BVB-Talent Tobias Raschl bei den Profis außen vor: Wechsel im Sommer?

Borussia Dortmunds U23

BVB-Talent Tobias Raschl durchlebt eine komplizierte Zeit. Bei den Profis hat er keine Chance, spielt stattdessen in der U23 auf neuem Posten. Wie geht es für ihn weiter?

Dortmund

, 28.02.2021, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Tobias Raschl (r.) in Aktion - aktuell spielt und trainiert er in der U23.

Tobias Raschl (r.) in Aktion - aktuell spielt und trainiert er in der U23. © Christopher Neundorf/Kirchner-Media

Es war Ende Januar, da wurde Tobias Raschl mal wieder die entscheidende Frage gestellt. Jene nämlich, wie es mit ihm eigentlich weitergehe. Das Winter-Transferfenster war seinerzeit noch offen – doch der junge Mann, kürzlich 21 Jahre alt geworden, erklärte: „Ich nehme die Situation an, versuche, das Beste daraus zu machen.“ Dann entschwand er schnellen Schrittes.

Nun, ein paar Wochen später, ist „die Situation“ unverändert. Raschl gehört zum U23-Kreis; die Chance, doch noch ins Profi-Aufgebot aufzurücken, ist äußerst gering. Am 34. Spieltag der Spielzeit 2019/20 gab er seinen Profi-Einstand, legte danach verletzungsbedingt einen Fehlstart in die neue Saison hin – und hängt seit längerem in der U23 fest.

BVB-Talent Tobias Raschl hat „höhere Ansprüche“

Freilich würde er es nie so formulieren. Es wäre auch gegenüber den BVB-II-Kollegen sicherlich nicht die richtige, respektvolle Ausdrucksweise. Dennoch ist klar: Da wo sich Raschl gerade befindet, will er eigentlich gar nicht sein. Im Gespräch mit dieser Redaktion sagt er: „Ich will immer das Höchstmögliche erreichen – hier beim BVB ist das die erste Mannschaft.“

In der Regionalliga laufe es gerade gut, „das macht mich zu einem gewissen Teil zufrieden“, so Raschl. Allerdings hat er natürlich höhere Ansprüche, will nicht dauerhaft in der viertklassigen West-Staffel spielen. Auf die Frage, inwiefern er aktuell Kontakt zur Profi-Belegschaft habe, folgt eine sehr vielsagende Antwort: „Die Situation ist so, dass ich gerade bei der U23 bin.“

BVB-Talent Tobias Raschl hat es schwer

Wenn er dort seine Spiele machen dürfe, sich weiterentwickeln könne, „dann versuche ich das“, im Sommer schaue er dann, wie es weitergehen könnte. Bereits in diesem Winter habe er überlegt, einen Wechsel zu vollziehen. „Es gab die einen oder anderen Gedanken“, so Raschl. „Aber wir haben uns dann entschieden, dass ich es hier weiter in Dortmund durchziehe.“

Er habe Vertrag bis 2022 – „es gibt noch keine Tendenz, was passiert“, meint Raschl. Und fügt den Nachsatz hinzu: „Im Fußball geht es häufig schnell.“ Was sicherlich richtig ist – plötzlich können sich Lücken auftun, plötzlich kann sich eine Möglichkeit ergeben. Bei Raschl jedoch erscheinen die Aufstiegsoptionen gering. Die Konkurrenz ist schlicht zu groß und zu gut.

BVB-Talent Tobias Raschl spielt auf neuer Position

Intern sind darum längst so einige der Meinung, dass das Eigengewächs eine Luftveränderung benötigt. Um Praxis auf höherem Niveau zu sammeln und sich in einem anderen Umfeld zu probieren. Im Grunde befindet er sich derzeit in seinem zweiten Regionalliga-Jahr - das sollte reichen. Obschon Raschl natürlich auch in Liga vier neue Erfahrungswerte sammeln kann.

Ein Beispiel liegt auf der Hand. Unter der Leitung von U23-Trainer Enrico Maaßen versucht sich Raschl, einst U19-Kapitän und 2018/2019 A-Jugend-Meister, in der 3-4-1-2-Anordnung auf der Zehner-Position. Zuletzt verdingte er sich dort in der U17 ab und an; Ende November dann übergab ihm Maaßen diesen Posten. Und überlässt den Sechser/Achter-Raum dessen Kollegen.

BVB-Talent Tobias Raschl muss handlungsschneller sein

Raschl, früher vor allem rund um den Mittelkreis aktiv, schleicht sich jetzt häufig in den linken Halbraum – und soll „Bälle in die offenen Räume zwischen die Linien“ spielen, „Druck auf die letzte Linie machen“ und „mehr Torbeteiligungen kriegen“, wie er selbst sagt. Was die größte Umstellung war? Von überall attackiert werden zu können.

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„Als Sechser hast du offene und freie Bälle“, erläutert Raschl, „du bist in Situation, in denen du keinen Druck hast. Weiter vorn hast du links neben dir den Außenverteidiger, vor dir den Sechser, hinter dir den Innenverteidiger. Du musst handlungsschneller sein, viel mit einem Kontakt lösen. Da hast du weniger Zeit.“ Und etwas weniger Einbindung (s. Abb. 1)

BVB-Talent Tobias Raschl bei den Profis außen vor: Wechsel im Sommer?

Raschl passt nicht mehr so oft, ist derweil in der Lage, häufiger in den Strafraum einzudringen – und Abschlüsse einzuleiten respektive zu suchen (s. Abb. 2). Seit seiner Versetzung – im offensiven Mittelfeld spielte er bisher elffach – gelangen ihm zwei Tore, sieben Assists; insgesamt steht er bei zehn Scorerpunkten in 14 Spielen (drei Treffer, sieben Vorlagen).

BVB-Talent Tobias Raschl bei den Profis außen vor: Wechsel im Sommer?

„Wir alle haben gesehen, welche Entwicklung er auf der Position genommen hat“, sagt BVB-II-Coach Maaßen gegenüber den Ruhr Nachrichten. „Seine große Stärke ist der Ballbesitz in engen Räumen. In diesen Bereichen befindet er sich jetzt sehr häufig.“ Mittlerweile habe Raschl „eine gute Quote. Wir sind zufrieden“.

BVB-Talent Tobias Raschl braucht noch mehr „Körperlichkeit“

Trotzdem „muss er sich weiterentwickeln, um den nächsten Schritt zu gehen“, sagt Maaßen, der sich wünscht, dass Raschl noch mehr Aktionen sammelt, noch intensiver spielt. Dem pflichtet das Talent indirekt bei, wenn es erklärt, „noch mehr Tore“ schaffen zu wollen und sich an „die Körperlichkeit im Männerbereich“ gewöhnen zu müssen.

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„All das braucht seine Zeit, aber es kommt“, glaubt Raschl, der darüber hinaus ganz konkret am eigenen Umschaltspiel und „in Sachen Explosivität“ arbeitet. Zum einen, um der U23 im Rennen um den Aufstieg noch mehr zu helfen. Zum anderen, um sich für den Profifußball zu präparieren. Erst Wandel, dann Wechsel – es klingt nach einem logischen Weg.

BVB-Talent Tobias Raschl muss wohl wechseln

Denn Raschl hat - wie oben geschrieben - höhere Ansprüche. Er wird deshalb höchstwahrscheinlich nicht umhinkommen, die Komfortzone BVB alsbald zu verlassen. Fortschritte sind in seinem Spiel ersichtlich, doch im Elite-Kader spielt der wenig zweikampfstarke und zuweilen leichtsinnige Raschl keine Rolle. Besserung ist - zumindest dahingehend - nicht in Sicht.

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