BVB-Spieler Bah-Traoré: Haben Sie über ein Karriereende nachgedacht?

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Haymenn Bah-Traoré ist nach langer Verletzungspause zurück auf dem Trainingsplatz. Während der letzten Zwangspause plagten ihn vielerlei trübe Gedanken. Jetzt wagt er den Neustart.

Dortmund

, 23.07.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er sei eigentlich ein „Neuling“, sagte U23-Manager Ingo Preuß kürzlich über Haymenn Bah-Traoré. Mehr als ein Jahr fehlte der schließlich verletzt, ist jetzt erst auf den Platz zurückgekehrt. „Wenn er spielen kann, ist er ein rechter Verteidiger, wie ich mir ihn wünsche“, so Preuß. Allerdings legten den inzwischen 23 Jahre alten Außenverteidiger immer wieder Verletzungen lahm.

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In drei Jahren – also seit seinem Wechsel zur Borussia im Sommer 2017 – hat Bah-Traoré 27 von möglichen 96 Regionalliga-Spielen für den BVB II absolviert, davon zwölf Partien von Anfang bis Ende. Über seine lange Leidenszeit, sein oftmals malades Knie, seinen erneuten Neustart und Gedanken über ein frühzeitiges Karriereende spricht er mit den Ruhr Nachrichten.

Die Frage liegt nahe: Wie fühlen Sie sich?

Aktuell fühle ich mich gut. Ich denke, so sollte es mehr als ein Jahr nach der Operation sein.

Wie ist es, wieder am Teamtraining teilnehmen können? Vor dem Corona-bedingten Saisonabbruch haben Sie immerhin schon wieder in den Kleingruppen-Einheiten mitgemischt.

Im Teamtraining zu sein, das ist noch mal anders, ganz klar. Es fühlt sich ein wenig an wie ein Geburtstag. Es ist ein schönes Gefühl – und freut mich natürlich.

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Ihr letztes Spiel liegt weit zurück, war im April 2019.

Wir haben da in Wuppertal gespielt, die Partie wurde wegen Unwetters abgebrochen. Danach hatte ich Schmerzen im rechten Knie. Ein MRT wurde gemacht – und ein Knorpelschaden vierten Grades festgestellt. Einige Monate zuvor war mein Außenband im rechten Knie verletzt. Danach hatte ich ein Knochenödem – und dann den Knorpelschaden nach dem Wuppertal-Spiel.

Ist das Vertrauen ins Knie wieder vollkommen vorhanden?

Ich glaube, nach so langer Zeit kann es nicht sofort wieder komplett da sein. Je mehr ich spiele und je mehr ich trainiere desto mehr kehrt das Vertrauen ins Knie und den Körper wieder zurück. Das hoffe ich.

Können Sie schon wieder völlig angstfrei in Zweikämpfe gehen?

In den vergangenen Tagen bin ich schon angstfrei in die Duelle gegangen. Es ist nicht so, dass ich mich das nicht traue. Aber im Hinterkopf ist schon noch präsent, dass etwas mit dem Knie passieren könnte.

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Sie haben seit Ihrer Ankunft beim BVB nur knapp 28 % der Spiele mitmachen können. Haben Sie in dieser Zeit häufig mit Ihrem Körper und Ihrer Situation gehadert?

Irgendwann findet man sich damit ab. Ich kann ja nichts dagegen machen. Es war schon hart. Und manchmal habe ich mich gefragt, warum es mich schon wieder trifft. Aber es gibt dann doch wichtigere Dinge im Leben.

Wie verlief die letzte Verletzungspause? Wie verlief Ihr vergangenes Jahr?

Die schlimmste Zeit war die Phase, in der ich auf Krücken ging. Das war rund zwölf Wochen so. Da durfte ich das Knie gar nicht belasten, um dem Knorpel nicht zu schaden. Danach sollte ich das Knie wieder langsam aufbauen, durfte langsam Muskelaufbau betreiben. Nach einem halben Jahr war es wieder einigermaßen okay – und ich bin für ein paar Wochen in mein Heimatland Togo gefahren. Es ging also nach und nach bergauf.

Haben Sie sich in all den Monaten als vollwertiges Mitglied der Mannschaft gefühlt?

Wenn man lange verletzt ist, entfernt man sich etwas von der Mannschaft. Ich habe die Jungs nicht so häufig gesehen, hatte häufig andere Trainingszeiten. Wenn ich die Jungs dann aber gesehen habe, wurde ich immer gut aufgenommen. Und privat habe ich natürlich auch das Eine oder Andere mit manchen Mitspielern gemacht. Ich war also immer irgendwie dabei.

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Der Verein bringt Ihnen viel Vertrauen entgegen, wartet auf Sie. U23-Manager Ingo Preuß betont immer wieder, wie wichtig es sei, dass Sie wieder richtig spielfit sind.

Dafür bin ich sehr dankbar. Es ist nicht normal, dass ein Klub so viel Verständnis und Vertrauen hat. Darüber habe ich auch schon mit Ingo gesprochen. Das Vertrauen freut mich sehr.

In einem Jahr allerdings läuft Ihr Vertrag aus. Ist die kommende Saison 2020/2021 für Sie entscheidend?

Das kann man so sagen. Es ist schon wichtig für mich. Ich werde aber nichts überstürzen und meine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen.

Machen Sie sich Gedanken darüber, was passieren könnte, wenn Sie sich erneut verletzen sollten?

Eigentlich nicht. Entweder passiert es oder es passiert nicht. Dass mein Knie nicht durchhalten könnte, blende ich aus.

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Also haben Sie noch nie über ein frühzeitiges Karriereende nachgedacht?

Doch, das schon. Während der Verletzungszeit habe ich darüber häufiger nachgedacht. Da habe ich mich schon gefragt, ob das Knie hält – und ob es für mich noch mal reicht. Jetzt, da ich wieder gesundgeschrieben bin, sind diese Gedanken aber verschwunden.

Hat Ihnen während der Verletzungspause jemand dabei geholfen, positiv in die Zukunft zu schauen?

Alleine war ich nicht. Meine Berateragentur hat mir geholfen, meine Familie und Freunde waren da. Das war wichtig, um diese Zeit zu überstehen.

Ist es realistisch, dass Sie Anfang September einsatzbereit sind?

Das ist auf jeden Fall mein Ziel. Wie gesagt: Ich will nicht meine Gesundheit aufs Spiel setzen und nicht auf Teufel komm raus auf dem Platz stehen. Wenn ich keine Probleme habe und schmerzfrei bin, dann will ich spielen. Wenn ich etwas länger brauchen sollte, dann ist es auch okay für mich. Aktuell trainiere ich auf jeden Fall ohne Einschränkungen.

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Welches Ziel haben Sie mit dem BVB in der kommenden Saison?

Da ich mir immer die höchstmöglichen Ziele setze, sage ich: Aufstieg.

Und welches Ziel stecken Sie sich persönlich?

Wenn ich in einem Jahr gesund bin und so viele Spiele wie möglich gemacht habe, dann bin ich zufrieden.

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