Deutschland-Achter hat Olympia-Gold fest im Visier

Sportlerwahl 2011

Den Titel als NRW-Mannschaft des Jahres 2011 haben sie bereits in der Tasche, bei der Wahl zu Deutschlands Mannschaft des Jahres mussten sie nur die Fußballer des BVB 09 und der Nationalmannschaft vorlassen. Nun wollen die Ruderer des weltmeisterlichen Deutschland-Achters auch Dortmunds Team-Titel 2011.

DORTMUND

19.12.2011, 12:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Deutschland-Achter bleibt das Aushängeschild des DRV.

Der Deutschland-Achter bleibt das Aushängeschild des DRV.

Anfang Dezember dampfte die 16-köpfige Olympia-Flotte ins italienische (und wärmere) Sabaudia ab. Den Trainingslager-Auftakt aber gab‘s im Dortmunder Stützpunkt, 200 Kilometer pro Woche auf dem Ems-Kanal: An fünf Tagen jeweils 40, meist im Zweier. Und an den restlichen zwei Tagen stand das Krafttraining im Mittelpunkt. „Körperlich bin ich schon mehr kaputt als sonst“, gesteht Eric Johannesen, „an Tagen mit morgens und nachmittags Rudern und dazwischen einer Grundlagen-Ausdauer-Einheit über 90 Minuten geht man schon an seine Reserven“. Da müsse man sich mittags schon mal hinlegen, wie der Sportsoldat zugibt. Bei aller Qual, das Wörtchen „Spaß“ kommt den Modellathleten dennoch erstaunlich häufig über die Lippen. „Jeder von uns weiß, dass es irgendwann richtig losgeht. Wichtig ist, dass wir alle zusammen trainieren. Das ist ein gutes System. Es macht Spaß in dieser Gruppe“, sagt der 23-jährige Mann von der Backbord-Seite.

Für diesen „Spaß“, der in den letzten drei Jahren mit drei beeindruckend herausgefahrenen Weltmeister-Titeln in Serie einherging, nehmen die Recken viel in Kauf. Max Reinelt zum Beispiel, Medizinstudent an der Ruhr-Uni in Bochum, steht um sechs Uhr morgens auf, radelt um halb sieben zum Stützpunkt. Eine halbe Stunde später geht‘s aufs Wasser, nach der Einheit auf die Massagebank und anschließend an die Uni, Büffeln von 10 bis 13 Uhr. Anschließend nimmt der Ulmer ein Häppchen in der Mensa zu sich, dann führt der Weg zurück zum Stützpunkt, die zweite Trainingseinheit wartet. Abends packt „Max“, wie er von allen gerufen wird, im Ruheraum am Ems-Kanal seine dicken Lehrbücher aus. Dann raucht wieder der Kopf und nicht die Muskulatur.

Drei Weltmeister-Titel hat Reinelt mit seinen Jungs vom Kanal eingefahren – im Sommer 2012 wartet seine erste Olympia-Teilnahme. „Olympia ist mein großes Ziel schon seit meiner Jugend, es ist einfach ein Mythos. Die Gold-medaille in London, dafür bin ich jeden Tag am Stützpunkt.“ Mit dieser Einstellung steht der angehende Mediziner nicht alleine. Bis zu 25 Stunden pro Woche widmen die ehrgeizigen, zielstrebigen Riemen-Recken neben Studium und/oder Beruf derzeit ihrem Sport und ihren Träumen. Und weil die Kälte inzwischen Dortmund fest im Griff hat, reisen sie in eisfreie Gefilde: Gerade zurückgekehrt aus Sabaudia, geht’s Anfang Januar für knapp drei Wochen dorthin zurück und Ende Februar dann ins südspanische Sevilla.

Die Sportlerwahl am 1. Februar in der Mercedes-Benz Niederlassung haben sich die Achter-Jungs aber ebenfalls fest in den Terminkalender eingetragen, schließlich trugen sie bereits drei Mal die Statuette nebst 2000-Euro-Scheck zurück zum Ems-Kanal. Als Referenz bringen Bundestrainer Ralf Holtmeyer und seine Mannschaft diesmal 30 Siege in Serie über die olympische 2000-Meter-Distanz mit, darunter den prestigeträchtigen Erfolg bei der Royal Henley-Regatta, ausgerechnet gegen (Olympia-)Gastgeber Großbritannien. Krönung war der Weltmeister-Titel für das DRV-Großboot im slowenischen Bled – und das trotz eines gerissenen Auslegers. Diese Männer kann offenbar nichts stoppen.  

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