Die Dortmunderin Christina Hammer greift auf neuem Terrain nach der Box-Krone

Boxen

Christina Hammer will es noch mal wissen. Die 30-Jährige greift nach nicht weniger als der Box-Krone und begibt sich dabei auf ganz neues Terrain.

Dortmund

, 16.10.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Dortmunderin Christina Hammer will es noch mal wissen.

Die Dortmunderin Christina Hammer will es noch mal wissen. © dpa

Christina Hammer meint es ernst mit dem Angriff auf die Box-Krone. Nach einem viertägigen Sparring-Camp in München bereitet sich die einstige Königin des Mittelgewichts in Dortmund auf den Kampf gegen die Finnin Sanna Turunen vor. Es ist ihr erster Kampf in einer neuen Gewichtsklasse.

Gekämpft wird am 31. Oktober in München, besser gesagt im Münchner Infinity-Hotel vor voraussichtlich 499 Zuschauern. Vorausgesetzt eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen in Bayern macht dem nicht noch einen Strich durch die Rechnung.

Hammer wird zum ersten Mal im Supermittelgewicht antreten, kann also 76,203 Kilogramm auf die Waage bringen, statt wie bisher 72,574 Kilogramm.

Natürlich geht es in München um etwas, nämlich um die Rückkehr von Christina Hammer auf die große Bühne des Boxens. Gegen die Finnin Turunen kämpft Hammer um die Interims-Weltmeisterschaft des WBC und um den vakanten WM-Titel der WIBF.

Der Interims-Titel des WBC hat Priorität

Priorität besitzt der Interims-Titel des WBC, eine der vier großen Box-Organisationen neben WBA, WBO und IBF. Wer diesen Kampf gewinnt, der soll danach gegen WBC-Weltmeisterin Franchon Crews Dezurn aus den USA in den Ring steigen. Denn diese kann aufgrund der Corona-Pandemie ihren Titel derzeit nicht gegen die vom Verband angeordnete Gegnerin mit dem höchsten Ranking verteidigen.

Christina Hammer will erneut wie auf diesem Foto jubeln, als sie 2017 ihren WBC-Weltmeistergürtel gegen die Schwedin Maria Lindberg verteidigte. Ende Oktober will sie sich den Gürtel wieder umschnallen, dann als Supermittelgewichts-Weltmeisterin.

Christina Hammer will erneut wie auf diesem Foto jubeln, als sie 2017 ihren WBC-Weltmeistergürtel gegen die Schwedin Maria Lindberg verteidigte. Ende Oktober will sie sich den Gürtel wieder umschnallen, dann als Supermittelgewichts-Weltmeisterin. © picture alliance / Guido Kirchne

Da Hammer jedoch vom Mittel- ins Supermittelgewicht aufsteigt und folglich im Oktober-Ranking des WBC am höchsten platziert sein wird, erhält Hammer die Chance auf den grün-goldenen Interims-Titel.

Mit einem Erfolg gegen Turunen, der Nummer elf der unabhängigen Weltrangliste (im allerdings äußerst dünn besetzten Supermittelgewicht), hätte Hammer zudem die Chance, ihren eher missglückten ersten Auftritt in den USA gegen Claressa Shields vom April 2019 vergessen zu machen. Für Hammer ist es der 28. Kampf, für Turunen der elfte.

Dagegen verblasst der Titel der WIBF naturgemäß etwas. Präsident der WIBF, deren berühmteste Weltmeisterin Regina Halmich war, ist seit einigen Monaten der Hanauer Ulrich Bittner, der dem Kampf schon entgegenfiebert: „Christina Hammer wäre für unseren Verband, nach dessen Neuausrichtung, ein hervorragendes Aushängeschild.“

Harte Arbeit für Hammer

Doch bevor es nach München geht, ist harte Arbeit angesagt. Im Dortmunder Westen, in der Wischlinger Eishalle und auf dem Deusenberg, wo Hammer unter der Aufsicht von Coach Dimitri Kirnos an ihrem Leistungsvermögen feilt. Eigentlich war wieder ein Trainingslager in Österreich geplant, musste aber wegen der Corona-Bestimmungen abgesagt werden.

Kein Problem für Christina Hammer, die ausgeglichen wie lange nicht mehr wirkt, als sie zum Interview-Termin erscheint. Zwar mit reichlich Verspätung wegen des Nachmittagsstaus auf der B 1, aber das ist quasi ihr täglich Brot. Hammer hat ihre gut einjährige sportliche Odyssee durch den Norden der Republik abgeschlossen und ist mittlerweile am Phoenix See gelandet.

Trainiert wird fünf Tage in der Woche, unterm Strich sind das zehn bis elf Trainingseinheiten. „Das ist alles in Ordnung. Aber natürlich freue ich mich schon auf das neue Box-Leistungszentrum an der Helmut Körnig-Halle. Das wird sicherlich eine fantastische Sache“, so Hammer, die zufrieden wirkt – auch wenn das provisorische Trainingscamp in Wischlingen noch immer den kühlen Charme eines Eisschranks versprüht.

Hammer wirkt selbstbewusster

Christina Hammer hat sich in den letzten 18 Monaten nach ihrer Niederlage gegen die Doppel-Olympiasiegerin Claressa Shields verändert. Sie strahlt mehr Ruhe aus, wirkt reifer und selbstbewusster. Was natürlich auch am Alter liegen kann. Hammer hat im August die 30 überschritten. Fast scheint es so, als hätte sie aus der Niederlage gegen Shields etwas gelernt.

Zwei oder drei Jahre wolle sie noch boxen, danach mache sie sich Gedanken, was dann kommt, so Hammer, die als kleines Mädchen mit ihren Eltern aus Kasachstan nach Deutschland kam. Die Eltern blieben in Sontra bei Kassel, Tochter Christina lebt seit 2009 in Dortmund.

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Natürlich mangele es ihr in Dortmund an einer Gegnerin für das wichtiges Sparring. Früher habe sie deshalb immer gegen ihre männlichen Mitstreiter geboxt. „Ich habe aber im Laufe der Zeit festgestellt, dass Männer doch einen anderen Stil als Frauen boxen, sich anders bewegen. Das ist auf Dauer nicht optimal“, so Hammer.

„Sie hat wieder Hunger, ich muss sie bremsen“

Um etwas mehr Niveau in die Sache zu kriegen, flog sie in der vergangenen Wochen zusammen mit ihrem Trainer Dimitri Kirnos für vier Tage nach München zum Sparring. Ihr Münchner Promoter Alexander Petkovic hatte die erfahrene Münchnerin Yvonne Dierl für vier Trainingstage verpflichtet.

Acht Monate liegt Hammers letzter Kampf zurück. Jetzt brennt sie wieder darauf, in den Ring zu klettern. „Sie hat wieder Hunger, ich muss sie bremsen, damit sie nicht zu früh in Form ist“, erklärt die mittlerweile 85 Jahre alte Trainer-Legende Dimitri Kirnos.

Allein die Sache mit dem Hunger kann auch was Gutes haben, darf die Dortmunderin nach ihrem Aufstieg ins Supermittelgewicht doch fast vier Kilogramm mehr auf den Rippen haben. „Zum ersten Mal in meiner Laufbahn“, strahlt Christina Hammer, „muss ich mir keine Sorgen um mein Gewicht machen.“

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