Bundes-Notbremse: Gravierende Änderungen für den Amateursport - Kritik kommt auf

Coronavirus im Sport

Das Bundeskabinett hat am Dienstag Ergänzungen des Infektionsschutzgesetzes beschlossen, die weitreichende Folgen haben werden. Auch für den Amateursport.

Dortmund

, 13.04.2021, 12:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bundes-Notbremse: Gravierende Änderungen für den Amateursport - Kritik kommt auf

© Volker Engel

Liegt die 7-Tage-Inzidenz an Coronavirus-Infektionen an drei Tagen in Folge bei mehr als 100, sollen ab dem übernächsten Tag deutlich verschärfte Maßnahmen in Kraft treten. Das hat das Bundeskabinett am Dienstag beschlossen.

Die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes müssen noch vom Bundestag abgesegnet werden. Auch der Bundesrat kommt noch zum Zug.

Dies soll in einem beschleunigten Verfahren geschehen.

Welche Auswirkungen hätte das für den Sport?

In dem Entwurf ist festgelegt, dass bei einer Überschreitung des Inzidenzwertes 100 nur noch kontaktloser Individualsport erlaubt ist. Es darf alleine, zu zweit oder innerhalb eines Haushalts trainiert werden. Ausnahmen gibt es lediglich für Berufs- und Leistungssportler.

Das bedeutet, dass Training von Kindern unter 14 Jahren, welches aktuell noch in einigen Kommunen erlaubt ist - trotz einer Inzidenz von mehr als 100 - bald nicht mehr möglich ist.

Betroffen wären nach aktuellem Stand ein Großteil von Nordrhein-Westfalen.

Unter 100 liegen aktuell lediglich folgende kreisfreien Städte oder Landkreise in NRW:

  • Bottrop (79,1)
  • Kreis Ennepe-Ruhr-Kreis (93,8)
  • Kreis Soest (74,9)
  • Kreis Paderborn (91,3)
  • Kreis Höxter (67,7)
  • Münster (81,5)
  • Kreis Coesfeld (84,3)

Die Gesetzesänderung soll im Laufe der nächsten Tage endgültig beschlossen werden.

Kritik gibt es von Sportverbänden, die sich auf einen Offenen Brief der Gesellschaft für Aerosolforschung berufen.

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„Die Ausführungen der Gesellschaft für Aerosolforschung bestärken uns einmal mehr in der Position, die wir seit Monaten klar vertreten“, sagte Rainer Koch, der für den Amateursport zuständige Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, am Montag zum Offenen Brief, über den die ARD-Sportschau berichtet hatte. „Die Angst vor dem Amateurfußball als Corona-Treiber ist unbegründet.“

Die GAeF hatte in dem Schreiben vom Sonntag an die Kanzlerin kritisiert, dass „bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt“ worden sei. „Stattdessen werden eher symbolische Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen erlassen, die keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten lassen.“ Die Übertragung der Sars-Cov-2 Viren finde fast ausnahmslos in Innenräumen statt“, betonten die Forscher. „Übertragungen im Freien sind äußerst selten.

Chefarzt des DLV teilt die Einschätzung nur teilweise

„Die Diagnose haben wir, und wir haben das Rezept. Der Ball muss wieder rollen“, sagte Koch. Der organisierte Vereinssport biete hier mit seinen Strukturen und bewährten Hygienekonzepten einen sehr wichtigen Anker, ohne pandemische Risikoquelle zu sein.

Dagegen teilt der Chefarzt des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) die Einschätzung der Wissenschaftler nur zum Teil. „Natürlich würde ich mich als Mediziner aus dem Sportbereich auch freuen, wenn angesichts solcher Untersuchungsergebnisse die Sportplätze wieder für alle geöffnet würden“, sagte Andrew Lichtenberg der ARD-Sportschau. „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die neuen bislang bekannten Mutanten des Virus aggressiver sind und die Infektionsgefahr bei jüngeren Leuten gestiegen ist.“ Dies müsse ernst genommen werden und man könne nicht einfach alles öffnen und laufen lassen.

Mit Material der Deutschen Presse-Agentur

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