Bundesliga-Schiris klären auf: Dortmunder Trainer fragt nach fehlenden Elfern für Schalke

rnFußball in Dortmund

Rot oder nicht Rot? Tor oder kein Tor? Der Job des Fußball-Schiedsrichters ist nicht einfach. Im Deutschen Fußball-Museum schulten jetzt hochdekorierte Unparteiische 30 Sport-Journalisten.

Dortmund

, 23.01.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wut geladen stürmt der Spieler auf Sascha Stegemann zu. 193 Zentimeter bauen sich vor ihm auf, vier Zentimeter mehr als er selbst groß ist. Benjamin Hübner lädt seine komplette Wut ab, doch Stegemann bleibt cool vor ihm stehen, als würde das alles, was ihm Hübner durch Gestik, Mimik und auch verbal entgegenschleudert, an ihm vorbeirauschen.

Hoffenheims Abwehrspieler rauscht davon, Bundesliga-Schiedsrichter Sascha Stegemann zeigt ihm die Gelbe Karte. Während die Szene auf der Leinwand im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund übertragen wird, geht ein Raunen durch die Runde der Sport-Journalisten. Stegemann erklärt ruhig und sachlich, wie er die Situation wahrgenommen hat. Er wendet dabei viel Körpersprache an, tut sich dabei dieselbe Ruhe an wie in der hitzigen Szene mit Hübner am vergangenen Wochenende. Ein schnörkelloser Auftritt von einem der besten Schiedsrichter in Deutschland.

„Schiedsrichter schulen Journalisten“ - und einen Trainer

Sascha Stegemann erzählt im Fußball-Museum, wie er die Arbeit des Videoassistenten wahrnimmt, wie er mit Spielern umgeht, was er sich manchmal wünschen würde. Vor ihm sitzen 30 Journalisten. Diese werden geschult von Stegemann und Schiedsrichterchef Lutz Fröhlich. „Schiedsrichter schulen Journalisten“ heißt es eingängig.

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Unter die 30 Medienmacher hat sich auch ein Fußball-Trainer gewagt. Antonios Kotziampassis, 46 Jahre alt, Trainer des Fußball-Oberligisten ASC 09 Dortmund, ist interessierter Zuhörer und diskutiert engagiert mit.

Prägendes Thema ist der Videobeweis: Knapp anderthalb Stunden erklären die beiden Unparteiischen, was immer noch in den Stadien und darüber hinaus für Diskussionen sorgt – auch unter den Journalisten. Immer wieder kommt es zu emotionalen Diskussionen: Einige der Kollegen outen sich schnell auch als Fußballfans, hinterfragen den Videobeweis.

Schalke gegen Bayern beschäftigt Antonios Kotziampassis noch immer

„Werden nicht zu viele Emotionen weggenommen?“, fragt ein Journalist, fügt direkt eine anschließende Frage mit an: „Warum darf der Schiedsrichter keine Fehler machen?“ Die Diskussion zum Assistenten, der seit 2017 die Bundesliga gerechter machen soll, nimmt da erst so richtig an Fahrt auf. Auch ASC-Trainer Kotziampassis mischt mit, fragt nach, warum es im Hinspiel zwischen dem FC Schalke und dem FC Bayern München keinen Eingriff des Videoschiedsrichters bei zwei Handspielszenen gab.

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Fröhlich weiß direkt, auf welche Szenen der Dortmunder Trainer anspielt. Fröhlich und Stegemann versuchen, Entscheidungen zu erläutern, zu verdeutlichen, wann die Schiedsrichter eine konkrete Entscheidung treffen. Einstweilen wirkt es so, als hätte jeder der anwesenden Journalisten eine persönliche Szene, die er mit dem Videobeweis verbindet, die er gern noch mal klären würde oder gern erläutert hätte.

ASC-Trainer Antonios Kotziampassis hört Schiedsrichter-Chef Lutz Fröhlich (r.) während seines Vortrags zu.

ASC-Trainer Antonios Kotziampassis hört Schiedsrichter-Chef Lutz Fröhlich (r.) während seines Vortrags zu. © Döring

Die Zeit ist dafür nicht da, doch es gibt immer wieder dasselbe Credo von Fröhlich: „Es geht darum, richtig zu pfeifen, als ob kein Videoassistent da wäre.“ Auch Stegemann sieht das so: „Chef im Ring ist immer der Schiedsrichter, der Videoassistent ist Assistent.“ Kotziampassis hakt kurze Zeit später erneut nach, er möchte genauer verstehen, wie die Abläufe sind. „Entscheidet der Videoassistent im Spiel oder der Schiedsrichter?“ Stegemann antwortet deutlich: „Der Videoassistent empfiehlt, der Schiedsrichter entscheidet.“

„In der Transparenz kann man das ein oder andere verbessern“

Trotzdem ist auch für Stegemann in der Arbeit mit dem Videoassistenten nicht alles perfekt: „In der Transparenz kann man das ein oder andere verbessern.“ Er schlägt vor, Sequenzen des Videobeweis-Vorgangs auf den Stadionleinwänden abzuspielen. Dadurch wären alle Zuschauer, egal ob zu Hause vor dem Fernseher oder im Stadion, auf dem gleichen Stand.

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Und obwohl Sascha Stegemann als 13-Jähriger Schiedsrichter geworden ist, um auf dem Feld zu pfeifen, bereitet ihm die Arbeit als Assistent in Köln ebenso Freude. „Mir macht die Aufgabe sehr viel Spaß“, gibt er zu und zeigt sich froh darüber, dass es den Assistenten mittlerweile gibt: „Früher gab es Situationen, wo ich mir gewünscht hätte, dass ich diese noch korrigieren könnte.“

53 Fehlentscheidungen wurden in dieser Saison verhindert

Nun ist es möglich und sorgt dafür, dass in dieser Bundesliga-Spielzeit bislang 53 Fehlentscheidungen verhindert worden sind. Immer wieder werden Szenen eingespielt, die verdeutlichen, wie die Schiedsrichter zusammenarbeiten, warum sie in bestimmten Situationen zu ihren Entscheidungen kommen.

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Für den Auftritt von Stegemann im Duell mit Hoffenheims Benjamin Hübner gab es von Fröhlich ein Lob. Er hat seine Sache gut gemacht, die Gelbe Karte war folgerichtig, lobt er ihn. Ein Journalist fragt nach, ob es nicht sogar hätte Gelb-Rot geben müssen aufgrund der wütenden Proteste von Hübner, doch Stegemann erklärt ruhig und sachlich, dass das Regelwerk das nicht hergegeben hätte. Ein schnörkelloser Auftritt von Stegemann im Fußballmuseum – wie in der Bundesliga in Sinsheim.

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