Seine Vorgänger hat es nach England verschlagen, doch die Premier League ist für Alen Terzic momentan ganz weit weg. Der 38-Jährige hat sich mit ehrlicher Arbeit für den BVB II qualifiziert.

Dortmund

, 06.02.2019, 17:48 Uhr / Lesedauer: 6 min

Alen Terzic wird sich selbst manchmal wundern, wie schnell das alles ging. Wie plötzlich er vom Oberliga-Trainer beim FC Brünninghausen und Scout beim BVB zum hauptberuflichen Trainer der U23 von Borussia Dortmund wurde. Eine Woche Trainingslager liegt nun hinter dem 38-Jährigen, am Dienstag unterlag sein Team im Testspiel gegen Drittligist Preußen Münster mit 0:1, direkt danach sah er beim Profi-Debüt seines Torhüters Eric Oelschlägel im DFB-Pokal zu. Und jetzt: Das erste Interview im Trainerzimmer in Brackel.

Alen Terzic, wie sehr haben Sie mit Eric mitgefiebert?

Terzic: Ich fiebere immer mit, wenn der BVB spielt, übrigens nicht erst seit gestern, sondern seit vielen Jahren schon. Es hat mich für Oeli total gefreut und es wäre super gewesen, wenn wir das Spiel dann auch gewonnen hätten. Ich glaube insgesamt war es absolut ok, er hat eine gute Leistung gezeigt und es ist halt schade, wenn man so ein Spiel dann im Elfmeterschießen verliert.

Sie waren Scout und sind jetzt hauptberuflich Trainer. Können Sie ein Spiel überhaupt noch genießen oder sind Sie ständig im Analysemodus?

Terzic: Es ist ein Privileg für diesen Verein arbeiten zu dürfen, von daher habe ich immer Spaß an meiner Arbeit. Ich habe sie als Scout total genossen, das war fantastisch und es ist jetzt aber auch in dieser neuen Aufgabe überragend für mich. Ich kann also so oder so meine Tätigkeit im Fußball und beim BVB genießen. Und klar, kann ich Spiele der Profis auch noch als Fan verfolgen.

Ist es ein Unterschied, ob man ein Spiel als Scout oder als Trainer schaut?

Terzic: Natürlich! Als Scout hast du eine ganz andere Perspektive, sitzt auf der Tribüne, hast einen ganz anderen Blick auf das Spiel, sowohl was das große Ganze betrifft sowie meistens dann auch individuell auf einen Spieler bezogen. Hier bin ich für eine Mannschaft verantwortlich, coache direkt von der Seitenlinie, habe also einen ganz anderen Blick aufs Spiel und bin viel emotionaler dabei. Das sind also schon zwei verschiedene Dinge.

Was macht mehr Spaß?

Terzic: Ich genieße beides, konnte vorher mit meiner Tätigkeit beim FC Brünninghausen sogar beides parallel machen.

Sie waren drei Jahre Trainer in Brünninghausen, vorher in Werdohl und Dröschede. Allerdings immer nur Teilzeit. Wie ist es, sich jetzt hauptberuflicher Trainer nennen zu können?

Terzic: Es fühlt sich alles viel intensiver an, nicht nur wegen der täglichen Trainingseinheiten. Es ist auch einfach schön, sich 24 Stunden auf Fußball einlassen und damit beschäftigen zu dürfen. Es ist schon eine tolle Geschichte.

Dennoch: Wie hat es sich angefühlt, Ihren Ex-Klub von jetzt auf gleich verlassen zu müssen?

Terzic: Das war nicht einfach. Ich hatte eine sehr enge Bindung zur Mannschaft und zum Verein. Mit dem einen oder anderen Spieler bin ich schon über mehrere Jahre verbunden, nicht nur in Brünninghausen, sondern vorher auch in Dröschede. Von so etwas loszulassen, ist dann nie einfach, keine Frage. Aber ich bin am Ende total froh, hier sitzen zu dürfen und ich glaube, dass auch jeder in Brünninghausen nachvollziehen konnte, wie und warum das Ganze so zustandegekommen ist.

Beim FC Brünninghausen gab es so ein bisschen Gegrummel über die Kommunikation beim Wechsel. Ist das ausgeräumt?

Terzic: Es gab kein Grummeln. Es war natürlich hinterher noch das eine oder andere Gespräch zu führen, aber so freundschaftlich und kollegial wie wir über die Jahre miteinander umgegangen sind, so sind wir jetzt auch auseinandergegangen. Da ist nullkommanull hängen geblieben.

Sie gelten als sehr akribisch. Wo kommt Ihre Begeisterung für und Ihr Wissen über den Fußball her? Haben Sie selbst mal gespielt?

Terzic: Selbst gespielt habe ich auch, allerdings nur bis zur fünften Liga. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich vielleicht als Trainer ein bisschen talentierter bin als als Fußballer (lacht). Ich bin von kleinauf mit dem Fußball groß geworden, musste aber mit Ende 20 meine Laufbahn wegen einer Achillessehnen-Verletzung beenden, die mich vorher jahrelang begleitet hatte. Ich bin dann bei Borussia Dröschede gleich als Trainer in den Jugendbereich eingestiegen und habe mit Anfang 30 die Erste Mannschaft übernommen. Und dann hat sich das Ganze immer weiterentwickelt.

Hat Sie irgendjemand inspiriert? Gab es ein Vorbild?

Terzic: Nein, ich habe ganz unten bei der Trainerausbildung angefangen und habe versucht, mich von Lizenz zu Lizenz weiterzuentwickeln. Ich bin nicht nach irgendeinem Karriereplan vorgegangen, sondern es hat sich alles einfach so entwickelt und findet in diesem Augenblick für mich einen wahnsinnigen Höhepunkt.

Ihr Bruder Edin ist mit 36 Jahren Co-Trainer der Profis, Sie mit 38 Chef-Coach der U23 vom BVB. Müssen Sie sich manchmal gegenseitig kneifen, wenn Sie darüber nachdenken, was Sie in so jungen Jahren erreicht haben?

Terzic: Nein, solche Gespräche führen wir nicht, wir haben aber ein gutes Verhältnis und tauschen uns permanent aus. Das war schon immer so und ist völlig unabhängig vom Sport oder dem Fußball.

Wer ist der bessere Fußballer?

Terzic: Definitiv er. Er hat es ja bis in die Regionalliga geschafft und da eine sehr gute Rolle gespielt.

Unter Lucien Favre ist die Verzahnung von U23 und Profis sehr viel enger geworden als vorher. Dadurch, dass Sie und Ihr Bruder jetzt in diesen Positionen sind: Wird die Durchlässigkeit noch größer?

Terzic: Ich glaube, dass die Verbindung zwischen Profis und U23 vorher schon top war und ein täglicher Austausch stattgefunden hat. Sie wird also weder besser noch schlechter, wir möchten das auf dem Niveau fortführen.

Mit welchen Zielen gehen Sie Ihre Aufgabe an?

Terzic: Ich habe in den letzten Jahren immer sehr viele entwicklungsfähige Spieler um mich herum gehabt und mein Antrieb als Trainer war immer, die Jungs besser zu machen. Das wird hier nicht anders sein. Ich werde alles dafür tun, für den BVB, für die Jungs, für die Mannschaft, eine Weiterentwicklung entstehen zu lassen. Ich treffe hier auf Spieler, die sehr lernwillig sind, die sehr darauf fokussiert sind, besser zu werden, sich weiterzuentwickeln und daher eine hohe Bereitschaft mitbringen. Dass sie fantastische Grundvoraussetzungen mitbringen, ist ja klar, mein Ziel ist es, das weiterzuentwickeln.

Ist es ein Unterschied, wenn man mit Profis arbeitet oder mit ambitionierten Amateurspielern?

Terzic: Wir arbeiten jetzt täglich mit den Jungs, ob im Training, bei Besprechungen, einer Analyse, in persönlichen Gesprächen. Die Chance liegt im intensiveren Austausch.

Ist die Ansprache anders?

Terzic: Wenn ich mich jetzt komplett verändern würde, wäre ich nicht mehr authentisch. Ich versuche, meinen Job auch auf diesem Niveau bestmöglich zu machen, dabei echt zu bleiben und so wie ich bin. Ich mache mir darüber keine großen Gedanken, weil auch in der Oberliga mein Antrieb war, die Jungs bestmöglich zu fördern.

Ist es ein Unterschied, weil der BVB in der Regionalliga einen anderen Anspruch hat, als Brünninghausen in der Oberliga?

Terzic: Am Ende geht es immer um feste Spielprinzipien, die wir mit der Mannschaft entwickeln und auf den Platz bekommen wollen. Mir ist klar, dass sich viele Mannschaften gegen uns defensiv aufstellen werden, aber wir wollen in allen Phasen des Spiels gut funktionieren. Das heißt: Wir müssen ein gutes Ballbesitzspiel haben, wir müssen aber auch ein gutes Pressing spielen können, wir wollen auch gut umschalten und kontern können. Das macht eine sehr gute Mannschaft aus, dass sie in allen Bereichen ihre Qualitäten besitzt.

Wie sieht der perfekte Alen-Terzic-Fußball aus?

Terzic: In solchen Kategorien denke ich nicht. Perfekt ist es immer dann, wenn man das Gefühl hat, dass man mit der Mannschaft und den Spielern, die man zur Verfügung hat, das maximal Mögliche geschafft hat. Die Art und Weise und die Ausrichtung, wie man Fußball spielt, passt sich auch immer an die Spieler an, die man zur Verfügung hat. Und da sind die Voraussetzungen hier natürlich top.

Inwiefern ist Ihre Spielweise abhängig vom System der Profis?

Terzic: Ich glaube, wenn man unsere Profis spielen sieht, ist es einfach fantastisch, ihnen zuzusehen und dass man sich diese Mannschaft als Vorbild nehmen kann, steht außer Frage.

Es gibt aber keine Vorgabe?

Terzic: Am Ende geht es immer darum, unsere Spieler für die Profis vorzubereiten.

In der Winterpause ist viel passiert. Stammspieler wie Sören Dieckmann, Amos Pieper, Alex Isak, Dzenis Burnic und Vangelis Pavlidis sind weg, Taylan Duman ist gekommen. Wie gut ist die Mannschaft?

Terzic: Ich bin von jedem einzelnen Spieler im Kader absolut überzeugt. Klar gab es ein paar Abgänge, aber wir haben immer noch einen breiten und stabilen Kader und ich bin überzeugt davon, dass wir mit dieser Qualität noch eine gute Rückrunde spielen können.

Trotzdem waren Sie schon kreativ und haben Innenverteidiger Luca Kilian auf der rechten Außenbahn probiert…

Terzic (schmunzelnd): Ich weiß nicht, ob das eine kreative Umstellung war, es war eine Idee und Vorbereitungsspiele sind ja dafür da, Dinge auszuprobieren und zu schauen: Was funktioniert gut? Und da hat dann der eine oder andere mal auf einer ungewohnten Position gespielt, aber es auch sehr gut gemacht. Es ist auch Teil der Entwicklung von jungen Spielern, dass sie sich auf anderen Positionen zurechtfinden, die jetzt nicht ihre 1a-Position ist. Diese Flexibilität und Variabilität soll uns ja auch auszeichnen.

Hat sie jemand direkt überrascht?

Terzic: Die Jungs haben alle einen tollen Eindruck gemacht, da möchte ich jetzt niemanden herausnehmen. Alle sind in jedem Training sehr fokussiert und zeigen eine hohe Bereitschaft.

Welche Ziele haben Sie sich für die Rückrunde gesetzt?

Terzic: Wir wollen schon in den dreizehn Spielen den bestmöglichen Erfolg erzielen. Aber es ist schwierig abzuschätzen, was man sich als Tabellenplatzierung oder an Punkten vornehmen sollte. Es ist wichtig, einen guten Start hinzubekommen, das ist auch das, worauf im Moment mein Fokus liegt. In vier bis fünf Wochen ist es einfacher, eine seriöse Einschätzung abzugeben, was bis zum 34. Spieltag möglich ist.

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