Chaotische Monate beim Lüner SV: Rücktritte, Redeverbote, Rassismusvorwürfe

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Angepeilt war der Aufstieg in die Oberliga. Nun steht der Stadt-Nachbar Lüner SV, am Sonntag Gegner des FC Brünninghausen, auf dem Relegationsplatz und hat turbulente Monate hinter sich. Wie kam es dazu?

Dortmund, Lünen

, 16.11.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor der Saison war die Marschroute eigentlich klar. Der Lüner SV sollte oben mitspielen, der Aufstieg in die Oberliga war das ausgesprochene Ziel, als Marc Woller im Februar dieses Jahres als neuer Trainer und Christian Hampel als Sportlicher Leiter vorgestellt wurden.

Der Vorstand des Lüner SV formulierte dieses Ziel offensiv, Woller und Hampel gaben sich allerdings etwas zurückhaltender.

Mittlerweile ist Woller nicht mehr beim Lüner SV und Hampel zum Cheftrainer aufgerückt. Der LSV steht auf Rang 14 der Westfalenliga, ein Relegationsplatz. Zwölf Punkte haben die Lüner in der bisherigen Saison nur geholt.

Wie kam es dazu? Vor dem Spiel gegen den FC Brünninghausen (Sonntag, 14.30 Uhr, Am Hombruchsfeld 71, Dortmund), zeigen wir eine Chronologie der vergangenen Monate:

Juni/Juli: Ende Juni startet der Westfalenligist in eine verkorkste Vorbereitung. Der neue Trainer Marc Woller kann nicht einmal mit seiner Stamm-Elf trainieren und spielen lassen. Verletzungen und Urlaube der Spieler sorgen für einen personellen Aderlass. Die Lage ist sogar so prekär, dass ein Testspiel gegen Oberligist ASC 09 von den Lünern abgesagt werden muss.

August: Das erste Pflichtspiel der Saison geht mit 1:4 im Pokal beim Landesligisten BSV Menden verloren. Dafür gewinnt der LSV den Saisonauftakt (1:0 gegen SC Neheim). Im Anschluss giftet Keeper Daniel Dreesen gegen Trainer Marc Woller über seinen Platz auf der Ersatzbank: „Wenn er meint, den besseren Torwart auf die Bank zu setzen, weil ich zweieinhalb Wochen im Urlaub war, ist das halt so. Der Trainer war auch zweieinhalb Wochen nicht da, dann hätte das Spiel der Co-Trainer coachen sollen.“

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Dreesen wird im Anschluss in die zweite Mannschaft versetzt. Nach schwachen Leistungen in den anschließenden zwei Partien (ein Sieg, eine Niederlage), verhängt der Vorstand ein Redeverbot für die Spieler mit der Presse.

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September: Nach einer 1:3-Niederlage gegen Westfalia Wickede, gibt Marc Woller seinen Rücktritt als LSV-Trainer bekannt. Woller wird wenige Wochen darauf Co-Trainer des Regionalligisten SV Lippstadt. Der Sportliche Leiter Christian Hampel übernimmt an der Seitenlinie mit Kadir Kaya als Co-Trainer. Lünen bleibt im September ohne Sieg.

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Oktober: Die Personallage ist mies, zwischenzeitlich fehlen Hampel 13 Spieler. Lediglich einen Punkt holen die Lüner aus vier Ligaspielen, verlieren unter anderem mit 3:4 gegen den BSV Schüren. Nur das Kreispokalspiel gegen den Kirchhörder SC kann mit 5:2 gewonnen werden.

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Aus heiterem Himmel tritt Co-Trainer Kadir Kaya – gemeinsam mit dem Trainer-Duo der Reserve, Murat Büyükdere und Fatih Kaya – zurück. Die drei geben im Anschluss ein Interview, indem sie Rassismus-Vorwürfe erheben und dem Verein Vorstandsversagen vorwerfen. Der Klub macht die verbale Schlammschlacht allerdings nicht mit, „verurteilt das Nachtreten“ zwar, wünscht dem Trio aber „alles Gute“.

November: Nach den Vorwürfen des Trios wird es ruhiger. Zwar verliert der LSV das Spiel gegen Wanne-Eickel knapp mit 2:3. Nach insgesamt neun Spielen ohne Sieg und nur drei Punkten, gewinnen die Lüner aber am vergangenen Wochenende das Keller-Duell gegen den SV Sodingen deutlich mit 3:0 –und haben damit nun genau so viele Punkte wie Westfalia Wickede (12).

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