vorsitzender Ajan Dzaferoski gar keinen Hehl. Allerdings: „Für mich ist das Netzwerk wichtiger als Geld“, so Dzaferoski.

Dzaferoski: Dortmund braucht einen zweiten Regionalligisten

Dabei sei es nur bedingt hilfreich, die kleinen lokalen Sponsoren abzuklappern. „Da kommst du nicht weit mit. Du musst schon zehn gute a 5.000 Euro im Jahr haben. Da hat man dann schon 80 Prozents des Etats heraus. Der Rest kommt durch Eintrittspreise und so weiter“, rechnet Dzaferoski vor.

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Klar, um hochzukommen, müsse man schon „ein bisschen Geld in die Hand nehmen.“ Dann wäre es vielleicht auch möglich, dass es in Dortmund mal wieder einen Regionalligisten neben der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund gebe. „Das braucht Dortmund meiner Meinung nach auf jeden Fall, es ist die Fußball-Hauptstadt Deutschlands. Ich weiß nicht, ob wir das irgendwann sind aber irgendeiner muss das Wagnis machen“, sagt Dzaferoski.

„Wenn nur ein Sponsor da ist, hängt der Verein in den Maschen“

Ein Verein, der einen anderen Weg geht und trotzdem sportlich erfolgreich in der Landesliga spielt, ist der Kirchhörder SC. Nur zwei Punkte weniger als Bövinghausen sammelte der KSC in der Hinrunde.

Für den Sportlichen Leiter Jörg Mielers ist aber klar, dass Geld ausschlaggebend ist, um noch weiter oben anzugreifen. „Ja, definitiv. Gerade in der reinen Fußballstadt Dortmund. In dem engmaschigen Ballungsgebiet ist es sonst schwer, sich oben zu halten und sich etwas aufzubauen“, so Mielers.

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Als Beispiel nennt er Bövinghausen. „Die holen Spieler aus der Ober- und Regionalliga, die wollen natürlich auch alle Geld haben.“ Da bestehe auch die Gefahr, dass es nur ein kurzfristiges Vergnügen sei. „Die Fälle in Dortmund aus der Vergangenheit sind ja bekannt. Wenn nur ein Sponsor da ist und der irgendwann keinen Bock mehr hat, hängt der Verein in den Maschen.“

Der KSC hingegen möchte einen langfristigen, breiter aufgestellten Weg gehen. „Wir spielen seit zwei, drei Jahren mit vielen Jugendlichen und leisten uns nur das, was wir können“, so Mielers.

Der DJK TuS Körne schaut nicht neidisch auf Türkspor Dortmund

Nicht nur in der Landesliga wird Geld in die Hand genommen. Auch die Vereine in der Bezirksliga präsentieren aktuell viele namhafte Namen. Allen voran Türkspor Dortmund, das zuletzt unter anderem Ex-Profi Ömer Akman holte und sich aktuell in der Türkei im Trainingslager auf die Rückrunde vorbereitet. Aktuell steht Türkspor in der Bezirksliga auf dem ersten Tabellenplatz, der Aufstieg in die Landesliga ist das klare Ziel. Dabei spielte TSD in der Saison 2017/2018 noch in der Kreisliga B.

Dominik Grobe möchte den Weg bei der DJK TuS Körne mit jungen Talenten gehen.

Dominik Grobe möchte den Weg bei der DJK TuS Körne mit jungen Talenten gehen. © Folty

Neidisch in den Dortmunder Norden schaut Dominik Grobe, Trainer des Tabellenzweiten DJK TuS Körne, trotzdem nicht. „Überhaupt nicht“, sagt Grobe. Jungs aus der Regionalliga und aus der dritten Liga in den Amateurbereich zu holen, finde er zwar etwas fragwürdig, aber „ich will das nicht zu negativ dem Verein gegenüber darstellen, sie machen es gut“.

Für Grobe hingegen wäre das Konzept von Türkspor nichts. „Unser Ding ist es nicht, einerseits weil wir es finanziell nicht können. Aber andererseits finde ich es auch spannender, die Jungs weiterzuentwickeln. Das ist auch das Konzept, auf das ich Bock habe.“

Damit, Türkspor vielleicht noch abfangen zu können, rechnet Grobe nicht. „Da müsste schon viel passieren, wenn sie es mit dem Kader nicht schaffen. Es wäre ein Unding, wenn diese Mannschaft nicht durch die Liga geht.“

Bülent Kara von der SG Gahmen findet die Jugendarbeit wichtig

Zwei weitere Vereine, die durch namhafte Transfers zuletzt auf sich aufmerksam machten, sind die A-Ligisten K.F Sharri und die SG Gahmen. Bei Sharri stieg am 15. Dezember der neue sportliche Leiter Pietro Perrone ein, der zuvor auch schon bei Westfalia Herne aktiv war und aktuell auch noch die U17 des FC Brünninghausen trainiert. Kurz danach verpflichtete Sharri zuletzt einen Spieler, der schon in der Regionalliga spielte, Gahmen sicherte sich unter anderem die Dienste von Ahmet Cosgun, der zuvor in der Westfalenliga für den BSV Schüren seine Fußballschuhe schnürte. Ist auch hier das Geld der entscheidende Aspekt, der zum Aufstieg führt?

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„Wir setzen nicht unbedingt auf Geld“, sagt Perrone. „Das Ziel ist, dass wir uns entwickeln, wir bleiben auf dem Teppich und wollen gute Spieler fördern, die uns weiterhelfen.“ Klar ist aber, dass dafür der zweite Platz her müsse. Deswegen arbeitet Sharri auch schon „jetzt schon am Kader für die nächste Saison.“

Damit Sharri in der Rückrunde oben angreifen kann, hat Perrone laut seiner eigenen Aussage „ganz viel dafür getan, dass die neuen Spieler verpflichtet werden. Das war sehr schwer.“ Wäre er schon früher beim A-Ligisten eingestiegen „hätte man den Verein noch besser für die Rückrunde aufstellen können. Ich habe natürlich ein großes Netzwerk“, sagt der Sportliche Leiter, der betont, dass der Klub „viel dafür getan habe, dass wir in die Türkei ins Trainingslager fliegen können und die Spieler sich daran auch selbst finanziell beteiligt haben.“

Bülent Kara sieht die Jugendabteilung als ein wichtiges Gut an.

Bülent Kara sieht die Jugendabteilung als ein wichtiges Gut an. © Timo Janisch

Gahmens Trainer Bülent Kara weiß, dass Geld eine wichtige Rolle spielt. Allerdings müsse nicht nur das Finanzielle stimmen, die Jugendarbeit spiele eine noch wichtigere Rolle. „Strategisch muss beides passen“, so Kara. Wichtig sei dabei auch, sich breit aufzustellen, damit nicht alles von einem Geldgeber abhängt. „Wenn er weg ist, was machst du dann?“, fragt sich Kara.

Ein Beispiel bei dem die Jugendarbeit stimmt, es aber sonst noch Potenzial gibt, sei die TSC Eintracht Dortmund. Die A1-Junioren spielen in der Westfalenliga, die A2 in der Landesliga, die Senioren hingegen „nur“ in der Kreisliga A. „Talentierte Spieler gehen dahin, wo sie angelockt werden.“, sagt Kara. Gerade in den unteren Ligen sei Geld auch noch ein höherer Anreiz als in der Westfalenliga, nach der die Spieler alleine aus sportlichen Gründen lechzen.

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Gahmen ist in der Kreisliga A2 aktuell Tabellenzweiter, Sharri liegt auf Rang vier. Ein möglicher Kontrahent in der Aufstiegsrunde könnte Westfalia Huckarde sein, das aktuell auf Platz zwei in der Kreisliga A1 steht. Spielertrainer Chris Meschede sieht die Projekte bei der Konkurrenz nicht als großes Problem an. „Es sind zwei komplett verschiedene Ansätze“, sagt er. Bei den einen - wie Huckarde - sei ein bisschen mehr Geduld und ein Dreijahresplan vorhanden, bei den anderen der Wille „mit aller Macht hochzugehen“ und dafür auch zu investieren. „Aber ich persönlich habe da nichts gegen. Im Endeffekt musst du trotzdem als Team bestehen“, sagt Meschede.

Auch der ASC 09 fuhr mal ein anderes Konzept

Der heutige Oberligist ASC 09 hat es auch gemerkt, dass es nur mit Geld nicht geht. Samir Habibovic, Sportlicher Leiter in Aplerbeck, sagt: „Wir haben es selbst erlebt, wir haben zweimal in der Westfalenliga ein bisschen mehr Geld in die Hand genommen und sind zweimal am Aufstieg gescheitert.“

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Danach habe der ASC seinen Etat um 20 Prozent reduziert und ist prompt aufgestiegen, weil im Kader eine besser Mischung gewesen sei, so Habibovic. Diese Strategie fährt Aplerbeck noch heute, junge Talente sollen immer wieder die Chance bekommen. „Die sind nicht teuer, die sind hungrig. Wir gehören zu den vier Mannschaften, die den geringsten Etat der Oberliga haben. Deswegen ist es auch ein Wunder, dass wir zweimal hintereinander Dritter in der Oberliga geworden sind.“

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Negativ findet er die Projekte bei anderen Klubs aber nicht, merkt vielmehr an: „In den unteren Ligen ist es natürlich viel einfacher mit viel Geld schnell hoch zu kommen, da kannst du gute, höherklassige Spieler holen, die dann weniger trainieren aber für die Liga einfach noch zu gut sind.“ Ab der Westfalenliga sei das aber nicht mehr möglich, da braucht man eine gute Mischung und es funktioniere nicht nur mit Geld.

Der TuS Eving-Lindenhorst ist ein abschreckendes Beispiel

Der gleichen Meinung ist Thorsten Dreier, der 1. Vorsitzende vom TuS Eving-Lindenhorst. Der Verein spielte in der Saison 2012/2013 noch in der Westfalenliga, Dreier war schon damals in Eving aktiv, dann zog sich der Geldgeber zurück. Der Verein wurde Jahr für Jahr weiter durchgereicht. Die aktuelle sportliche Realität ist der Abstiegskampf in der Kreisliga B. Tristesse statt Hochglanz-Fußball.

„Der Verein hat bis heute daran zu knabbern. Solange die finanziellen Mittel da sind, ist es natürlich viel einfacher, einen Aufstieg zu packen“, zumindest ab der Kreisliga A, so Dreier.

Ist die Vergangenheit ein abschreckendes Beispiel? Nur bedingt. Bis zur Landesliga könne man das machen, meint Dreier. Aber „ab da müsste man sich extrem weit aufstellen, mit vielen Sponsoren. Ich habe lieber zehn die einhundert Euro geben, als einen, der 1.000 gibt.“

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