BVB-U23 holt besonderen Sieg - Trainer Enrico Maaßen muss improvisieren

Borussia Dortmund II

Bei Wegberg-Beeck gewinnt der BVB II mit 2:0 - und holt einen speziellen Sieg. Eine Umstellung gibt der Borussia mehr Kraft. Sie kann auch mit Widrigkeiten umgehen.

Dortmund

, 07.03.2021, 16:50 Uhr / Lesedauer: 3 min
Florian Krebs traf in der Nachspielzeit zum 2:0 für seine Borussia.

Florian Krebs traf in der Nachspielzeit zum 2:0 für seine Borussia. © Bielefeld

Marco Hober gehörte zu den ersten BVB-II-Akteuren, die sich zügig spurtend von ihrem Bankplatz zum Torschützen begeben hatten. Mit Mund-Nasenschutzmaske im Gesicht rannte er so schnell wie möglich zum Kollegen Richmond Tachie – es ergab sich ein schwarzgelbes Jubelknäuel. Und als Florian Krebs wenig später zum 2:0 einschob, war der Erfolg beim FC Wegberg-Beeck perfekt. Sieg Nummer 18 darf als ein besonderer gewertet werden.

Denn erstmals musste die U23 von Borussia Dortmund bis kurz vor Schluss warten, ehe der innig herbeigesehnte Siegtreffer fiel. Tachie traf per Foulelfmeter in der 87. Spielminute, Krebs in der Nachspielzeit. Nur im Hinspiel gegen den Konkurrenten aus Wegberg-Beeck hatte es ähnlich lange gedauert mit dem goldenen Schuss – seinerzeit erzielte Taylan Duman nach 81 Zeigerumdrehungen das viel bejubelte Siegtor.

BVB-U23 stellt die beste Offensive

Zu solch später Stunde war der BVB II bislang selten gefordert – die Aufeinandertreffen in der Liga waren zumeist längst entschieden. Wegen konzentrierter, gemeinschaftlicher Defensivarbeit – und einer Abteilung Attacke, die diesen Namen verdient. Mit 66 eigenen Treffern stellt die von Trainer Enrico Maaßen dirigierte Mannschaft schließlich die beste Offensivabteilung, hat viele Abwehrspieler bereits von der Vergeblichkeit ihres Tuns überzeugt.

Nur einmal (!) ging die Borussia leer aus. Beim VfB Homberg verzweifelte sie an einer dichten Abwehrkette, dem ramponierten Rasen – und kam final zwar auf 63 Prozent Ballbesitz, spielte also gewohnt dominant. Doch in die prekären, brandheißen Zonen kombinierte sich die schwarzgelbe Belegschaft an jenem Dezembertrag nur höchst selten, fuhr ohne Treffer und hadernd nach Hause. Ein Erlebnis, das sich nicht wiederholen sollte.

BVB-U23-Trainer Maaßen verändert den Plan

Darum reagierte Maaßen in Wegberg während der Partie. Hatte es der BVB II erst mit möglichst schnellem Passspiel und Halbraum-Chipbällen probiert, versuchte er es nachher mit hohen, langen, weiten Schlägen. „Es ergab keinen Sinn, auf dem Rasen alles spielerisch lösen zu wollen“, erklärte Maaßen. „Wir haben uns deshalb gedacht: Stellen wir um, setzen wir auf hohe Bälle und bauen wir eine gute Struktur für den zweiten Ball.“

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So wurde die erste und zweite Abwehrlinie überspielt – und die Käbbelei begann schon ganz in der Nähe des anvisierten Strafraums. „Diese vielen hohen Bälle spielen wir nicht so gerne“, meinte Krebs anschließend. „Aber man hat gesehen, dass wir auch so erfolgreich sein können. Das ist die Hauptsache. Wir brauchten die drei Punkte – egal wie.“ Zumal die Maaßen-Elf diesmal mit einigen großen bis mittelgroßen Problemen umgehen musste.

BVB-U23 musst mit vielen Widrigkeiten umgehen

Da waren erstens die schon beschriebenen Platzverhältnisse, zweitens ein Gegner, „der schon nach drei Minuten auf Zeit gespielt hat, das habe ich auch noch nicht erlebt“ (O-Ton Luca Unbehaun). Drittens fällte das Schiedsrichtergespann zuweilen recht ulkige Entscheidungen. Und viertens war der BVB mit arg wenigen Offensivakteuren angereist, musste kreativ werden und personell improvisieren.

Angreifer Steffen Tigges weilte mit den Profis in München, Alaa Bakir fehlte gelbgesperrt, Taylan Duman war angeschlagen, Moritz Broschinski blieb wegen einer Muskelverletzung zuhause – und Dominik Wanner konnte ebenfalls nicht mittun, hat laut Maaßen „ein bisschen Flüssigkeit im Knie“. Sind in Summe fünf Spieler, die normalerweise das Angriffsspiel prägen können, diesmal indes ersetzt werden mussten.

BVB-U23-Trainer Maaßen muss improvisieren

Maaßen wählte Kolbeinn Finnsson für Dumans Außenbahn, Tachie stellte er in den Angriff – und Krebs, gelernter zentraler Mittelfeldmann und bisher 13-fach berücksichtigt, verdingte sich letztlich ebenfalls ganz vorne. „Wir hatten keinen klassischen Stürmer mehr“, sagte Maaßen. „Flo trainiert sehr gut, ist unser gefährlichster Standardschütze und gibt uns Kopfballstärke bei defensiven Standards. Für dieses Spiel war er die beste Option.“

Und er habe „eine gute Leistung“ gezeigt, „sehr intensiv gespielt“, lobte der Trainer. Obschon der Zusatz folgte, dass es „fußballerisch sehr kompliziert“ gewesen sei. Allerdings galt das für alle – es war halt keine Kunst, sondern Kampf. Interessant: In Minute 71 warf Maaßen selbst Innenverteidiger Henri Weigelt - 1,92 Meter lang und technisch gut - als Mittelstürmer in die Partie. Die Personalsorgen sind damit bestens illustriert.

BVB-U23 steht auf Platz eins

„Wir hatten viele Ausfälle, die uns wehgetan haben. Wir haben es aber angenommen und alles probiert“, sagte Krebs und diente gleich als bestes Beispiel dafür. Tachie befand derweil: „Wir wussten, dass die Zeit drängt, dass wir bald treffen mussten. Wir wollten geduldig bleiben – zum Glück hat es geklappt.“ Denn dies war natürlich die überragende Hauptsache. Mit dem gänzlich schönen Spiel ist keine Meisterschaft, kein Aufstieg zu holen.

„Es ist toll, wie wir es bisher machen“, betonte Krebs. „Wenn wir genauso fortfahren, haben wir gute Chancen auf den Aufstieg.“ Konkurrent Rot-Weiss Essen ist derzeit drei Punkte entfernt, hat eine Partie weniger absolviert. Es bleibt demnach spannend. 15 Liga-Partien stehen noch aus – darunter mit Sicherheit einige der Kategorie Wegberg-Beeck. Eklige, komplizierte Duelle, die einfach aussehen, mitunter jedoch äußerst fordernd sind.

BVB-U23 ist widerstandsfähig

Positiv: An diesem Wochenende bewies die Borussia, dass sie auch solche Zweikämpfe für sich entscheiden kann - auf den letzten Drücker. Die Freude darüber war dementsprechend groß.

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