Denkmalschutz behindert Vereine im Hoeschpark

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In saftigem Grün erstrahlt der über 100 Meter lange Kunstrasenplatz der Dortmunder Giants im Hoeschpark. Ende 2015 fanden die Footballer dort eine neue Heimat. Zuschauertribünen gibt es bislang nicht - ein gravierendes Verlustgeschäft für den Verein. Schuld daran ist, dass die umliegenden Flächen geschützt sind. Auch die Baseballer der Wanderers direkt nebenan schlagen sich mit dem Denkmalschutz herum.

DORTMUND

, 09.08.2017, 10:01 Uhr / Lesedauer: 4 min
Denkmalschutz behindert Vereine im Hoeschpark

Das größte Sorgenkind der Wanderers ist der Zustand des Schlagkäfigs, dem sogenannten Batting Cage.

„Wir sind total dankbar für den neuen Platz nach Standard der National Football League, aber die finanziellen Einbußen durch fehlende Eintrittsgelder setzen uns extrem zu“, schildert Markus Wiesemes, Präsident der Giants, die prekäre Lage seines Vereins. So schön der Platz auch sei, ohne Tribünen für 400 bis 600 Zuschauer pro Spiel sei die Zukunft der Dortmunder Footballer stark bedroht. Wiesemes schätzt die Verluste im Jahr auf 10.000 Euro.

Beliebte Laufstrecke

Erschwerend hinzu komme, dass es dem Verein nicht erlaubt sei, die Tore zum Spielfeld abzusperren. „Das ist wohl eine beliebte Laufstrecke. Daher gab es Widerstand, dem sich die Parkleitung beugen musste“, so Wiesemes. Die Folgen: Brandflecken und Hundehaufen.

Der Umzug der Footballer in den Hoeschpark war die Idee der Stadt, um das Freizeitangebot dort weiterzuentwickeln. Dazu gehörte auch die „Verbesserung der Trainings- und Wettkampfbedingungen“ der Giants – samt Tribüne und Funktionsgebäude mit Platz für Umkleiden, Lager-, Büro- und Schulungsräume. Kostenpunkt: 5,5 Millionen Euro.

Geschütze Flächen

Der Bau einer Tribüne scheitere an den geschützten Flächen um die neue Spielstätte herum. Die Mauer entlang des Platzes dürfe nicht abgerissen, das Waldstück an der Nordseite nicht abgeholzt werden. „Konkrete Forderungen oder Planungsabsichten der Giants wurden uns gegenüber bislang nicht geäußert. Die Giants merkten in der Vergangenheit an, dass es ein Wunsch von Ihnen sei, mit dem Bau einer Tribüne eine Verbesserung der Wettkampfstätte zu bewirken“, teilte die Stadt Dortmund auf Anfrage mit. Um die Chancen für die Realisierung ausloten zu können, müsse aber die Denkmalbehörde eingebunden und die Fragen der Finanzierung geklärt werden.

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Eine Alternative sowohl für das Training als auch einen Tribünenstandort wäre noch das benachbarte Rasenfeld. Doch trotz eines Beschlusses des Oberbürgermeisters, dürften die Footballer da nicht drauf: „Die Parkleitung befürchtet, dass wir den Platz kaputtmachen. Das ist ein uraltes Vorurteil gegenüber Footballern. Es liegt aber in unserem eigenen Interesse, dass wir keinen Acker daraus machen.“ Nur die U 13 dürfe auf dem Grün trainieren.

Umziehen in Schichten

Das Training auf Rasen sei entscheidend, da 90 Prozent der Gegner darauf trainieren und die Bedingungen auf Kunstrasen komplett anders seien. „Auf Rasen rutscht man schneller weg“, erklärt Wiesemes. Laut der Stadt Dortmund haben sich die Giants nicht über die Gründe geäußert, warum die Kunstrasenplatz-Anlage nicht mehr ausreichend sein könnte. Die seit Anfang 2017 für den Hoeschpark zuständigen Sport- und Freizeitbetriebe wollen nun das Gespräch mit dem Verein suchen.

Das versprochene Funktionsgebäude lässt auch noch auf sich warten. Stehen soll es auf dem ungenutzten Tennisgelände der TG Westfalia. „Der dadurch gewonnene Raum wäre kostbar für uns“, betont der Giants-Präsident. Die jetzigen Umkleiden seien einfach zu klein für die 100 Spieler – ausgelegt für Fußballer, bieten sie keinen Platz für die sperrigen Footballmonturen. „Wir ziehen uns in Schichten um“, so Wiesemes. Aber auch nach mehr Platz für Schulungen und für die schweren Trainingsgeräte sehnen sich die Footballer.

Neue Umkleiden

Seit dem Wechsel in der Betriebsführung Anfang 2017 hat es laut der Stadt bereits umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur des Hoeschparks gegeben. Im Frühjahr seien etwa die Umkleiden am Kunstrasenplatz modernisiert worden. Zudem gebe es Pläne, Sportanlagen zu erweitern und teils neu zu bauen, um den Raumbedarf zu decken.

Auch den Baseballern von den Wanderers seien Räumlichkeiten im geplanten Funktionsgebäude zugesichert worden, so Vereinsvorsitzender Oliver Görich. Die Baseballer sind schon über zehn Jahre im Hoeschpark und schlagen sich seitdem mit den dortigen Denkmalschutzbestimmungen herum. „Eigentlich ist unser Stadion ein Traum. Viele Vereine aus der Region kommen gerne zu uns. Dortmund liegt nun mal im Zentrum von Nordrhein-Westfalen. Da steckt viel Potenzial drin, das aber ungenutzt bleibt“, sagt Görich.

Kampf gegen Windmühlen

Die Heimatstätte der Wanderers steht auf der ehemaligen Radrennbahn. Ein imposanter Anblick, der im Laufe der Zeit aber an Glanz verloren hat. Kleinste Veränderungen, geschweige denn Reparaturen, seien nicht möglich. Es fehle sogar die Erlaubnis, selbst tätig zu werden. In dem undichten Tunnel direkt am Stadion, auch Tropfsteinhöhle genannt, wo das Equipment lagert und Schimmel ansetzt, wurde schon mehrfach eingebrochen. Aus eigenen Mitteln das Schloss auszuwechseln sei nicht erlaubt. „Schon an solch kleinen Notwendigkeiten scheitert es. Das frustriert einfach“, sagt Görich. Schon viele hätten den Kampf gegen die Windmühlen aufgegeben. „Das machen nur Verrückte mit und auch die sind irgendwann ausgebrannt.“

Wie bei den Giants haben auch die Wanderers keinen exklusiven Zugang zu ihrem Stadion, wodurch sich regelmäßig Randalierer dort zu Schaffen machen. Zudem gestaltet es sich schwierig, Eintritt zu generieren. Die Mühe, dafür Bereiche mit Sichtschutz abzusperren, macht sich der Verein schon längst nicht mehr.

Denkmalschutzauflagen

Das größte Sorgenkind ist aber der in Mitleidenschaft gezogene Batting Cage (Schlagkäfig). Wenn man den Bereich einen Meter tieferlegen, ein Dach drauf bauen würde, wären die Anforderungen für einen Landesleistungsstützpunkt erfüllt – ohne das Gesamterscheinungsbild des Hoeschparks zu beeinträchtigen. Denn das sei der Grund, warum sich bisher nichts getan hat. Dort gebe es dann auch die Möglichkeit, das Equipment zu lagern und Sanitärräume einzurichten. Die Pläne rund um die neue Schlaganlage konnten laut der Stadt, aufgrund der Denkmalschutzauflagen, bisher nicht umgesetzt werden.

„In 99 Prozent der Fälle werden unsere Lösungsvorschlage wegen des Denkmalschutzes abgelehnt. Doch wir glauben mittlerweile, dass das nur vorgeschoben ist. Es scheint eher Desinteresse zu sein“, bedauert der Vereinsvorsitzende, der in diesem Jahr sein 20. Vereinsjubiläum feiert. „Der Standort in einem öffentlichen Park ist Fluch und Segen zugleich. Das Ambiente mit dem vielen Grün ist einzigartig, aber die Einschränkungen sind immens.“ Wenn sich nichts ändert, sieht Görich den Bundesliga-Status und somit die Zukunft des Vereins in ernster Gefahr. Dann fehle der sportliche Input, und der Nachwuchs würde ausbleiben. Die Baseballer spielen sogar mit dem Gedanken, auf irgendeinem Acker wieder von Null anzufangen, trotz bisher positiv verlaufender Gespräche mit der neuen Parkleitung: „Wir werden seit über einem Jahrzehnt hingehalten. Unser Vertrauen ist erschöpft.“

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