BVB-II-Neuzugang: Für viel Geld spiele ich nicht Fußball

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Um Stürmer Moritz Broschinski bemühten sich einige Vereine. Für den BVB entschied er sich letztlich aus verschiedenen Gründen. Der selbstbewusste junge Mann hat konkrete Ziele.

Dortmund

, 25.07.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für Moritz Broschinski unterbrach Mike Tullberg extra seinen Urlaub. Anfang des Jahres fuhr er in die Lausitz, traf sich in Cottbus mit dem 19 Jahre jungen Stürmer des FC Energie. Er habe ihn unbedingt für den BVB gewinnen wollen, sagte Tullberg schon vor Wochen. Jetzt ist der Däne weg, trainiert die U19 der Borussia – und Broschinski ist da, hat bis 2022 unterschrieben und spielt künftig für die schwarzgelbe U23.

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Ob der überraschende Trainerwechsel ein Problem sei? „Überhaupt nicht“, sagt der ablösefrei verpflichtete Angreifer. Er glaube, bei Enrico Maaßen ebenso gut aufgehoben zu sein wie bei Tullberg. „Herr Tullberg“, meint er höflich, habe ihm seinerzeit „ein sehr, sehr gutes Gefühl gegeben. Ich habe mich sehr aufgehoben gefühlt.“ Der einzige Grund für seinen Antritt in Dortmund sei das Gespräch allerdings nicht gewesen. Er habe sich „wegen vieler Aspekte für diesen Schritt entschieden“, so Broschinski.

Der im brandenburgischen Finsterwalde geborene junge Mann nennt zuvorderst die gute Ausbildung, die stehe bei ihm „an allererster Stelle“. Über die fußballerische Schulung bei Borussia Dortmund habe er allein Gutes gehört. Der Verein wurde für ihn deshalb interessant. Zudem wolle er „so viel wie möglich spielen“ - und sah deshalb davon ab, den Schritt zu einem höherklassigen Verein zu gehen. Dabei wäre der wohl möglich gewesen.

„Für viel Geld spiele ich nicht Fußball“

Auch Klubs aus der Dritten und Zweiten Liga, so hört man, sollen bei ihm vorgefühlt haben. Im Herrenfußball, so formuliert es Broschinski, gelte aber vor allem das harte Motto: „Friss oder stirb.“ Also: Akzeptiere deinen dir zugewiesenen Status – oder schau, wie du klarkommst. Für junge Akteure sei es oftmals schwierig, in einem solchen Klima zu bestehen, sagt Broschinski. „Und einige haben mir auch geraten, dass ich noch nicht den ganz großen Step machen soll. Klar, viel Geld kann man vor allem in den höheren Liga kassieren. Aber deshalb spiele ich nicht Fußball.“

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Broschinski will auf dem Platz stehen, einer Mannschaft helfen. Und nicht tatenlos von der Bank oder Tribüne zusehen, gerade jetzt zu Beginn seiner Karriere. Die Garantie, Spielminuten sammeln zu dürfen, die gebe es nie, weiß er, „in der U23 ist die Wahrscheinlichkeit aktuell aber höher als im oberen Seniorenfußball“.

Energie Cottbus wartete zu lange mit einem Angebot

Warum er nicht bei Energie Cottbus geblieben sei – und stattdessen von der Regionalliga Nord in die Regionalliga West wechseln mochte? Er habe ohnehin irgendwann den „nächsten Schritt machen wollen. Wenn wir aufgestiegen wären, hätte ich vielleicht eine andere Entscheidung getroffen.“ Darüber hinaus berichtet der rbb, Cottbus habe sich recht viel Zeit gelassen mit einem Vertragsangebot. Zu viel Zeit in diesem hektischen Geschäft.

Er habe keine schlechte Saison gespielt. Zudem sei er noch „ziemlich jung. Da werden natürlich Vereine aufmerksam“, meint der Offensivmann geradeheraus. Er ist kein Typ für zig verbale Finten. Arroganz oder überbordendes Selbstbewusstsein, das ist an dieser Stelle wichtig, kann ihm dabei jedoch keineswegs nachgesagt werden. Authentisch-ehrlich spricht er unter anderem davon, „sehr, sehr dankbar“ zu sein, dass er in Cottbus überhaupt die Chance bekommen habe, bei den Senioren mitspielen zu dürfen.

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In der Saison 2017/2018 feierte er sein Debüt, stieg mit dem Klub erst in die Dritte Liga auf – und anschließend direkt wieder in die Regionalliga ab. In drei Jahren wirkte er in 45 Pflichtspielen mit, kam auf elf Tore und neun Assists. Es gibt ein Video, dass ihn 17-jährig nach seinem ersten Pflichtspieltor für den FC Energie zeigt, aufgeregt sprechend und mit glänzenden Augen. In Cottbus ging er erste wichtige Schritte. Und will diese Zeit beileibe nicht missen.

Broschinski ist variabel einsetzbar

Nach seinem mit „Dreier-Schnitt“ vollendeten Abitur greift Broschinski jetzt allerdings bei der Borussia an. „Ich wünsche mir, dass es für mich weiter geradeaus geht – und ich so viele Tore wie möglich schießen kann“, sagt er. Welche Startrampe ihm dafür zugewiesen wird, ob es die zentrale Mittelstürmerposition, die linke oder rechte offensive Flanke ist – das ist ihm ziemlich egal. Der 1,88 Meter große und durchaus schnelle Offensive traut sich alle genannten Feldbereiche zu.

Mit der ihm neuen Mannschaft will er so viele Punkte wie möglich holen, sagt Broschinski. Dass die Borussia in der Regionalliga zuletzt eher durchwachsen agierte, ist ihm bewusst. Ebenso, dass er Teil eines jungen Kaders ist. Sein Vertrauen in die Kollegen und sich ist allerdings offenkundig. Broschinski sagt: „Der FC Bayern München II ist in der Dritten Liga Meister geworden – und die sind mega jung.“

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Zwei, drei Spieler seien da älter und erfahrener, „das wars“, befindet er – und fragt, warum ein junges Aufgebot nicht in der Lage sein sollte, eine stabile Runde zu absolvieren. „Man muss bloß in den entscheidenden Momenten die richtige Entscheidung treffen. Egal ob du als junger Kerl auf dem Bau, als Maler oder Fußballer arbeitest – da gibt es immer mal Situationen, die du noch nicht kanntest.“ Die Losung sei, daraus zu lernen.

Broschinski will beim BVB dazulernen

Broschinski selbst nutzt diese Vokabel auffällig häufig, andauernd spricht er davon, lernen zu wollen und lernen zu müssen. Sicherlich sei es ein großer Anreiz, nach guten Leistungen mal in die Dortmunder Elite-Einheit eingeladen zu werden und am Profi-Training teilnehmen zu dürfen. Doch dafür müsse er lernen, wolle sich zunächst mal auf seine Ausbildung in der U23 konzentrieren. Bringe man dort Leistung, sagt Broschinski, „kann man es weiter nach oben schaffen“.

Schritt für Schritt will er demnach machen, nichts überstürzen auf dem angepeilten Weg zum Profifußballer. „Gesundes Wachstum“ ist wohl eine gute Beschreibung für das, was Broschinski vorschwebt.

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