Dortmunds U23 erinnert sich an vergessene Tugenden - und darf endlich wieder feiern

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Dem Befreiungsschlag folgte die Freude. Die U23 von Borussia Dortmund hat nach fünf sieglosen Spielen mal wieder gewonnen. Nun gilt es die gezeigten Tugenden zu konservieren.

von Leon Elspaß

18.11.2019, 20:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zuletzt wurde viel geforscht rund um Dortmunds U23, intern wie extern. Fünf sieglose Partien samt der zu häufig schwachen Vorträge sorgten für die bislang intensivste Ursachenforschung in dieser Saison.

Dabei stellten sich zuvorderst zwei Fragen: Zum einen die nach dem Grund, zum anderen die nach möglichen Lösungswegen. Das 2:0 beim davor acht Pflichttermine ungeschlagenen Drittliga-Absteiger Fortuna Köln, unisono als „Befreiungsschlag“ aufgefasst, gab darauf erste Antworten. Der Sieg indes darf nur den Anfang darstellen.

„Glücklich nach Hause“

Taylan Duman, Mittelfeldspieler und nach seiner Einwechslung gleich wichtiger Bestandteil des Feldpersonal von Fußballlehrer Mike Tullberg, formulierte es nämlich so: „Endlich fahren wir mal wieder glücklich nach Hause. Ich hoffe, dass wir die nächsten Wochen ebenso gut spielen, damit hier keine Unruhe reinkommt.“ Zuvor hatte er noch ungefragt erwähnt, dass die durchlebte Ergebnismisere „nicht am Trainer liegt. Mike ist ein super Trainer. Wir vertrauen ihm alle. Jeder, der mit ihm zusammenarbeitet, wird das wohl bestätigen können.“

Dortmunds U23 erinnert sich an vergessene Tugenden - und darf endlich wieder feiern

Immer emotional bei der Sache: Mike Tullberg. © Bielefeld

Dass sich die Spieler das Büßerhemd selbst überstreifen, anstatt es sich einfach zu machen und Schuldige an anderen Ecken zu suchen, unterstreicht diese Aussage. Schon in den vergangenen Wochen war das von den unterschiedlichsten Protagonisten zu vernehmen. Sie hatten stets ihr Auftreten kritisiert, ihr zuweilen wachsweiches Zweikampfverhalten, ihre individuellen defensiven Patzer, ihre teilweise nicht auffindbare Kreativität und Durchsetzungskraft. Defizite, die zu den Punktverlusten führten, was wiederum im tabellarischen Absturz resultierte.

Tabelle geriet in den Vordergrund

Wegen des verdienten Erfolges in Köln, errungen dank eines Doppelschlags vom 18 Jahre jungen Magnus Kaastrup (65., 68.), weiß der BVB nun wieder um ein Sieben-Punkte-Polster auf den ersten Abstiegsplatz. Der dort postierte Wuppertaler SV hat außerdem zwei Spiele mehr absolviert. Das 2:0 war also nicht nur ein Befreiungsschlag für das zwangsläufig angeknackste Selbstvertrauen, sondern hat auch deutlich wahrnehmbare numerische Auswirkungen.

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Und wenngleich das Zahlenwerk auf der U23-Prioritätenliste eigentlich nicht ganz weit oben steht, geriet die Tabelle in den vergangenen Wochen dann doch immer mehr in den Vordergrund.

Blaupause für kommende Auftritte

Ingo Preuß, dem BVB-II-Manager, fiel nach dem Auswärtssieg deshalb „ein Stein vom Herzen“. Er habe „schon nach unten geschaut“, gab er zu. „Eine Niederlage hätte uns in arge Bredouille gebracht.“

Freilich hinkt die von ihm zusammengestellte Mannschaft weiterhin der Marschtabelle hinterher, jetzt aber hat sie wieder mehr Luft – und eine Blaupause kreiert, wie in dieser Regionalliga zu bestehen ist: Die zweifellos großen technischen Fähigkeiten auszuleben, gehört dazu, „die bringen uns allerdings nicht weiter, wenn wir uns von erfahreneren Mannschaften einfach abkochen lassen“, merkte Duman an. Cleverness ist da gefragt, zuweilen auch mal eine härtere Gangart, in jedem Fall aber robuste Zweikampfführung.

Aggressivität besonders zu sehen

Die zuletzt oft beschworene „Aggressivität“ strich Kaderplaner Preuß in seiner Post-Köln-Analyse gesondert heraus. Diesmal nämlich war dieses kämpferische Element klar ersichtlich – und vor allem deshalb möglich, weil Tullbergs Belegschaft die von der Fortuna beliebten Halbräumen gut bearbeitete, dem Gegner häufig nur in weitgehend ungefährlichen Zonen Ballbesitz gewährte und in den vermeintlich heißen aggressiv in die Zweikämpfe kam.

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Robust in den Zweikämpfen: Marco Hober. © Bielefeld

In den unmittelbaren Duellen, rekapitulierte Kapitän Boyamba, hätten sie nicht „reagiert, sondern agiert. Wir waren nicht passiv.“ Sondern aktiv und konzentriert, sodass letztlich nur vier ernsthafte Abschlussaktionen in Richtung BVB-Keeper Eric Oelschlägel zu vermerken waren, zwei davon am Ende, als die Fortuna vergeblich auf den Anschlusstreffer drängte.

Arm in Arm mit dem mitgereisten Anhang

Dortmunds Kollegium ließ sich hernach erleichtert lächelnd vom mitgereisten Anhang feiern, zusammen, Arm in Arm.

Preuß schaute sich das mit etwas Abstand an, „zufrieden“, wie er sagte. Und doch bemerkte er dann noch, dass der Ist-Zustand in Gänze natürlich längst nicht zufriedenstellend sei. „Viel Kampf und teilweise auch Krampf“ hatte er neben „ein paar auch sehr guten Angriffen“ beobachtet. Tullberg sprach von „Schritten in die richtige Richtung“.

Keine Feiertagsstimmung

Übertrieben euphorische Ausrufe gönnten sie sich in ihrer Rückschau jedoch alle nicht. Das Signal ist klar und nachvollziehbar: Feiertagsstimmung ist unangebracht, soll der Sieg in Köln doch tunlichst kein Strohfeuer bleiben.

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Emotionaler Jubel: Doppeltorschütze Magnus Kaastrup (r.) und Mateu Morey. © Bielefeld

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