Das große Interview vor dem Brüder-Endspiel: Welcher Silberbach gewinnt Gold?

rnTennis

Sie waren Profifußballer. Jetzt spielen Guido (52 Jahre) und Jörg (54) Silberbach Tennis. Und das erfolgreich. Aber wer ist der bessere Spieler im Endspiel?

Dortmund

, 29.06.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gerade hatte Jörg auf der Anlage des TC Kirchhörde sein Halbfinale gegen Stephan Gebauer (7:5, dann Aufgabe des Gegners) gewonnen. Da traf er sich mit seinem Bruder, der zuvor Michael Paul 7:5 und 6:2 geschlagen hatte, und Alexander Nähle zum Gespräch. Es sollte dabei in erster Linie um Tennis gehen, aber eben auch um den Fußball, der sie in ganz hohe Ligen brachte.

Ist Tennis für Sie Ausgleich vom Ausgleich?

Jörg: Definitiv! Meine Abschiede als Trainer vom ASC 09 und Westfalia Herne verliefen nicht so schön. Tennis hat mir gleich Spaß gemacht und gutgetan.

Guido: Für mich auch! Denn ich lebe diesen Sport genauso wie Fußball und beschäftige mich sehr gerne mit Tennis. Ich nehme an jedem Turnier teil. Ich weiß nicht, ob ich als Trainer noch im Fußball arbeiten möchte.

Warum?

Guido: Ich habe immer für den Erfolg alles gegeben, bin selbst noch am Tag der Konfirmation meiner Tochter zum Fußball gegangen. Heute höre ich von den jungen Leuten oft Ausreden.

Ihr Ehrgeiz ist ein gutes Stichwort: Sie sind 73. der Deutschen Tennis-Rangliste, Ihr Bruder 33. der Herren 50. Wollen Sie ihn einholen?

Guido: Das wird sehr schwierig. Die Bilanz von 10:1 nach elf Spielen spricht für Jörg – auch in unserem Finale am Sonntag.

Jörg, auf welche Stärken Ihres Gegners achten Sie besonders?

Jörg: Selbst wenn es ihm so vielleicht nicht anzusehen ist, bringt er eine enorme Dynamik mit auf den Platz. Beim Fußball aber musste ich ihn in den Hintern treten, damit er nach hinten kam.

Guido, was sagen Sie über den Tennis-Jörg?

Guido: Ich hätte gerne seine Rückhand, seinen Slice.

Vor ein paar Jahren hätten wir uns auf dem Fußballplatz getroffen. Wie kam es, dass Sie jetzt dem kleineren Ball hinterherjagen?

Jörg: Ich bin zufällig über den Polizeisport zum Tennis gekommen. Ich habe dann beim VfL Bochum gemerkt, dass ich nicht untalentiert war. Als ich erfuhr, dass es Leistungsklassen und eine Deutsche Rangliste gibt, war der Ehrgeiz da. Ich spiele jetzt seit fünfeinhalb Jahren Tennis.

Guido: Ich hatte 1999 schon gespielt. Da stellte mich der damalige Trainer der SG Wattenscheid, Hannes Bongartz, vor die Wahl, Regionalliga-Fußball oder Tennis. Ich blieb Fußballer. Aber wie wir Fußballer nun mal so sind, spielen wir nebenher alles: Squash, Badminton und eben auch Tennis. Vor drei Jahren spielte ich mal gegen Jörg und verlor klar, und das, obwohl wir früher mal auf einem Level waren. Also war auch mein Ehrgeiz geweckt.

Klar: Ein paar Unterschiede sind offenkundig. Was aber bedeuten Ihnen die beiden Sportarten?

Jörg: Fußball bleibt klar meine Nummer eins. In erster Linie sehe ich den Unterschied, dass ich im Tennis eigenverantwortlich bin. Wenn ich verloren habe, war der andere besser oder ich schlechter. Ohnehin können wir beide unsere Platzierungen einordnen. Wir wissen, dass es da ehemalige Bundesligaspieler gibt. Auf weitere werde ich treffen, wenn ich kommendes Jahr in die Altersklasse 55 aufsteige.

Guido: Viele ehemalige Bundesligaspieler sind hinter uns, weil sie nicht oft genug um Punkte spielen. Zum Thema Mannschaftssport: Wir spielen im Tennis-Team auch füreinander.

Jörg: Ich versuche schon, den Teamgeist des Fußballs in mein Tennisteam zu bringen. Ich will, dass wir zusammenhalten.

Hier in Kirchhörde geht es nicht um Ranglistenpunkte,sondern um einen prestigeträchtigen Titel. Vor einem Jahr gewann Jörg nicht nur das Halbfinale gegen Sie, sondern auch das Endspiel. Sind Sie dennoch gerne hier?

Guido: Ich mag das Turnier. Vor zwei Jahren hatte ich die B-Klasse gewonnen, im Vorjahr gegen Jörg verloren, aber es macht Spaß, hier zu spielen.

Jörg: Hier ist alles familiärer. Und Kirchhörde ist ein guter Gastgeber. Ich fühle mich sehr wohl.

Sagen Sie das nach dem Endspiel auch noch?

Jörg: Ganz egal, wie es ausgeht: Wir setzen uns nachher zusammen.

Guido: Wir sind zwar beide sehr ehrgeizig und schenken uns nichts, aber das ist nach dem Spielsofort wieder vergessen.

Was könnte das Thema sein, wenn wir uns bald am Rande eines Fußballplatzes treffen?

Guido: Ich spiele nur noch bei Viktoria Kirchderne Alte Herren. Wie ich schon sagte, komme ich mit der jüngeren Generation der Fußballer nicht gut klar.

Jörg: Mein bislang letzter Verein, der VfL Schwerte, hat mir den Spaß am Fußball zurückgegeben. Ich freue mich auf eine neue Aufgabe bei einem gut geführten Klub. Dann hätten wir ein weiteres Thema. mal sehen, was kommt.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt