Die SG Dortmund verliert ihr Schwimm-Aushängeschild

Schwimmen

Dortmunds Schwimm-Aushängeschild verlässt nach acht Jahren die SG Dortmund und wechselt nach Heidelberg. In Sachen Trennungs-Gründe gehen alle Beteiligten auf Tauchstation.

Dortmund

, 06.06.2021, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die SG Dortmund verliert ihr Schwimm-Aushängeschild

© imago/Eibner

Nach acht Jahren ist der Moment gekommen, auf dem eigentlich niemand so richtig vorbereitet war. Luca Nik Armbruster fehlte im Aufgebot zur Deutschen Meisterschaft, die am Wochenende in Berlin ausgetragen wurde. Nicht, weil er krank im Bett liegt, sondern weil sich die Wege der SG Dortmund und ihres Aushängeschild trennen. Ab sofort. „Ich brauchte einen Tapetenwechsel, nach dem Abi beginnt für mich jetzt ein neuer Lebensabschnitt. Ein kompletter Neustart mit neuem Wohnort, einem neuen Verein, einem neuen Trainer und einem Studium“, erklärt der 19-Jährige, der seit gut einer Woche in Heidelberg wohnt, trainiert und wohl bald auch dort studiert.

Will in seiner Spezialdisziplin Schmetterling zur den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Luca Nik Armbruster.

Will in seiner Spezialdisziplin Schmetterling zur den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Luca Nik Armbruster. © Carsten Loos

Offensichtlich hatte sich der Abschied von Armbruster, Dortmunds Sportler des Jahres 2019, schon längerei Zeit angekündigt. Irgendwas muss passiert sein, irgendwie schien es nicht mehr so reibungslos zu laufen. Man nennt das auch atmosphärische Störungen. Kommt selbst in den besten Familien vor. Unterm Strich muss dann zwar keine Trennung stehen, im Fall von Luca Nik Armbruster und der SG Dortmund steht sie aber. Armbruster wollte inhaltlich „lieber nicht darüber reden“, sagt stattdessen, dass die Zeit bei der SG Dortmund ihm viel gegeben habe, dass ihn Trainer Stefan Wittky über Jahre hinweg toll begleitet habe, ihm viele Chancen ermöglich habe, dass es lange Zeit sehr gut gewesen sei in Dortmund. Heißt dann wohl: Zuletzt war es wohl nicht mehr so gut.

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Natürlich gibt es bei Trennungen immer auch eine zweite Seite, nämlich die der SG Dortmund. Mehr als Andeutungen sind auch hier nicht zu erfahren. Nur, dass Armbruster zuletzt sehr wenig trainiert haben soll. Schmutzige Wäsche will man aber nicht waschen. SG-Trainer Stefan Wittky umschreibt es so. „Schlussendlich haben wir uns im beiderseitigen Einvernehmen getrennt. Wir hatten eine erfolgreiche und schöne Zeit und ich wünsche ihm alles Gute. Vom Umfeld hat alles gepasst, wir haben ihm sehr interessante Perspektiven aufgezeigt, er hat sich aber für Heidelberg entschieden“, sagt Wittky. Der sich eine kleine Spitze nicht verkneifen kann: „Die Zeit geht weiter, auch ohne Luca Nik. Wir haben einige Athleten, die sich gut entwickelt haben.“

Die Atmosphäre zwischen Luca Nik Armbruster und der SG Dortmunder war zuletzt etwas angespannt.

Die Atmosphäre zwischen Luca Nik Armbruster und der SG Dortmunder war zuletzt etwas angespannt. © Privat

Während seine ehemaligen Teamkameraden in Berlin um die nationalen Titel schwammen, saß Luca Nik Armbruster schon in Heidelberg in seiner neuen Wohnung mit Blick auf Wald, Berg und Neckar, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt. Den Umzug hat er schon in der vergangenen Woche vollzogen, jetzt trainiert er wieder regelmäßig. Das war zuletzt nicht immer so. Armbruster hatte Knieprobleme, setzte mit dem Training aus, zudem stand das Abitur an. Sollte er es in der Tasche haben, wolle er Architektur oder Finanz-Management studieren.

In Heidelberg selbst seien die Trainingsbedingungen ideal, er trainiert im Olympia-Stützpunkt unter Coach Alexander Kreisel, der erst vor einem Jahr vom DSW Darstadt nach Heidelberg gewechselt war, um gemeinsam mit Michael Spikermann und Uta Brandl die Kadermitglieder und zukünftigen Olympiateilnehmer optimal zu fördern. „Die Olympischen Spiele 2024 in Paris sind definitiv mein Ziel“, sagt der Schmetterling-Spezialist, dessen neuer Verein noch nicht feststeht.

Armbruster selbst schwärmt von der „optimalen Vernetzung von Olympia-Stützpunkt und Universität“. In Heidelberg könne man Schwimmen und Studium optimal verbinden, so der 19-Jährige. Für Dortmund, so Armbruster, hätte er diese optimale Vernetzung zwischen Sport und Universität nicht so gesehen. Eine kleine Spitze musste doch noch sein.

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