Bürokratiemonster Spielerpass: Kickende Flüchtlinge nur im Training integriert

rnIntegration im Sport

In über 2000 Fußballvereinen kicken Flüchtlinge. Das ist gut für die Integration, sagt der DFB und: „Flüchtlinge können ihr Team auch am Spieltag verstärken.“ Doch genau da hakt es.

Dortmund

, 16.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Angesprochen auf den Aufwand, den sein Verein betreiben muss, um eine Spielerlaubnis für geflüchtete Kinder zu erhalten, reagiert Andreas Kollberg genervt. „Das ganze ist eine Katastrophe“, schimpft der Jugendleiter der DJK Blau-Weiß Huckarde. „Es fängt schon damit an, dass die Flüchtlinge 100 Anträge ausfüllen müssen. Und wenn man dann alles zusammen hat, dauert es ewig, bis der DFB den Antrag bearbeitet hat.“

Verein will Kindern das Fußballspielen ermöglichen

Der Verein will den Kindern die Möglichkeit geben, Fußball zu spielen. Die Kinder selbst nehmen das Angebot an. Und auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erkennt die sich bietenden Möglichkeiten. „Fußball ist auch für viele geflüchtete Menschen die beliebteste Sportart. Fußball fördert Sprachgebrauch, stärkt das Selbstvertrauen, man findet neue Freunde“, sagt der Integrationsbeauftragte des DFB. Beim Training gibt es keine Probleme. Die beginnen erst, wenn ein Flüchtling in Punktspielen mitspielen will.

Wie viele Flüchtlinge im Westdeutschen Fußballverband aktiv sind, könne man nicht sagen, teilte der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) auf Anfrage mit. Auch wie viele einen Spielerpass beantragt, erhalten oder nicht erhalten haben, wisse man nicht, sagte Christian Schubert vom FLVW.

Vereine stöhnen über den Aufwand, für einen Geflüchteten einen Spielerpass zu erhalten. Das bestätigt Schubert und spricht von einer „Herausforderung“: Das sei ein „Mehraufwand, der an der Basis nicht selbstverständlich geleistet werden kann“.

Kollberg: „Wir haben einen Riesenaufwand“

Kollberg sieht das ähnlich. Er habe zwar durchaus Verständnis dafür, dass Spielerpässe benötigt würden, aber: „Wir haben einen Riesenaufwand. Da verlange ich mehr Unterstützung vom DFB. Es wäre besser, wenn es dort eine Abteilung geben würde, die sich genau um so etwas kümmert. Geld genug hat der DFB jedenfalls.“

„Wir haben einen Riesenaufwand. Da verlange ich mehr Unterstützung vom DFB.“
Andreas Kollberg, Jugendleiter bei Blau-Weiß Huckarde

Der Aufwand hängt mit Vorgaben des Weltfußballverbands, der Fifa, zusammen. Der verlangt bei allen Kindern ab 10 Jahren einen „internationalen Freigabeschein“. Die Fifa möchte zum Wohl des Kindes den internationalen Vereinswechsel von Minderjährigen verhindern und sicherstellen, dass weltweit nur eine Spielgenehmigung existiert.

Für Spieler, die in einem Verein aktiv sind, deren erste Seniorenmannschaft in einer der höchsten vier Fußballligen (also ab Regionalliga) spielt, müssen laut Westdeutschem Fußballverband zusätzliche Dokumente vorgelegt werden.

Problem mit dem Freigabeschein

Ein Freigabeschein ist für Flüchtlinge eine problematische Sache, denn: Im Verfahren werden eine Kopie des Personaldokuments (Geburtsurkunde, Ausweis o.ä.) und eine Meldebescheinigung ans Herkunftsland geschickt. Davon abgesehen, dass es für Flüchtlinge oft schwierig ist, diese Dokumente beizubringen, werden persönliche Daten an das Land übermittelt, aus dem sie geflohen sind.

Das aber, so räumt der DFB ein, könne für noch im Ursprungsland lebende Verwandte und Freunde des Flüchtlings zu Problemen führen. Das ist auch der Grund, warum im Asylverfahren Behörden keinen Kontakt mit den Herkunftsländern aufnehmen dürfen. Im Fußball geschieht es dennoch. Die Frage, was sie von diesem Vorgehen hält, beantwortete die Staatskanzlei in Düsseldorf nicht.

Am Verfahren wird festgehalten

Viele Flüchtlinge scheuen sich daher, einen Freigabeschein zu beantragen. Trotzdem halte man am Verfahren fest, so Schubert: „Die Entscheidungen hinsichtlich der Kontaktaufnahme (...) müssen formal eingehalten werden.“

Wenn sich jemand trotz der Risiken auf das Verfahren einlässt, bleibt oft eine Antwort aus dem Ursprungsland aus. In diesen Fällen wird nach 30 Tagen Wartezeit eine vorläufige Spielberechtigung erteilt – allerdings nicht, wenn man in der Regionalliga oder höher spielen will.

„Wann darf ich spielen?“

Andreas Kollberg sagt: „Es muss einfach alles schneller werden. Die Kinder werden irgendwann ungeduldig und fragen ständig ‚Wann darf ich spielen?‘ Und die können schließlich nichts dafür. Und genau darum geht es doch – die Kinder!“

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