Das Dortmunder Derby der Gegensätze: Eingespielt gegen eingekauft

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Wenn zwei Dortmunder Bezirksligisten am Sonntag aufeinandertreffen, kommt es zum Duell der Gegensätze. Beide Klubs waren zuletzt erfolgreich - mit einer völlig unterschiedlichen Philosophie.

Dortmund

, 12.09.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eingespielt oder auf hohem Niveau neu formiert? Welches Modell in der frühen Phase der Bezirksliga-Saison effizienter ist, sollte Fußballfans neugierig machen. Die Antwort erhalten sie am Sonntag ab 16 Uhr Im Odemsloh, wo zwei völlig verschiedene Mannschaften aufeinandertreffen.

Es geht im Derby der Gegensätze um RW Germania und VfL Kemminghausen. Nur die Spielphilosophie eint die Klubs auf den ersten Blick. Und die Tatsache, dass sie jeweils ihr erstes Meisterschaftsspiel gewannen.

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Auf der einen Seite spielt eine Mannschaft, die relativ ausgeglichen besetzt ist, auf der anderen Seite ein mit starken Einzelspielern gespicktes Team, das sich schnell finden muss.

Klaus Panitz, der RW-Vorsitzende, ist ein Original. Mit seiner väterlichen, humorvollen Art schafft er eine Wohlfühlstimmung in seiner Nähe. Und diese Atmosphäre möchte fast niemand verlassen: „Die Jungs sind zum Großteil seit drei Jahren beisammen. Abgänge sind ganz selten“, sagt Panitz.

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Und diese Einheit wächst mit ihren Herausforderungen. Der Grandseigneur des Dortmunder Fußballwestens aber hat es nicht gern übertrieben. „Uns zeichnet die Ruhe aus“, sagt er. „Schlagzeilen können andere produzieren.“

Manchmal bricht das Team aus der gewollten Zurückhaltung heraus. Das 5:0 in der Generalprobe gegen den Landesligisten Hombrucher SV fand stadtweit Beachtung. „Die erste Hälfte war das Beste, was die Mannschaft nach unserem Amtsantritt vor einem Jahr geliefert hat“, nutzte Trainer Dennis Rensmann sogar einen Superlativ.

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Der Auftaktsieg bei BW Huckarde (2:1) geriet da schon deutlich unspektakulärer. Panitz kommentiert trocken: „Besser schlecht gespielt und gewonnen als gut gespielt und verloren.“ Und die Qualität der Gegner sei größer als im Vorjahr: „Ich brauche keine Dortmunder Liga. Mit den Westklubs, Kemminghausen und attraktiven Nachbarn ist die Gruppe 9 doch töfte.“

Da der Verein in dieser „spannenden Liga“ Ruhe ausstrahlt, muss der Coach im Training und auf dem Platz schon mal Feuer reinbringen. Rensmann zählte als Spieler zu den witzigsten Typen, die immer und überall für Stimmung sorgten – er hatte Entertainer-Qualitäten: „Ja, meinen Humor gibt es noch. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir immerhin in der Bezirksliga sind. Da bin ich schon ziemlich ehrgeizig.“

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Und Rensmann wird dann im konkreten Fall auch deutlich: „Einige waren mit ihren Köpfen wohl noch beim 5:0 in Hombruch. Ja, das war super, aber gegen die tiefstehenden Huckarder hatten wir Probleme.“

Vorsitzender und Trainer aber sind sich einig: „Gegen Kemminghausen wird das ein ganz anderes Spiel. Da kommt ein Gegner, der nicht umsonst fünf Tore gegen Teutonia Waltrop erzielt und 5:0 gewonnen hat.“ Und da sprechen sie den Punkt an, der beide Teams eint: der Torhunger und die darauf ausgerichtete Spielweise.

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Die Germania, die sogar ohne den gefährlichen Angreifer Yannik Tielker (auch Tobias Marschallek und Abass Soumare fehlen) auskommen muss, schoss sich in der Vorbereitung warm. Der VfL startete eine Woche später mit neuem Personal fulminant in die Liga. Wer eine Toregarantie haben möchte, sollte also im Dortmunder Duell auf seine Kosten kommen. Hier dürften die Derby-Interessenten keine Fragen haben.

Ansonsten ist der VfL eben das krasse Gegenteil der eingespielten Germania. Tuna Kayabasi, der neue Kemminghauser Sportliche Leiter, baute dieses Offensivteam praktisch aus dem Nichts auf. Als er zum Gretelweg kam, hätten ihm die verbliebenen Verantwortlichen erklärt, er könne um neun Spieler den neuen Kader aufbauen. „Als ich kam, waren dann gerade noch zwei Spieler da.“

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Also ließ Kayabasi innerhalb weniger Monate all seine Kontakte spielen und verpflichtete Spieler wie den zweifachen Torschützen Seyit Ersoy aus den Städten rund um Dortmund. „Hier war es schwierig, auf die Schnelle noch gute Leute zu holen. Aber so haben wir eine neue interessante Mischung um unseren Coach Mirsad Gutic.“

Da aber der Ex-Bövinghauser Ali Abou-Saleh, Cihan Adin, und Savas Turhal verletzt sind und Hyusein Sdula in Bulgarien weilt, muss der neue Kader in der Breite schon sein Können zeigen. Und so sind die weiteren bekannten Namen Michael Oscislawski oder Marco Eckhoff, auf die Kayabasi große Stücke hält, gefragt. Aber der Sportliche Leiter glaubt, dass auch weitere Spieler Verantwortung übernehmen: „Ja, wir haben uns alle erstaunlich schnell gefunden.“

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Der VfL weiß auch um „das Ausrufezeichen von Germania gegen Hombruch“ (Kayabasi). Und er weiß um die rot-weißen Abläufe, die sie seit Jahren eingespielt haben. Kayabasi kennt zudem die Qualitäten des gegnerischen Trainerteams Dennis Rensmann/Alexander Schwarz.

„Alex ist fußballverrückt“

„Mit Alex habe ich vor Jahren in Dorstfeld zusammengespielt. Er ist fußballverrückt und leistet bei Germania mit Dennis sehr gute Arbeit.“ Also gibt es neben der Offensivlaune und dem siegreichen Start noch ein drittes verbindendes Element.

Fazit: Panitz, Rensmann, Kayabasi und Schwarz finden viele gute Gründe, sich auf dieses frühe Spitzen-Derby zu freuen. Die RW- und VfL-Anhänger dürften sich dem anschließen.

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