Christof Neuhaus über Talent, Sucht und Erfolgshunger

Leichtathletik

Plötzlich läuft er in einer anderen Welt. Christof Neuhaus steigerte in diesem Jahr seine Bestleistungen von 1500 Meter bis zum Halbmarathon, unterbot über 5000 Meter erstmals die Schallmauer von 15 Minuten. Grund genug für ein Interview mit dem 24-jährigen Studenten in den Fächern Germanistik und Sozialwissenschaft.

DORTMUND

von Von Gerd Strohmann und Horst Merz

, 14.09.2012 / Lesedauer: 3 min
Christof Neuhaus über Talent, Sucht und Erfolgshunger

ARCHIV - Fußball-Trainer Uwe Neuhaus steht am 28.04.2015 im Stadion in Dresden (Sachsen) während seiner Präsentation als kommender Cheftrainer von Drittligist SG Dynamo Dresden. Foto: Thomas Eisenhuth/dpa (zu dpa «Für Dynamo Dresden beginnt mit Neu-Coach Neuhaus die Mission Aufstieg» vom 22.07.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Ich laufe und trainiere auch so viel wie noch nie in meinem Leben. In diesem Jahr komme ich wöchentlich auf zehn bis zwölf Trainingseinheiten, im vergangenen Jahr war es gerade mal die Hälfte. Aber es macht einfach unglaublich viel Spaß.

Ich habe mich in Menden sehr wohl gefühlt, das Umfeld stimmte, es war eine richtig schöne Zeit. Aber ich habe gefühlt, ich bin nicht ausgelastet, ich habe gespürt, da geht noch mehr. Und ich wollte auch noch mehr. Und ich wollte auch den Schritt zu einem großen Verein.

Ja, das habe ich. Es ist eine Traumsaison. Eigentlich ist das erste Jahr ja das schwierigste, ich hatte keine Anpassungsschwierigkeiten, ich habe sogar im Training meine Bestzeiten verbessert. Mein Körper hat mich überrascht. Ich hätte nicht gedacht, wie schnell man sich durch gutes und konzentriertes Training steigern kann.

Hier habe ich intern eine ganz andere Konkurrenz. Hier ist intern ein anderer, ein positiver Druck, weil man in jedem Training gefordert wird.

Sicher kann man darüber nachdenken, aber ob ich ganz nach oben gekommen wäre, das weiß ich nicht. Das muss auch nicht sein, ich bin wirklich sehr glücklich mit dem, was ich mache. Vielleicht fehlt mir auch das absolute Talent für ganz oben, trotz der sportlichen Gene meiner Eltern.

Eigentlich ja. Aber ich bin von meinen Eltern nicht getrieben worden, es wurde mir eher in die Wiege gelegt. Bis zum 12. Lebensjahr habe ich Fußball gespielt, aber wenn du bei einem Dorfverein zum 10. Mal nacheinander zweistellig verlierst, ist doch auch nicht amüsant. Da hatte ich beim Laufen schon früher Erfolge, aber natürlich nur bei regionalen Wettkämpfen.

Natürlich bin ich auf eine gewisse Art danach süchtig. Ich habe gerade mal Saisonpause gemacht, fünf Tage, ich bin fast geplatzt. Von der Zeit und der Energie her. Aber Radfahren und Schwimmen geht auch, wenn ich nicht laufe. Aber eines muss man schon sagen: Ich bin hungrig nach Leistung und Erfolg.

Ich glaube, irgendwo dazwischen. Eigentlich bin ich ein 3000-Meter-Läufer, das passt zumindest derzeit am besten.

Ich kann auf jeden Fall behaupten, dass ich in diesem Jahr noch kein Training geschlabbert habe. Klar muss ich mich morgens um sieben Uhr auch mal zwingen, aber wenn es doch auf dem Trainingsplan steht... Ich habe gesehen, was möglich ist, das treibt mich an.

Ich bin in dieser Saison explodiert, bin innerhalb dieses Jahres ein anderer Mensch geworden. Ich bin vom Hobby- zum Leistungssportler geworden.

Einmal im Finale über 5000 Meter bei einer deutschen Meisterschaft zu laufen. Vielleicht schon bei der DM in der Halle im Februar 2013 in Dortmund. Ich weiß meine Traumsaison sehr wohl einzuordnen, noch sehe ich mich als Edelhelfer für schnellere Läufer.

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