Von Raumplanern und Sonderpädagogen gegründeter Klub braucht keinen Vorstand

rnFußball in Dortmund

In Dortmund gibt es einen Fußballklub für „sportlich alternative“ Kicker, wie es der Verein selbst beschreibt. Gegründet wurde der Klub 2002 aus einer Bierlaune heraus.

Dortmund

, 15.11.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon der Name verrät, dass hier kein normaler Verein spielt. Innerhalb von 18 Jahren hat sich im Dortmunder Süden aus einer kleinen Interessengemeinschaft von Raumplanung- und Sonderpädagogik-Studenten ein bunter Fußballer-Mix entwickelt. Der relativ junge Klub bereichert das Dortmunder Vereinsleben auf eine eher alternative Weise.

Alleine der gerade verwendete Begriff Vereinsleben ist für die South Dortmund Soccers (SDS) ein Fremdwort. Christian Thronicke, der seit 2007 im 2002 gegründeten Klub kickt, beschreibt die Philosophie, die sich bis heute im Goystadion durchgesetzt hat. „Ich meine das nicht negativ anderen gegenüber, wenn ich sage, dass wir keine Vereinsmeierei betreiben. Wir haben aber keine richtige Vorstandsarbeit. Wir Spieler machen alles selbst und oft spontan.“ Trainer Moritz „Schlucke“ Engemann, ehemaliger Fußballer bei SF Sölderholz und SV Berghofen und selbst erst 26, ergänzt: „Wir sind nicht unbedingt politisch alternativ. Aber bei uns steht einfach das Klima innerhalb unseres Vereins über dem Sportlichen.“

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Dementsprechend ziehen die damals in einer Bierlaune im Hombrucher Raum gegründeten SDS nicht nur Studenten an, sondern jüngere und ältere Spieler, die Lust auf Lustig im Sport haben. Der Älteste ist 42, der jüngste 18. Zunächst starteten die Soccers in der Freizeitliga und suchten eine dauerhafte Bleibe, ehe sie kurz nach darauf ihr Domizil im Hörder Goy fanden. Hier profitieren sie auch von der Umwandlung von Asche auf Kunstrasen vor einigen Jahren.

„Nur über die Aufstellung entscheide ich am Ende“

Aber solange der Spaß da war, war der Belag egal. Da waren neben dem Sport auch andere Dinge nicht so wichtig – wie zum Beispiel Vereinsstrukturen. „Die wollten wir gar nicht. Jeder hat bei uns Mitspracherecht. Nur über die Aufstellung entscheide am Ende ich. Hier muss ja einer das letzte Wort haben“, erklärt der Coach. „Selbst wenn wir nur in der C-Liga kicken, stellt sich bei uns keiner da auf, wo er gerade Lust hat, zu spielen.“

Die South Dortmund Soccers haben nur ganz lose Vereinsstrukturen.

Die South Dortmund Soccers haben nur ganz lose Vereinsstrukturen. © Verein

Ein Hauch von Disziplin also im „bunten Haufen“. Die benötigte der Verein – oder wie die SDS sich auch immer bezeichnen mögen - auch 2010, als die erste Generation älter wurde und die 1. Mannschaft aufgelöst wurde, wie sich Zeitzeuge Thronicke erinnert. Aber es waren immer noch genügend Leute, die einen einzigartigen Verein nicht aufgeben wollten. Christian Thronicke erwähnt den Namen Philipp Wank. „Er hat maßgeblichen Anteil, dass wir Soccers so lebendig blieben.“

Also kamen neben Wank neue „sportlich alternative“ Fußballer dazu. Und die ließen die gesellschaftliche Tradition mit zahlreichen weiteren Events weiterleben. Rückblende: Die Ruhr Nachrichten berichtete 2004 über ein schönes Beispiel, die Zwei-Jahr-Feier: „Dem Anlass entsprechen wurde in der zehnten Etage des Dortmunder Ellipsons gefeiert. Von dort aus bot sich zwischen frischem Wok-Essen und Tanzeinlagen noch ein Blick auf die Dortmunder Innenstadt.“ Nun denn! Christian Thronicke hält diese Art der Beköstigung auch in Zukunft für wahrscheinlicher als Bauchfleisch: „Wir haben keinen Grill“, sagt er.

South Dortmund Soccers treten mit zwei Mannschaften an

Schließlich müssen alle Aktiven ja auch selbst Fußball spielen – in der ersten oder zweiten Mannschaft, die es seit zwei Jahren wieder gibt. Wenn Gemeinschaft am Ende messbar wäre, stünden die SDS mit ihrer 1. Mannschaft bestimmt deutlich besser da als der 14. Platz der C-Liga 2. Die Schwarz-Gelben aus dem Goy müssen sich aber auch namhafter Konkurrenz wie Genclerbirligi Hörde oder den Grashüpfern Olpkebach erwehren.

Den Verein Phönix Hörde lassen sie allerdings hinter sich. Selbst aus diesem illustren Kreis ragen die SDS immer noch mit ihrer ureigenen Herangehensweise heraus. Die Zweite bringt es in der Gruppe C6 sogar auf den aktuell siebten Rang, sie ist aber nicht annähernd so anders wie die 1. Mannschaft. Die Reserve war nämlich vor zwei Jahren komplett aus Kamen-Heeren ins Goy gewechselt. Aber sie haben sich den SDS-Gepflogenheiten, die es gar nicht gibt, also besser der SDS-Spontanität, angepasst.

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Realistisch wie in ihren sportlichen Ambitionen sind die Südlichen auch wegen der aktuellen Situation: „Es wäre unverantwortlich, jetzt Fußball zu spielen“, sagt Engemann. Klar, denn Corona zwänge die SDS dazu, schon im Trainingsbetrieb Kontakte zu vermeiden. Und damit hätte sich der Zweck der geselligen Soccers beinahe schon erübrigt. Nur noch einmal aber grätscht Engemann, der mit seiner Mannschaft in den vergangenen drei Jahren zwei Fairplay-Preise erhielt, bei diesen Spaß-Gedankenspielen verbal dazwischen. „Wir spielen schon, um zu gewinnen. Es soll keiner denken, dass wir auf dem Platz keinen Ehrgeiz haben.“ Nur daneben sind die Soccers aber einfach doch stärker, weil anders – wie ihr Name schon verrät. Das einzige, was im Namen SDS an einen gewöhnlichen Fußballverein erinnert, ist das D für Dortmund.

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