Ehemaliger Spieler des KSC beim Confed Cup

Fußball

Beim 3:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft beim Confed Cup gegen Kamerun war nicht nur Matthias Ginter aus Dortmund dabei. Auch auf der Seite der afrikanischen Auswahl mischte ein Fußballer aus dem Revier mit: Michael Ngadeu Ngadjui, der schon für Kirchhörde in der Landesliga kickte.

Sotschi

von Marcus Bark

, 27.06.2017, 10:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwei Kilometer östlich des Stadions von Sotschi empfingen die Hotelangestellten und Gäste die deutsche Nationalmannschaft mit freundlichem Applaus. Zwei Kilometer westlich des Stadions gab es ähnliche Szenen, allerdings mischten sich unter die Gäste auch viele Fans, die das Trikot Kameruns trugen oder in die Nationalflagge gehüllt waren. Beide Mannschaften waren mit einem Dortmunder vertreten.

Matthias Ginter geht als einer durch, weil er seit 2014 für die Borussia spielt. Michael Ngadeu Ngadjui spielte ein halbes Jahr für den Kirchhörder SC, damals noch Bezirksligist, nachdem er im Winter 2010/11 aus Kamerun nach Dortmund gekommen war. Sein Bruder war schon hier, da lag das Studium im Ruhrpott nahe. Ngadeu hatte ein halbes Jahr in Kamerun Deutsch gepaukt, was ihm am Sonntag nach dem Spiel beim Confed Cup einen etwas längeren Plausch mit Bundestrainer Joachim Löw einbrachte.

Gegen Aubameyang

Es schien auch für Journalisten einfach zu sein, zumindest mal kurz mit Ngadeu über dessen Zeit in Dortmund und seine verbliebenen Kontakte zu reden. Schließlich war es sogar leicht, mit dem Nationaltrainer Hugo Broos zu sprechen. "Halb fünf am Pool?" – "Okay, kein Problem." Der Belgier, der im Februar mit Ngadeu in der Mannschaft überraschend den Afrika-Cup gewonnen und dabei auch gegen Gabun mit Pierre-Emerick Aubameyang gespielt hatte, sagte das Gespräch mit „En-ga-dö, wie euer deutsches Ö“ zu, allerdings erst nach dem Abschlusstraining. Die Spieler müssten vorher schlafen.

Im Stadion mischten sich dann aber Offizielle der Fifa ein, die den Pressesprecher des kamerunischen Verbandes einschalteten. Absage. Höflich, aber bestimmt. „We have our rules.“ – „Aber der Trainer hat doch …“ – „Wir haben unsere Regeln.“

Mixed Zone?

Kein großes Ding weiter, denn nach den Partien müssen die Spieler ja durch die sogenannte Mixed Zone, in der Journalisten die Chance bekommen, mit ihnen zu sprechen. Die Fifa schreibt das sogar vor, aber den Kamerunern war das egal. Sie wählten einen anderen Weg zum Bus.

Kein großes Ding weiter, denn es blieb ja das Hotel. „Die Mannschaft isst noch. Dann kommt sie hier durch“, sagte ein kamerunischer Journalist aus Düsseldorf, „ich sage Bescheid, wenn Michael kommt.“ Michael kam nicht. Kein großes Ding weiter, denn „da ist sein Bruder“. Der Plausch mit dem Bruder war nett. Die letzten Sätze waren: „Und Sie sind Michaels Bruder.“ – „Nein, der Generalsekretär.“ Ah.

Tschechischer Meister

Er versprach aber, in den Speisesaal zu gehen und Michael zu holen. Über einen anderen Weg kam der Generalsekretär (Angabe ohne Gewähr) dann 45 Minuten später in der Lobby an. „Michael ist oben“, sagte er. Das Vertrauen schwand, zum Glück waren noch einige Spieler da, die Ngadeu doch bestimmt mal eben antexten könnten, ob er Zeit für ein Gespräch über seine Zeit in Dortmund, den Kirchhörder SC und seinen damaligen Trainer Adrian Alipour habe, mit dem er noch regelmäßig in Kontakt stehen soll. Außerdem könnte er berichten, was er mit Löw besprochen hat, wie er mit Slavia Prag in der abgelaufenen Saison tschechischer Meister geworden ist.

Den Statistiken etwa ist zu entnehmen, dass er in einem Spiel drei Tore beisteuerte, wo er doch heute Innenverteidiger ist. Früher, beim Kirchhörder SC, wurde er allerdings noch als Stürmer vorgestellt. Die beiden Spieler an der Rezeption waren auch sehr freundlich. Ja, sie wüssten, dass Michael sehr gut Deutsch spreche, er habe ja beim 1. FC Nürnberg gespielt. Richtig, vorher auch beim SV Sandhausen, dahin war er von Alipour nach dem Aufstieg mit Kirchhörde in die Landesliga vermittelt worden.

Dann doch nicht

Die Spieler wussten genau, wo Michael Ngadeu Ngadjui war. „Er schläft. Er wird um 4 Uhr abgeholt und fliegt dann nach Hause.“ Ah. Vielleicht ergibt sich in der Champions League eine Chance. Slavia Prag greift in der dritten Runde der Qualifikation ein. Vielleicht auch nächstes Jahr bei der WM in Russland. Kamerun hat zwar vier Punkte Rückstand in der Qualifikation, aber nun zwei Spiele gegen den direkten Konkurrenten Nigeria auf dem Spielplan. Michael Ngadeu Ngadjui darf darauf setzen, dass der Trainer ihn wieder berufen wird. Das erzählte der Trainer. Ganz unkompliziert. Beim Frühstück.

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