„Danke, Merkel!“ - Ein Dortmunder Fußballer freut sich über diesen Satz

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Kritiker der Bundeskanzlerin Angela Merkel benutzen häufig den Satz „Danke, Merkel“, um zu sagen, dass sie unzufrieden sind. Auf einem Dortmunder Fußballplatz ist das auch zu hören.

Dortmund

, 07.11.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Dortmunder Fußballer „danke, Merkel“ sagt, könnten tatsächlich Zweifel aufkommen, wen er überhaupt meint. Der erste Gedanke fällt wahrscheinlich gleich auf unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die ist aber eher selten auf Dortmunds Fußballplätzen zu sehen

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Merkel mag nicht nur Merkel. Der 21-jährige Martin ist sogar Merkel. Und Martin Merkel vom BSV Schüren sagt dann auch „Danke, Merkel“ und meint mit diesem zum geflügelten Wort in Richtung Kanzlerin auch nicht seine Mutter oder andere Familienmitglieder. Wenn der Mittelfeldspieler „Mutti“ sagt, weiß Annette Merkel, dass ihr Sohn womöglich mit dem Fernseher spricht. Denn: „Meine Mutter ist für mich Mama.“ Keine Verwechslungsgefahr also. Martin findet beide gut, „Mutti“ Angela und „Mama“ Annette. „Danke, Merkel“ klänge im Haus der Familie mit dem bekannten Namen dann auch wohl etwas befremdlich. „Danke, Mama“ ist also hier richtig.

Martin Merkel spielt für den BSV Schüren.

Martin Merkel spielt für den BSV Schüren. © Nils Foltynowicz

Dennoch spricht er auch von seiner prominenten Namensvetterin in sehr wohlwollwenden Worten: „Sie ist eine gute Kanzlerin. Sie hat das Land sicher durch Finanzkrise, die Flüchtlingskrise und auch durch die ersten Corona-Einschränkungen gebracht.“ Nur die Erste?

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Wenn also nicht Annette, sondern Angela im Merkelschen Haus um die Kurve käme und er ihr etwas sagen oder der junge Merkel mit der Grande Dame der Politik mal tauschen dürfte, hätte er nur einen Punkt, der ihm aktuell am Herzen liegt: „Den zweiten Lockdown finde ich richtig, aber zu radikal. Ein geordnetes Fußballtraining wäre doch unter Hygieneregeln möglich.“

Sollte die Kanzlerin mal irgendetwas von einem echten Merkel hören wollte, sei ihr gesagt, die Meisterschaft müsse nicht sein, aber die Übungseinheiten schon. „Da wünsche ich der Kanzlerin Fingerspitzengefühl. Und auch die Gastronomie hätte es nicht so hart treffen brauchen. Aber nochmal: Immer steht die Gesundheit im Vordergrund, daher halte ich das generelle Herunterfahren für richtig.“

Vielleicht würde die Politikerin, wenn sie mal in den Dortmunder Westen käme, für den wohlwollenden Ratschlag im Gegenzug „Danke, Merkel“ in Richtung des Fußball-Talentes sagen.

Martin Merkel kommt aus Marten

Damit kommt zu den immer wieder gern gebrachten Vergleichen und Unterschieden zwischen den Merkels ein weiteres Wortspiel. Denn jetzt ist es Zeit, sich den Dortmunder Merkel mal etwas genauer anzusehen: „Ich bin der Martin aus Marten“, sagt er. In diesem Vorort begann vor 21 Jahren, als Gerhard Schröder noch Kanzler und Angela Merkel CDU-Generalsekretärin war, die Kindheit. Mit der Frau, die Kanzlerin wurde, als Martin sechs war, verbindet den jungen Martin lange nur der Name. „Ich habe da auch nie nachgeforscht. Wir haben tatsächlich Verwandte im Osten. Aber wenn sie mit der Politikerin verwandt sein sollten, muss das schon extrem weit entfernt sein.“

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Also zurück zu Martin aus Marten: Denn dem jungen Martin stand nicht der Sinn nach großer Politik, sondern nach Fußball. Bei der Arminia lernte er den Sport, als C-Junior wechselte er zu Mengede 08/20, als A-Junior in die Talentschmiede Hombrucher SV. Letztendlich ging er mit seinem guten Kumpel Lukas Meyer („Ein Super-Typ) zum BSV Schüren, wo er sich aktuell mehr Spielanteile wünscht. „Über kurz oder lang will doch jeder spielen.“

Die folgenden Worte hätten auch aus dem Mund der Kanzlerin kommen können: „Ich bin Realist“, sagt er. Das heißt, der Schüren-Merkel gönnt seinen Teamkollegen nur Gutes: „Da denke ich nur positiv für die Mannschaft. Aber kurz oder lang möchte ich Stammspieler sein, selbst wenn ich an unseren Trainern Arthur Matlik und Kamil Bednarski schätze, dass sie mir jede Entscheidung begründen.“

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Merkel sieht sich -und wir kommen wieder nicht um einen Vergleich herum – in der Schaltzentrale. Er meint nicht die der Macht, aber die im Schürener Mittelfeld. „Zurzeit spielen wir mit einem 4-2-3-1, da finde ich die Zehn sehr attraktiv. Sie liegt mir.“ Wie auch die Schürener Mannschaft: „Selbst wenn unsere Stimmungsmacher Eyüp Cosgun und Fabio Rummenigge nicht mehr da sind, haben wir eine Super-Truppe. Da kamen gute neue Jungs dazu.“

Martin Merkel liefert harmonische Klänge

Momenten aber ist Pause, die ja etwas „zu hart“ sei. „Na klar möchte ich auf den Platz, aber ich habe zum Glück auch Zeit für andere Dinge. Sollte die Kanzlerin auf einen Besuch der Merkels in Marten verzichten, weil sie keine Lust mehr auf Kommentare zu den Einschränkungen hat und den Begriff Lockdown nicht mehr hören mag, könnte Martin mit deutlich harmonischeren Klängen dienen.

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Wenn der Jurastudent Lust auf Musik hat – und die hat er oft -, setzt er sich ans Klavier. Beethoven und Chopin – welches noch so strenge Staatsoberhaupt bekäme da keine nur allzu menschlichen Emotionen? Stichwort streng: Mama griff früher auch wie die Mutti kürzlich im Umgang mit den Ministerpräsidenten mal durch, wenn der pubertierende Martin keine Lust auf Klavier hatte. „Strenge gehört auch dazu“, sagt der einsichtige Sohn. Einen Klassiker, den nicht nur Merkel-Kinder kennen, hörte Martin aber auch: „Mein Mutter sagte öfter, später wirst du mir dankbar sein. Und ehrlich gesagt bin ich das auch. Die Musik ist ein beruhigender Ausgleich.“

Irgendwann aber will Martin Merkel auch wieder da, wo er sich besonders wohlfühlt, jubeln. Auch da bevorzugt er es ruhig: „Ich mach da keine große Show.“ Vielleicht wäre die berühmte Merkel-Raute eine schöne Jubelidee? „Das ist sogar ein sehr guter Vorschlag, das mache ich“, kommentiert Schürens Frohnatur. Jetzt sagt Merkel danke.

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