Die Positivserie ist gerissen: BVB U23 zeigt auch mit drei U19-Kickern bekannte Schwächen

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Gegen den SV Rödinghausen kassierte der BVB eine Pleite und machte dabei Fehler, die Coach Mike Tullberg bekannt vorkommen. Neben drei U19-Spielern stieß auch ein Profi kurzfristig hinzu.

Dortmund

, 07.03.2020, 18:16 Uhr / Lesedauer: 5 min

In dem Wissen, seit Dezember in sechs Partien ungeschlagen geblieben zu sein (zwei Siege, vier Remis) beging Borussia Dortmunds U23 die Dienstreise in den ostwestfälischen Kreis Herford.

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Bei Spitzenreiter SV Rödinghausen, der einen durchaus möglichen Drittliga-Aufstieg vor Wochen wegen der geltenden Drittliga-Bestimmungen abgelehnt hatte, spielte der BVB vor allem in der ersten Hälfte gut mit, verpasste es aber, seine Gelegenheiten zu verwerten.

Steve Tunga Malanda ersetzt BVB-Profi Tobias Raschl

Letztlich gewann der SVR mit 2:0 (1:0) – und erwies sich als deutlich cleverer als die jungen Borussen. Ihre Positivserie riss damit beim Regionalliga-Erstplatzierten.

Das Personal:

Verletzungsbedingt fehlten dem BVB II sechs Akteure: Neben den noch bis Saisonende nicht dienstfähigen Haymenn Bah-Traore und Patrick Osterhage waren Magnus Kaastrup, Steven Ruprecht und Dominik Wanner nicht spielfit. Hinzu kam noch Profi-Leihgabe Tobias Raschl, der im Vergleich zum 2:2 beim VfB Homberg von Steve Tunga Malanda ersetzt wurde – der einzige Wechsel in der Startaufstellung von Mike Tullberg.

Mike Tullberg vertraute gegen Rödinghausen auf Steve Tunga.

Mike Tullberg vertraute gegen Rödinghausen auf Steve Tunga. © Bieelfeld

Wie vom Dänen angedeutet, rutschten in Person von Alaa Bakir, Reda Khadra und Ramzi Ferjani gleich drei eigentlich in der U19 Beschäftigte in den Kader fürs Spiel beim Dorfklub. Ihnen wurde zunächst ein Bankplatz zugewiesen, Khadra und später auch Bakir kamen in der zweiten Hälfte zu ihren Regionalliga-Debüts.

Mateu Morey, der aus Lucien Favres Elite-Aufgebot kurzfristig zur Rödinghausen-Reisegruppe hinzustieß, spielte hingegen zum elften Mal in der vierhöchsten deutschen Spielklasse. Wie üblich wurde er auf der rechten Defensivposition aufgeboten.

Zweimal wurde der BVB über die rechte Abwehrseite geknackt

Die Tore:

1:0 Lars Lokotsch (28.): Ein Flankenball von der linken Offensivseite konnte nicht verhindert werden, flog in Richtung Fünfmeterraum. Auf den im Luftkampf starken Torschützen hatte kein Borusse mehr richtig Zugriff. Lokotschs Kopfball flog ins rechte untere Eck – BVB-Keeper Luca Unbehaun hatte keine Abwehrchance.

2:0 Simon Engelmann (64.): Rödinghausen kam über die linke Offensivseite. Flach halblinks vor Dortmunds Strafraum freigespielt, tauchte Torjäger Engelmann allein vor Unbehaun auf – und verwandelte wohlüberlegt flach ins linke Toreck. Der BVB-Tormann versuchte noch, per Fuß abzuwehren, erreichte den Ball allerdings nicht mehr. Das 0:2 bedeutete die Vorentscheidung.

Der Fokus des BVB lag auf der Defensive

Die Analyse:

Mike Tullbergs Ausführungen vor diesem Auswärtsduell beim SVR, der immens von der Zuschüssen eines regionalen Küchenherstellers profitiert, beinhaltete zwei Kernbotschaften: Das Offensivverhalten sei zuletzt selten problematisch gewesen, seine Tore erzielte Dortmunds U23-Belegschaft in beruhigender Regelmäßigkeit.

Defensiv indes leistete sich der BVB in den vergangenen Wochen wie eigentlich schon in der gesamten Saison zu viele Aussetzer, brachte sich deshalb um Punkte. Und sollte sich bei Tabellenführer Rödinghausen tunlichst über die gesamte Spieldauer konzentrieren. In der Anfangsphase, in die Tullbergs Auserwählte seit Jahresbeginn regelmäßig mäßig starteten. Rund um den Seitenwechsel und in der Endphase.

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Diese Zielsetzung verfolgte der BVB recht konsequent. Bei gegnerischem Ballbesitz weit weg vom Dortmunder Tor reihten sich die Borussen ordentlich im 4-4-2-System auf, Kapitän Boyamba attackierte ganz vorne neben Tigges; Duman war meist auf rechts positioniert, Führich auf links.

Selten über- oder umspielte Rödinghausen diese ersten zwei Dortmunder Defensivlinien anfangs wirklich zielstrebig, wurde effektiv vom Tor ferngehalten. Stürmer Simon Engelmann traf einmal das Außennetz, ansonsten passierte nicht sonderlich viel, was Tullberg Sorgen machen musste. Bis zur 28. Minute und dem 0:1. Ab der circa 25. Minute verlagerte sich das Spiel etwas mehr in die Richtung von BVB-Torwart Unbehaun. Diese Bemühungen mündeten letztlich im Führungstor, weil ein Flankenball nicht verteidigt werden konnte gegen den enorm kopfballstarken Konkurrenten.

Duman macht auf sich aufmerksam

Tullbergs Kollegium, bei der 0:4-Pleite im Hinspiel noch wachsweich unterwegs, ließ sich davon nicht sonderlich beirren, verfolgten weiterhin seinen Plan. Und kam gleichfalls zu Gelegenheiten. So wurde Führich in der 32. Minute fein vom zügig anstürmenden Boyamba freigespielt, sein Linksschuss flog deutlich am rechten Pfosten vorbei. Drei Minuten später verpasste es Führich wiederum, kurz vor dem Strafraum Boyamba freizuspielen – eine weitere gute Ausgleichschance.

Die beste hatte aber wohl Duman in der 37. Minute: Perfekt funktionierte in dieser Szene das oftmals geübte kollektive Attackieren. Nach und nach rückten immer mehr BVB-Akteure in Ballnähe, stellten Gegenspieler zu – und zwangen Rödinghausen final zu einem unsauberen Pass, den Morey schon nah am Gefahrenbereich des SVR erlaufen konnte. Der Spanier lief noch ein paar Meter, bediente dann Duman, der etwas zu ungenau abschloss. Tullberg raufte sich die kurzgeschorenen Haare.

Taylan Duman verpasste eine gute Tormöglichkeit für die BVB U23.

Taylan Duman verpasste eine gute Tormöglichkeit für die BVB U23. © Bielefeld

Zwar wurde Rödinghausen in der 41. Minute noch gefährlich, als Lokotsch erneut zum Kopfball ansetzte – diesmal wurde der kleine Morey übersprungen –, der zuletzt nicht immer sichere Unbehaun war allerdings diesmal zur Stelle, parierte hechtend. Auf wesentlich besserem Rasen, als dem BVB II für gewöhnlich vergönnt ist, ging dieses Spiel zwischen dem Ersten und Sechsten etwas später pünktlich in die Pause.

Festzuhalten war: Die Borussia war von Anbeginn gut im Spiel, hatte zwei respektive drei gute Einschussgelegenheiten. Und lag in dieser ausgeglichenen ersten Halbzeit dennoch zurück.

Dass Dortmunds Zweitvertretung in vier von fünf Partien in 2020 ein solches Erlebnis machen musste und immer ins Spiel zurückfand, hatte Tullberg am Vortrag der Rödinghausen-Partie dazu veranlasst, die Mentalität seines Team zu loben.

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„Top“ sei die, sagte er, „man muss die Jungs dafür loben, dass sie sich immer wieder zurückgekämpft haben.“ Das versuchten sie auch gegen den favorisierten und mit deutlich mehr Erfahrung gesegneten SVR. Das Problem: Erst wurde der BVB nicht zwingend, verstolperte mal Kontergelegenheiten oder konnte sich nur unzureichend vom gegnerischen Pressing befreien.

Und dann erhöhte Rödinghausen in der 64. Minuten auch noch auf 2:0. Der Tabellenführer bekam einmal zu viel Freiraum, erspielte sich die zwischenzeitlich vierte Chance – und traf zum zweiten Mal. Unbehaun, der in der Nachspielzeit noch einmal eine Großtat präsentierte und sich damit zurückmeldete auf gutem Niveau, hatte da zum zweiten Mal keinerlei Abwehrmöglichkeit.

U19-Akteur Khadra kommt in die Partie

Tullberg reagierte. Der 34-Jährige brachte erst U19-Akteur Khadra für die rechte Offensivseite, wenig später den offensiven Linksverteidiger Finnsson. Außerdem Bakir, der ansonsten ebenfalls für die U19 aufläuft – und Stürmer Gianluca Rizzo. Dem U19-Duo gewährte Tullberg damit einerseits die Möglichkeit, erste Erfahrungen im Seniorenbereich zu sammeln.

Neben Rheda Khadra spielte auch Alaa Bakir für die BVB U23 mit.

Neben Rheda Khadra spielte auch Alaa Bakir für die BVB U23 mit. © Peter Ludewig

Andererseits versuchte er damit noch einmal, das etwas erlahmte, nicht mehr so eindringliche Angriffsspiel zu beleben. Es blieb ein hehrer Versuch. Der SV Rödinghausen, der mit 19 Gegentoren die zweitbeste Defensive der Liga stellt, wurde nicht mehr wirklich ernsthaft geprüft. Dortmunds Versuche endeten meist schon weit vor dem Strafraum des Konkurrenten. Wie in den Vorwochen noch zum Ausgleich zu kommen, war deshalb nicht möglich. Der SVR war schlicht zu abgezockt – und gewann deshalb verdient.

BVB II: Unbehaun – Morey, Rente, Hippe, Bünning (70. Finnsson) – Duman (80. Bakir), Tunga (88. Rizzo), Hober, Führich – Boyamba (65. Khadra), Tigges – Trainer: Tullberg

„Wenn wir zu früh drauf gehen, öffnen sich Räume“

Das sagte Dortmunds Trainer Mike Tullberg:

„Wir haben vor dem Spiel gesagt, wir wollen Standards vermeiden. Das hat nicht so gut geklappt. Uns war klar, dass wir unterlegen sind bei Bällen, die über die Kniehöhe gehen. Wir wollten versuchen, den Ball auf dem Teppich zu halten. Teilweise ist uns das gelungen in der ersten Halbzeit – das 0:1 entsteht aber leider genauso. Wir unterbinden die Flanke nicht – und verteidigen sie nicht gut. Wenn da eine kommt – das habe ich den Jungs gesagt –, wünsche ich mir, dass man wenigstens zum Ball geht. Das war nicht der Fall. Dann sind wir gut ins Spiel zurückgekommen, hatten auch Chancen durch Chris Führich und Taylan Duman, schaffen aber nicht den Ausgleich. Nach der Halbzeit wollten wir weiterhin geduldig spielen. Wenn wir zu früh drauf gehen, öffnen sich Räume, das wussten wir. Da ist Rödinghausen gut. Das 0:2 entsteht dann aber leider genauso. Joseph Boyamba lässt sich zu früh lösen, die spielen über unsere rechte Seite durch, dann lässt sich Marco Rente lösen – und dann spielt Rödinghausen in unseren Rücken und Maximilian Hippe versucht noch auf Abseits zu spielen. Der Sieg für Rödinghausen ist verdient.

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