Der geplante Neuanfang bei Mengede 08/20

Fußball: Westfalenliga 2

Bisher haben Tobias Vößing (33) und Dirk Zimmermann (30) als Trainer der Mengeder U 23 und der A2-Junioren des Hombrucher SV gearbeitet. Nun wollen sie in den höherklassigen Dortmunder Seniorenbereich neuen Schwung bringen. Zimmermann, der bereits als Sportlicher Leiter des Noch-Westfalenligisten Mengede 08/20 die neue Mannschaft plant, und der zukünftige Trainer Vößing sprachen mit Alexander Nähle über das Mengede der Zukunft.

DORTMUND

, 29.03.2017, 10:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch in diesem Jahr müssen Sie den Kader umkrempeln, und das vor dem Hintergrund des wohl bevorstehenden Abstiegs. Wenn Sie alle Probleme bewältigt haben und wir uns im kommenden Jahr wiedersehen, was dürfen wir dann titeln?

Dirk Zimmermann: Mir reichte schon: „Diesmal kein Umbruch!“Tobias Vößing: Ich hätte gerne: „Mengede in ruhigen Fahrwassern“.

 

Dass bei zwölf Punkten Rückstand der Abstieg so gut wie besiegelt ist, berücksichtigen Sie aber in Ihren Planungen?

Vößing: Ich bin da schon Realist, halte es aber für richtig, dass Mannschaft und Trainer bis zur rechnerischen Entscheidung nicht aufgeben. Ich bewundere es im Übrigen auch, dass die treuen Zuschauer und die vielen Helfer nach wie vor an die Mannschaft glauben. Ich erlebe den Verein sehr positiv.

 

Dabei scheint der Trend seit Längerem negativ zu sein. Sind sie zu mutig?

Vößing: Nein, das ist ein wichtiger Punkt. Ich empfinde es so, dass sich der Verein kleiner darstellt, als er ist. Hier sind so viele Freiwillige im Einsatz, die 08/20 sehr mögen. Im Unterschied zu anderen Klubs ist Mengede damals mit Etatkürzungen sehr ehrlich an die Öffentlichkeit gegangen. Ich stelle aber fest, dass wir hier Mittel haben, mit denen wir uns vor anderen Landesligisten nicht verstecken müssen und mit denen wir eine gute Mannschaft aufbauen können.

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Was haben Sie noch im Angebot?

Zimmermann: Wem es auf 15 Euro mehr ankommt, den können wir vielleicht nicht nehmen. Dafür macht es der Verein den Spielern aber so angenehm wie möglich. Die Jungs kommen nur mit dem Kulturbeutel her, weil die fleißigen Mitarbeiter alles waschen. Hier gibt es noch echtes Vereinsleben. Und danach suchen wir auch die Spieler aus. Dem Verein fehlt es momentan in der Tat an Selbstbewusstsein, aber er hat allen Grund, seine vielen positiven Argumente vorzutragen.

 

Sie waren Jugendspieler bei Ajax Amsterdam. Letztendlich beendeten Sie wegen einer schweren Verletzung Ihre aktive Laufbahn. Was macht Sie zu einem Sportlichen Leiter?

Zimmermann: In meinem Beruf als Assistent der Geschäftsleitung einer Firma beschäftige ich mich viel mit Menschen. Ich habe eine sehr gute Menschenkenntnis und Beobachtungsgabe und erkenne geeignete Fußballer und Typen. Ich bin jung, dynamisch und innovativ.

 

Was müssen die Spieler in Mengede jetzt mitbringen?

Zimmerman: Lassen Sie mich das konkretisieren: Ich beobachte die Spieler schon, wenn sie zum Training oder zum Gespräch kommen. Machen Sie da den Kasper und sind dann im ersten Training und im Gespräch ganz ruhig, weiß ich, sie verstellen sich vor dem Trainer oder mir.

 

Der Charakter ist wichtig – dem stimmt der Trainer sicherlich zu. Ist es für Sie, der in Bochum den A-Ligisten TuS Querenburg und die Hombrucher A-Junioren trainiert, schwierig, jetzt vor erfahrenen Fußballern zu stehen?

Vößing: Überhaupt nicht! Erstens trainiere ich im Junioren- und Seniorenbereich und plane auch die A-Lizenz. Ich finde den richtigen Weg, um die Spieler zu verbessern. Das geht heute nicht mehr à la Felix Magath. Wir lachen, aber arbeiten auch akribisch. Dazu gehört eine sehr gute Vorbereitung. Ich könnte Ihnen jetzt schon sagen, was wir in der dritten Trainingswoche am Donnerstag machen. Nur personelle Engpässe oder Testspiele könnten was daran ändern.

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Was für eine Mengeder Mannschaft dürfen denn die treuen Zuschauer erwarten?

Zimmermann: Um einen weiteren Umbruch kommen wir nicht herum. Sieben, acht Leute bleiben. Wir freuen uns, dass Tim Gebauer als Urgestein der Eckpfeiler unserer neuen Mannschaft wird. Wir wollen am 1. April unsere Planungen abgeschlossen haben. Es soll eine Mischung sein aus ambitionierten Nachwuchsspielern, Perspektivspielern aus der Bezirksliga, aber auch welchen, die wir persönlich aus dem Castroper und Bochumer Raum kennen. Es soll eine junge Truppe sein.

 

Sie arbeiteten während Ihres dreijährigen Praktikums bei Schalke 04 auch als Talentscout. Sehen wir davon welche im Mengeder Dress?

Zimmermann: Eher nicht, aber wir haben schon einen sehr guten Überblick.Vößing: Ich bin seit meinem 14. Lebensjahr Jugendtrainer und kenne in vielen Jahrgängen fast alle Spieler im Bochumer Raum. Durch diese Kontakte könnte schon der eine oder andere Wechsel jetzt nach Mengede zustande kommen.

 

Der Einsatz für den Fußball soll sich ja auch lohnen. Wohin soll die Reise gehen?

Vößing: Wir geben bewusst kein zu ehrgeiziges Ziel aus. Von der Struktur her ist Mengede ein Westfalenligist. In dieser Liga wollen wir den Klub langfristig auch wieder etablieren.

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