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„Das wissen wir auch selbst“: So reagiert der Kirchhörder SC auf Lothar Hubers Wutrede

rnKirchhörder SC

Nach Lothar Hubers vernichtender Bewertung zur grottigen zweiten Hälfte des Kirchhörder SC beim Lüner SV reagieren jetzt Spieler und Sportliche Leitung auf die verbale Ohrfeige.

Dortmund

, 23.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Wenn Lothar Huber (66) draufhaut, dann richtig. „Zu arm“, „zu wenig“, „zu harmlos“, seiner Mannschaft fehlten „Leidenschaft“, „Begeisterung“ und das „Selbstvertrauen.“ Wenn sein Team weiterhin so auftreten würde, „werden wir kaum noch ein einziges Spiel gewinnen“. Rumms. Das hat gesessen - und muss erstmal verdaut werden. Am Tag nach der harten 1:4-Niederlage beim Lüner SV äußern sich jetzt Mannschaft und Verein zu Hubers Rundumschlag.

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„Ich muss Lothar da schon zustimmen“, sagt Kai Gräfenkemper, Sportlicher Leiter von Noch-Westfalenligist Kirchhörder SC. Dem KSC fehle als Tabellenletzter im Moment oft die Überzeugung. Gräfenkemper ist auch überhaupt nicht überrascht von den harten Worten Hubers. „Lothar spricht Sachen immer ganz klar an, das war während seiner Karriere bei ihm ja nicht anders“, spielt Gräfenkemper auf die Profi-Laufbahn des Ex-BVB-Kapitäns an.

Auf die Frage, ob die Aussagen vom Sonntag nicht zu hart waren, wird der Sportliche Leiter sogar noch deutlicher. „Sowas muss man einfach abkönnen als Fußballer, ich habe manchmal das Gefühl, dass die heutigen Generationen das nicht mehr können.“ Auch Jörg Mielers, Ex-Schalke-Profi und ebenfalls Sportlicher Leiter beim Kirchhörder SC, stimmt sowohl Gräfenkemper als auch Huber zu.

„Das wissen wir auch selbst“: So reagiert der Kirchhörder SC auf Lothar Hubers Wutrede

Lothar Huber war alles andere als zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft gegen Lünen. © Nils Foltynowicz

„Wir wissen warum wir verloren haben, wir sind gebeutelt ohne Ende“, kommentiert Mielers die Niederlage beim LSV. Damit hat er natürlich nicht Unrecht, die Kirchhörder waren in dieser Saison vom Verletzungspech verfolgt, Spieler wie Stürmer Christian Wazian stehen zwar wieder auf dem Feld, sind aber noch nicht wieder bei 100 Prozent. Deswegen hätte Mielers nach der 1:4-Niederlage nicht ganz so harte Worte gewählt, wie Huber es getan hat. „Lothar ist direkt nach dem Spiel halt immer sehr emotional, er kann einfach nicht verlieren. Das ist bei mir aber auch so.“ Der KSC-Trainer sei immer mit vollem Herzen dabei und genau wie Mielers von der alten Schule. „Der weiß einfach, wie man fightet.“

Die Wutrede von Huber habe zwar etwas hart geklungen, aber im Grunde gibt auch Jörg Mielers dem Trainer Recht. „Den letzten Kampf bis aufs Blut vermisse ich, das ist einfach zu wenig.“ Und Mielers setzt noch ein Statement oben drauf: „Vielleicht ist bei manchen Spielern schon - ohne dass sie es wollen - im Unterbewusstsein, dass sie den Verein verlassen werden.“

Kirchhörder Spieler stimmen ihrem Trainer zu

Nach Huber jetzt also auch noch Seitenhiebe aus den Reihen der Sportlichen Leitung. Aber was sagen die Protagonisten dazu? Aleksandar Djordjevic wurde gegen Lünen in der 65. Minute von Lothar Huber aufs Feld geschickt, da stand es bereits 1:4. „Der Spielstand war natürlich kacke, aber ich will einfach immer Fußball spielen“, sagt der Kirchhörder. „Lothar hat mir nochmal gesagt, dass ich Gas geben soll.“ Ausrichten konnte Djordjevic aber nichts mehr - und zufrieden ist er natürlich auch nicht mit der Leistung.

„Sowas muss man einfach abkönnen als Fußballer.“
Kai Gräfenkemper, Sportlicher Leiter des Kirchhörder SC

„Lothar hat nach dem Spiel eigentlich schon alles gesagt, nach den zwei schnellen Gegentoren war die Moral dann einfach weg bei uns.“ Eine solche Ansage wie die am Montag habe der KSC-Spieler von Huber noch nicht gehört, seit er im Winter zur Mannschaft gestoßen ist, Huber sei eigentlich immer sehr sachlich, erklärt Djordjevic.

Der Punkt, den Djordjovic anspricht - dass die Moral nach den Gegentoren weggewesen sei - ist der zentrale Punkt, den Lothar Huber in seiner Rede kritisiert hat. KSC-Stürmer Christian Wazian beschreibt, wie er sich nach den Gegentoren auf dem Platz gefühlt hat: „Nach dem 1:3 habe ich mich gefragt, wie wir das noch aufholen sollen.“ Seiner Meinung nach hätten er und seine Kollegen danach aber nicht aufgehört, Gegenwehr zu leisten. „Wir hatten ja noch Chancen, aber wenn man unten drin steht, hat man auch oft Pech.“

Kirchhörde plant mit dem Abstieg - die Spieler aber noch nicht

Seinem Trainer stimmt er aber trotzdem zu: „Lothar hat nicht ganz Unrecht, die Sachen stimmen schon, die er so gesagt hat.“ Das liege aber auch an der Situation beim Kirchhörder SC. „Selbstbewusstsein zu haben ist halt schwer, wenn du unten drin stehst und dann schon 1:3 zurückliegst.“

Vielleicht klappt es ja ab sofort wieder mit dem Selbstbewusstsein beim Kirchhörder SC. Im März 2018 hatte Lothar Huber nach dem 0:3-Debakel gegen Brackel und dem drohenden Abstieg nämlich auch schon gewütet. Danach schaffte der KSC in den letzten Spielen noch den Klassenerhalt. Funktioniert das auch ein zweites Mal?

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„Lothar wollte damit bestimmt nochmal einen Weckruf geben“, glaubt auch Jörg Mielers, aber: „Mit der Situation von vor einem Jahr kann man das nicht vergleichen, da waren alle Leistungsträger gesund.“ Auch Kai Gräfenkemper sieht die Chancen auf ein erneutes Kirchhörder Wunder eher gering. „Ich glaube, wir sind schon ein ganzes Stück weiter als letztes Jahr, jetzt sind viele Spieler angeschlagen.“ Die Sportliche Leitung plant also schonmal mit dem möglichen Landesliga-Abstieg.

Bei den Spielern sieht das aber noch anders aus: Aleksandar Djordjevic werde noch „bis zum letzten Tag“ daran glauben, dass der KSC es schaffen wird, Mannschaftskollege Christian Wazian sieht das ähnlich. „Von uns erwartet es keiner, aber intern hoffen wir es. Ich zahle auch gerne in die Mannschaftskasse: Die Hoffnung stirbt zuletzt“, erklärt Wazian, der den KSC am Ende der Saison in Richtung Holzwickede verlassen wird.

Hat Lothar Hubers Wutrede also tatsächlich schon wieder etwas bewegt? Brauchen die Kirchhörder Spieler vielleicht genau solche Ansagen? „Ich behaupte nein“, sagt Wazian. „Wir kennen die Situation, es könnte zwar helfen, aber das wissen wir auch alles selbst.“

Sollte es am Ende der Saison doch wieder mit dem Klassenerhalt funktionieren, hat Lothar Huber mal wieder alles richtig gemacht. Sein Erfolgsrezept? „Leidenschaft“, „Begeisterung“ und „Selbstvertrauen.“ Wenn sich seine Mannschaft eine Scheibe davon abschneidet, klappt es vielleicht auch noch mit der Westfalenliga.

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